21.10.2019 - 16:21 Uhr
PleysteinOberpfalz

Andrea Lang: "Stimme der Basis" in der CSU-Spitze

„Nicht lang überlegen, sondern Lang wählen“ – darum bat sie die Delegierten beim CSU-Parteitag. Mit Erfolg. Nun gehört die Pleysteinerin Andrea Lang dem Landesvorstand der Partei an. Ihre Ziele dort schildert sie im Interview.

Mit Andrea Lang wird es CSU-Chef Markus Söder künftig öfter zu tun haben.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

ONETZ: Knatsch beim Parteitag – und Sie mittendrin. Wie haben Sie die Diskussion um die Frauenquote empfunden?

Andrea Lang: Im Vorfeld wurde ja sehr viel geredet, auch mit der Jungen Union und der Frauen-Union. Es war eigentlich sehr gut vorbereitet. Womit keiner gerechnet hat, war dieser Aufstand der Basis. Im Grunde ist das natürlich gut, dass so etwas vor Ort diskutiert und demokratisch entschieden wird. Auffällig war, dass sich zunächst viele ältere Herren zu Wort gemeldet haben. Sie haben alle betont, dass sie die Quote nicht brauchen, weil sie sie alle vor Ort schon umsetzen. Ich hatte den Eindruck, sie fühlten sich bevormundet und wollten keinen Eingriff der Parteispitze in ihren Kreisverband zulassen. Die Debatte wurde immer emotionaler. Begeistert hat mich aber, wie ruhig dann über den Kompromissvorschlag abgestimmt wurde.

ONETZ: Was halten Sie von der 40-Prozent-Frauenquote für Vorstände?

Andrea Lang: Ich finde es schade, dass der ursprüngliche Vorschlag abgelehnt wurde. Im Kreisverband Neustadt haben wir die Quote ohne Zwang bereits im Wesentlichen durchgesetzt. Und das, obwohl wir sehr viel weniger weibliche Bewerber als männliche hatten. Auch ich wurde mal angesprochen. Es geht einfach darum, mehr Frauen in die CSU, überhaupt in die Politik zu bringen. Ich denke, im Bezirks- und im Landesvorstand hat die 40-Prozent-Quote auf jeden Fall etwas gebracht. Wir müssen jetzt Anreize für die Frauen schaffen, so dass sie irgendwann auch ohne Quote zu uns kommen.

ONETZ: Sie haben eine Bewerbungsrede gehalten. Waren Sie nervös?

Andrea Lang: Ja, tatsächlich. Das hätte ich vorher nicht geglaubt. Aber ich war die Drittletzte, die sich vorstellen sollte. Und ich habe gemerkt: Je mehr sprechen, desto weniger hören zu. Ich habe mich dann betont kurz gehalten, mit einem kleinen Witz am Schluss. Am Abend haben mir Delegierte erzählt, dass sie ihren Zettel bereits zugefaltet hatten, ihn danach aber nochmal aufmachten und "Lang" dazuschrieben. Das hat mich sehr gefreut.

ONETZ: Was haben Sie denn am Schluss gesagt?

Andrea Lang: Ich habe die Delegierten gebeten, nicht lang zu überlegen, sondern Lang zu wählen.

ONETZ: Wurden Sie auf Ihren Schwiegervater, Gustl Lang, angesprochen?

Andrea Lang: Ich habe immer vermieden, damit Werbung zu machen. Viele, mit denen ich beim Parteitag gesprochen habe, wussten es nicht. Im Bezirk bin ich natürlich wegen meiner beiden Kandidaturen für den Bezirkstag und als stellvertretende Frauen-Unions-Vorsitzende bekannt. Die Frauen-Union und der CSU-Bezirksverband, dazu die Abgeordneten und der Landrat standen hinter meiner Bewerbung für den Landesvorstand. Wegen dieser großen Unterstützung habe ich mich geehrt gefühlt. Die Oberpfalz hat wunderbar zusammengehalten.

ONETZ: Sie trugen ein grünes Kleid. War das ein politisches Statement?

Andrea Lang: Nein, gar nicht. Es hat mir nur gut gefallen.

ONETZ: Wofür wollen Sie sich im Landesvorstand einsetzen?

Andrea Lang: Ich will die Basis repräsentieren. Ich bin jeden Tag draußen, rackere für die Sache, die CSU, komme viel rum. Da mache ich andere Erfahrungen als ein Minister oder ein anderer Berufspolitiker. Nach dem offiziellen Teil reden die Leute oft sehr offen. Diese Meinungen will ich im Landesvorstand spiegeln.

ONETZ: Nachdem Sie jetzt in der Landespolitik angekommen sind: Haben Sie da noch höhere Ziele?

Andrea Lang: Ich wollte nie eine Berufspolitikerin sein. Und ich habe Aufgaben genug – hier in der Kanzlei, in der Politik, in verschiedenen Ehrenämtern, als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Albert Rupprecht. Aufgaben, die mir sehr gut gefallen.

ONETZ: Stimmt es, dass Sie OB-Kandidatin der CSU in Weiden werden sollten?

Andrea Lang: Ja, das wurde mir angetragen. Es gab sehr intensive, lange Gespräche. Das war das erste Mal, dass ich mir wirklich Gedanken machte, ob ich Berufspolitikerin werden wollte. Weiden ist eine wunderbare Stadt, das hätte mich sehr gereizt. Aber Vollzeit – das lässt sich nicht mit meinen Ehrenämtern wie den Vorsitz bei Donum Vitae vereinbaren. Ich habe mich also aus persönlichen Gründen dagegen entschieden.

ONETZ: Aber für den Stadtrat in Pleystein kandidieren Sie 2020 wieder?

Andrea Lang: Selbstverständlich. In Pleystein fühle ich mich einfach wahnsinnig wohl. Mit dem Bürgermeister arbeite ich als seine Stellvertreterin hervorragend zusammen.

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