14.11.2018 - 14:18 Uhr
PleysteinOberpfalz

Linde soll weg

Eine Baumgutachterin erklärt den Baum am Miesbrunner Dorfweiher für kerngesund. Trotzdem stimmen die Stadträte für die Fällung. Grund ist das Angstgefühl der Anwohner.

Anwohner befürchten eine Gefahr, falls die Linde umfällt.
von Walter BeyerleinProfil

Nach den Wünschen der Anwohner soll eine Linde in der steil abfallenden Böschung am Miesbrunner Weiher entfernt werden, obwohl dem Baum nachweislich nichts fehlt. Der Bauausschuss hatte sich bereits mit dem Gewächs befasst und beschlossen, die Kontrolle und Stellungnahme einer Baumkontrolleurin abzuwarten. Frauke von Beesten hatte sich am 11. September, unter Hinzuziehung der betroffenen Anwohner, einen Eindruck von der Linde verschafft. Den Zustand beschrieb sie als „nicht beziehungsweise leicht geschädigt“. Schäden erkannte die Baumkontrolleurin am gesamten Baum nicht. Ebenso stellte von Beesten fest, dass die Verkehrssicherheit gegeben ist. Einzige Anmerkung der Baumkontrolleurin: Die Anwohner haben große Angst vor der Linde. Ein Anlieger am Miesbrunner Weiher begründete seine Angst so: Der Baum könne auf sein Grundstück, sein Haus fallen und nicht mal eine Entschädigung gezahlt werden.

In der Stadtratssitzung hatte Bürgermeister Rainer Rewitzer ein „Regelwerk der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA)“ dabei. Es wurde von den Stadträten überwiegend als „Gesetz“ bezeichnet, obwohl es nur nicht bindende Richtlinien beinhaltet. Darüber hinaus spricht es von „Staudämmen“, nicht von Weiheranlagen. Dass die Regeln nur für Staudämme gelten, ist aus den weiteren Erläuterungen der Richtlinie klar zu erkennen. Gleichwohl leiteten manche Räte daraus eine Verpflichtung ab, den Baum zu fällen.

Bürgermeister Rewitzer erkannte das Gutachten der Baumkontrolleurin an und bezeichnete die Linde als „gesunden Baum“. Der Standort sei allerdings ein anderes Thema. Stadtrat Max Müllhofer glaubt unterhalb des Baumes Nässeaustritte gesehen zu haben, kann aber nicht beurteilen, ob dafür der kerngesunde Baum mit seinem Wurzelwerk verantwortlich ist. Würde aber dieser Baum entfernt werden, sieht Max Müllhofer die Notwendigkeit, einen weiteren Baum am Dorfweiher zu fällen, von dem eine ähnliche Gefahr ausgehen könnte. Stadtrat Stefan Voit plädierte einerseits fürs Fällen, andererseits aber für eine Neupflanzung nahe der bisherigen Stelle des Baumes. Angesprochen wird auch ein möglicher Bruch der Uferböschung. Damit verbunden werden gleich schlimmste Überflutungen, die zu „gewaltigen“ Schäden führen können. Stadtrat Helmut Rewitzer fragt deutlich, ob das „Angstgefühl“ der Anwohner ein Argument ist, einen gesunden Baum zu entfernen. „Angst ist ein Begleiter des Lebens“, meinte Helmut Rewitzer. Bei zwei Ablehnungen stimmt der Stadtrat dem Antrag auf Entfernung des Baumes zu.

Am Stamm der Linde sind keinerlei Schäden sichtbar.

Anwohner befürchten eine Gefahr, falls die Linde umfällt.

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