06.06.2018 - 12:46 Uhr
PleysteinOberpfalz

Soldaten auf Proviantsuche

Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, der am 23. Mai 1618 durch den Prager Fenstersturz ausgelöst und am 24. Oktober 1648 durch den Westfälischen Frieden beendet wurde, ging auch an der Pleysteiner Region nicht spurlos vorüber.

von Autor TUProfil

(tu) Der Konflikt war einerseits ein Glaubenskrieg zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union und gleichzeitig ein Kampf um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich zwischen dem Habsburger Kaiser sowie Landesfürsten im Inneren und zwischen dem Reich und europäischen Widersachern wie Frankreich, Dänemark und Schweden im Äußeren. Die Belastungen dieses Krieges in unserem Raum kamen von den durchmarschierenden Truppen, gleich welcher Partei sie angehörten. Sie alle mussten sich versorgen. Neben den vielen Naturallieferungen nahmen die Abgaben in Geld ungeahnte Größen an, die die Bevölkerung in wenigen Jahren verarmen ließen. Außer den Regierungskommandos drangsalierten Soldaten, die von der Truppe abgekommen waren, die Einwohner mit allen erdenklichen Schikanen.

Bauern ausgeplündert

Wie aus der Stadtchronik von Heimatforscher Siegfried Poblotzki (1917 bis 1997) hervorgeht, schrieben der Bürgermeister und der Rat der Stadt Pleystein am 15. Mai 1621 an Statthalter Christian Fürst zu Anhalt: "Seit zwei bis drei Jahren wird die Stadt Pleystein sowie das Amt durch das durchziehende Kriegsvolk zu Roß und Fuß beschwert. Im vergangenen Herbst und Winter waren des Rittmeisters Unruh und Herrn Feldmarschalls Friedrich Fuchsen Reiter allhier, so dass alles Heu und Stroh aufgezehrt und auch alle anderen Viktualien, Brot und Bier nicht mehr zu haben sind. Wenn auch noch die Mansfeldischen Truppen in die Stadt gelegt werden, so ist das nicht mehr auszukommen". Amtverwalter Matthias Dolhopf schrieb am gleichen Tage: "Durch die vergangenen Durchzüge wurden manche Bauern geplündert und durch die Soldaten von Haus und Hof vertrieben."

Pfleger Wolf von Wildenstein informierte am 19. Mai 1621 den Oberst Reinhard Graf zu Solms: "Im Pleysteiner Kasten sind nur noch 500 Viertel Korn, 500 Viertel Hafer und in der Stadt keine 500 Eimer Bier mehr vorhanden. Die Bürger wollen auch kein Bier mehr ohne Bezahlung abgeben. Die Ämter Treswitz und Tännesberg wollen keinen Proviant liefern. Mit dem Grafen Mansfeld und dessen Offizieren habe er ein Übereinkommen getroffen. Er werde für das Notwendige sorgen, und dafür soll die Truppe keine gewalttätige Proviantbeschaffung bei der Bevölkerung vornehmen". Das Jahr 1634 brachte der Stadt die größte Katastrophe seit den Hussitenkriegen. Oberst Corpus fiel mit 300 Reitern in den Ort ein und ließ ihn anzünden. Der größte Teil wurde ein Raub der Flammen, und auch das Rathaus sowie das Pflegehaus und das Pfarrhaus wurden zerstört.

Pest bricht aus

Im Herbst des selben Jahres brach die Pest aus. Sie begann im Burggut. Alle kranken und verdächtigen Personen mussten auf kurfürstlichem Befehl dorthin gebracht werden. Sie starben alle bis auf Martin Haubner, den Sohn des Burggut-Besitzers. Bürgermeister und Rat schrieben am 21. Juli 1648 an den Landschaftsverwalter: "Die Bürgerschaft ist verarmt und ausgesaugt bis auf den letzten Blutstropfen. In den letzten Monaten mussten hohe Kontributionen an die Schwedischen nach Eger bezahlt, täglich Geld, Bier, Proviant und Hafer geliefert werden".

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