12.09.2018 - 14:52 Uhr
PleysteinOberpfalz

Weltberühmte Schätze aus Pleystein

Aplit, Frondelit, Strunzit oder Turadin: Dem sammlerischen Wirken des Pleysteiner Gesteinskundlers Ferdinand Lehner (1868 bis 1943) verdankt das Stadtmuseum eine weltweit bedeutende Mineraliensammlung von Oberpfälzer Fundstellen.

Referent Martin Füßl im Stadtmuseum bei seinem Vortrag.
von Autor TUProfil

Diplom-Geograph Martin Füßl aus Parkstein, der seit Jahren eng mit dem Museumsarbeitskreis zusammenarbeitet, hat diese Exponate mit einer komplizierten Fototechnik, der Mehrebenenfotographie, dokumentiert. Deren Schönheit erschloss er in einem einstündigen Bildervortrag mit brillanten Fotos unter dem Motto „Das unsichtbare Museum – Innenansichten von Oberpfälzer Pegmatitmineralien“ im voll besetzen Medienraum als Beitrag zum „Tag des Geotops“.

Zum Einstieg gratulierte Füßl der Stadt Pleystein und dem Museumsarbeitskreis zu der vor einigen Wochen in München erfolgten Auszeichnung mit einem Preis des staatlichen Wettbewerbs „100 Heimatschätze“. Zu den „weltberühmten Schätzen“ aus Pleystein betonte er, dass der Rosenquarzfelsen als Wahrzeichen der Stadt nicht nur eine der landschaftlichen und touristischen Sehenswürdigkeiten in der Oberpfalz, sondern darüber hinaus auch für höchst seltene und zum Teil weltweit einzigartige Mineralien bekannt sei. Wissenschaftler und Mineraliensammler aus aller Welt ziehe es auf der Jagd nach den seltenen Phospatmineralien oder wissenschaftlichen Erkenntnissen seit über 100 Jahren nach Pleystein.

Während die Experten in den Ausstellungsräumen angesichts der exklusiven Exponatenvielfalt regelmäßig ins Schwärmen geraten würden, offenbare sich die Faszination dieser Präsentation dem Laien oft nur sehr bedingt. „Sicherlich fallen ihm die violetten Stengite oder Phosphosiderite vom Kreuzberg wegen ihrer spektakulären Farbe ins Auge, aber manchmal sieht er in den Vitrinen nur löchrige grüne, braune oder graue Steine. Und spätestens hier fragt sich so mancher Besucher, warum sie dort ausgestellt sind“, fuhr Füßl fort. Dies liege daran dass diese extrem seltenen Mineralien meist winzig klein und mit dem bloßem Auge kaum zu erkennen seien. „Ich hoffe, dass nach meinem Vortrag so mancher Museumsgast diese Sammlung mit ganz anderen Augen sehen werde“. Mineralien würden sich nicht auf Anhieb als Schätze erkennen lassen.

Der Kreuzberg habe als Klassiker vielfältige mineralogische Prachtstücke beherbergt, die vor allem durch Lehner aufgespürt und gesammelt worden seien. Der Regierungsdirektor sowie Vorsitzende der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie Weiden präsentierte den staunenden Zuhörern an der Leinwand vergrößerte Kristallformen allererster Qualitätsgüte aus den Pegmatitvorkommen der Region. Darunter befanden sich ein Columbit, ein poilierter Aplit sowie ein Strunzit und ein Turadin aus Fundstellen bei der Trutzhofmühle, ein Phosphophyllit aus Hagendorf und ein Rockbridgeit, ein Strengit, ein Frondelit aus Pleystein und vieles mehr.

Außerdem sprach er die Entstehung des Schriftgranits und dessen typische Struktur an. Beim Erstarren von Magma würden sich Minerale in einer bestimmten Reihenfolge abscheiden, so beim Granit in Feldspat, dann Glimmer, zuletzt Quarz. Schriftquarz sei eine späte Kristallisierungsphase der Pegmatiten. Füßl informierte im weiteren Verlauf noch über Waschproben nach Gold unter anderem im Zottbach und über steinzeitliche Funde in unserem Raum und schloss mit einem Zitat: „Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt und aus dem, was wir vergessen haben.“

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