14.06.2020 - 14:41 Uhr
PleysteinOberpfalz

Öfter mal was Neues im Wald

Der Stadtwald hat mit 80 Prozent einen relativ hohen Nadelholzanteil, davon 65 Prozent Fichte. Oben hinter dem Galgenberg sind die Böden noch recht gut mit Wasser versorgt, doch fehlende Niederschläge machen sich auch hier bemerkbar.

Förster Andreas Eiser von der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß (links) erläutert im respektvollen Coronaabstand beim Rundgang durch den Pleysteiner Stadtwald Bürgermeister Rainer Rewitzer (Mitte) und Geschäftsleiter Günter Gschwindler (rechts) seine Pläne für den Waldumbau unter Berücksichtung von Klimawandel und zurückgehenden Niederschlägen. Deutlich zu sehen ist der Schutz für die Jungpflanzen gegen Wildverbiss.
von Walter BeyerleinProfil

Das trockene Jahr 2018 hat zum ersten Mal die Schäden durch den Befall der Fichten mit dem Borkenkäfer steigen lassen. Knapp ein Viertel des eingeschlagenen Holzes war betroffen. Im vergangenen Jahr stieg dieser Anteil auf 45 Prozent, wobei der Einschlag von gesundem Holz zurückgefahren worden war.

Unter Berücksichtigung all dieser von der Natur und dem Klima vorgegebenen Faktoren hat sich Förster Andreas Eiser von der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß als Verwalter des Pleysteiner Stadtwaldes, das Ziel für einen Waldumbau mit hohem Laubholzanteil gesetzt.

Bei einem Rundgang durch Abschnitte des Pleysteiner Stadtwaldes, insgesamt rund 240 Hektar, wie Bürgermeister Rainer Rewitzer anmerkte, berichtete Förster Andreas Eiser über die Geschehnisse und Veränderungen im Stadtwald, auch über die Ertragssituation.

Der Holzeinschlag im vergangenen Jahr wurde aus Gründen eines sehr schlechten Holzpreises verringert, ergänzt Stefan Eiser.

Ausführlich schilderte Andreas Eiser die notwendigen Arbeiten im Wald in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, vor allem unter der Prämisse zunehmender Trockenheit. So soll jetzt vor allem die Tanne als weniger käferanfällig den Vorzug gegenüber der Fichte neben diversen Laubbäumen erhalten.

In diesem Jahr hat Eiser auf sieben Pflanzflächen im Stadtwald auf Fichten verzichtet, sondern das Augenmerk auf Laubbäume und gemischte Nadelbäume gesetzt. Die Entscheidung fiel zugunsten von Tanne, Douglasie, Lärchen, Buchen und Exoten wie der Robinie als "falscher Akazie", die Trockenheit besonders verträgt. Bereits 2019 wurden auf einer kleineren Fläche 100 Zedern gepflanzt.

Teurer, aber robuster

Eiser macht deutlich, dass die Bäume mit Ausnahme der Fichte preislich höher anzusetzen seien. Umgekehrt sei die Tanne nicht so anfällig gegenüber dem Borkenkäfer, die Triebe der jungen Bäume aber für die Rehe "wie der Schweinsbraten mit Klößen für die Menschen". Außerdem fegen Rehböcke ihre Gehörne gerne an den Tannen und Douglasien, weil deren Geruch anziehend wirke.

Um dem wirksam zu begegnen, sind die Jungbäume mit Verbissschutz umgeben, der zugleich auch zu besserem Aufwuchs führt. Allerdings kostet ein Verbissschutz zwei bis drei Euro, und die Jungpflanzen sind preislich ebenfalls etwas höher anzusetzen, berichtet der Förster. Da fällt bei Eiser auch der vielleicht manchem unbekannte Name "Elsbeere", die 2011 sogar "Baum des Jahres" war, vor allem im Spessart heimisch ist und jetzt im Stadtwald ihren Platz finden soll.

Wer einen Wald besitzt weiß, dass das Fällen eines Baumes meist drei Generationen nach dem Pflanzen wirtschaftlich möglich ist. So braucht beispielsweise eine Douglasie rund 90 Jahre, bevor die Säge angesetzt werden kann.

Satte Zuschüsse

Als positiv für die Hege und Pflege des Stadtwaldes nennt Andreas Eiser die verbesserte Förderung durch den Freistaat. So werden jetzt 2,50 Euro pro gepflanztem Jungbaum erstattet, auch für die Aufwuchshilfen werden zwei Euro bezahlt. Seitens des Landwirtschaftsamts werden die staatlichen Hilfen bei der Aufforstung mit 90 Prozent beziffert. Dies sei natürlich komfortabel, so dass die Nachpflanzungen in diesem Frühjahr recht ordentlich ausfielen.

Bürgermeister Rainer Rewitzer nannte den Stadtwald das "Sparbuch" der Stadt, der aber auch als Teil der Naherholung und der Kulturlandschaft eine große Bedeutung hat. Die unterschiedlichen Baumarten seien wohl etwas teurer, der finanzielle Aufwand aber im Sinne der nachfolgenden Generationen, die den Nutzen aus dem Stadtwald ziehen sollen, richtig.

Eiser lobt die Stadt Pleystein für ihre Pflanzungen ausdrücklich, weil bereits vor einigen Jahren "Flatterulmen" gesetzt wurden, die ein Beweis für die Aufgeschlossenheit der Stadt Pleystein gegenüber Neuerungen im Wald seien. Einem guten Aktienfonds gleich, versuche die Stadt das Risiko zu verteilen und zu minimieren, erklärt der Förster.

In diesem Jahr sei der Einschlag im Stadtwald aufgrund des absolut niedrigen Holzpreises sehr gering gewesen, was aber nicht damit verbunden sein dürfe, mit der Pflege und der Aufforstung zurückzugehen. In diesem Zusammenhang verweist der Förster auf die erfolgreiche PEFC-Zertifizierung des Pleysteiner Stadtwaldes als Nachweis nachhaltig bewirtschafteter Wälder.

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