22.07.2021 - 17:44 Uhr
PlößbergOberpfalz

Gute Ernte, schlechter Ertrag: Beim Landwirt kommt zu wenig an

Teilweise trocken, teilweise patschnass: Trotz Starkregen, Hagel und Trockenperioden sehen die Oberpfälzer Landwirte der Ernte halbwegs optimistisch entgegen. Noch ist sie allerdings nicht eingefahren. Vom finanziellen Ertrag ganz zu schweigen.

Findige Grillmeiers: Das Lilienfeld von Junior Andreas und Senior Hans in Konnersreuth bei Plößberg.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Zuerst war das Frühjahr unerwartet kalt, erläutert Josef Wutz, Oberpfälzer Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) die Erntesituation. „Das führte zu einer verzögerten Entwicklung bei Frühkartoffeln, Getreide und Mais.“

Dann kam der Regen, seit April in der ganzen Oberpfalz. „Das tat den Böden natürlich gut, auch der Wald konnte seine Wasservorräte auffüllen.“ Anders im Landkreis Schwandorf: „Hier herrscht in den tieferen Bodenschichten immer noch Trockenheit.“

Hagel hat alles zusammengehauen

Beim Erntegespräch auf dem Hof von Hans und Sohn Andreas Grillmeier in Konnersreuth bei Plößberg wurden aber auch die regionalen Unterschiede deutlich: „Bei uns im Landkreis Tirschenreuth bis nach Wiesau hat der Hagel alles zusammengehauen“, sagt Kreisbäuerin Irmi Zintl. „Und die schweren Lehmböden erholen sich auch so schnell nicht mehr.“ Die heftigen Hagelschauer hätten im östlichen Landkreis mancherorts die Körner der Wintergerste bis zu 60 Prozent zerstört. „Die vielen Gewitter überfluteten die Äcker und verzögerten die Ernte“, ergänzt Kreisobmann Ely Eibisch.

Die Folge: „Die zu erwartenden Getreideerträge sind zwar überdurchschnittlich“, erklärt Bezirkspräsident Wutz, „die Kartoffeln sind dankbar für die Niederschläge, aber durch die Verzögerungen war schon der erste Schnitt verholzt und beim zweiten kommt es jetzt ähnlich, es fehlt an Futterqualität.“

Ernte noch nicht eingefahren

Die Praktiker vor Ort müssen es wissen: „Das Wintergetreide sieht recht gut aus“, beschreibt Betriebsleiter Andreas Grillmeier den Balanceakt, „Bestandsschäden haben wir in überwässerten Mulden und auch der Mais ist etwas hinterher.“ Der erfahrene Seniorchef warnt den „Ernteberichterstatter“ davor, den Tag vor dem Abend zu loben: „Die Ernte ist noch nicht eingefahren“, sagt Hans Grillmeier, „es kann noch viel passieren.“ Man versuche bereits Feldstücke zu teilen, Klee reinzusäen, aber wenn der Starkregen komme, helfe alles nichts.

Umgekehrt müssen sich die Grillmeiers für kommende Trockenperioden wappnen: „Wir haben ein Rückhaltebecken, einen Weiher, den man um einen Meter absenken kann“, erklärt Hans Grillmeier. „Der kleine Hausbrunnen ist für das Gewächshaus, für den Salat verwenden wir einen Tropfschlauch direkt zur Wurzel, das ist sparsamer.“ Vater Hans und die Söhne Andreas und Johannes bewirtschaften nach dem tragischen Krebstod der Ehefrau und Mutter im vergangenen Jahr zu dritt einen landwirtschaftlichen Meisterbetrieb, dessen Felder den eigenen Hofladen mit allem füllen, was die heimische Vegetation zu bieten hat: „Kartoffeln und alle heimischen Gemüse, Zwiebeln, Karotten“, zählt Andreas Grillmeier auf, „in den Treibhäusern Tomaten und Gurken.“ Dazu kommen Milchvieh und Waldbau. Die farbenprächtigen Blumenfelder nicht zu vergessen.

Begehrte Regionalität

Die Gäste vom Bauernverband sind begeistert von diesem Vorzeigehof: „So stellen sich Staatsregierung und Bevölkerung einen Musterbetrieb vor“, lobt Bezirksbäuerin Rita Blüml. „Und diese Regionalität wird angenommen, wie man schon daran sieht, dass ein Auto nach dem anderen zum Hofladen einbiegt.“ Die Ware dort sei klimaschonend, saisonal und qualitativ hochwertig. Und auch Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten, ist angetan: „Eine solche Bandbreite von Gemüse über Milchvieh bis hin zum Wald hat man wirklich selten.“ Dass die Grillmeiers von Anfang an mit Erfolg auf Direktvermarktung gesetzt hätten, zeige: „Sie sind innovative Unternehmer.“

Das muss man wohl auch sein in einer Zeit, in der der Großhandel die Preise nach Belieben diktiere und die Konsumenten immer weniger für Lebensmittel ausgeben: „Es ist schon Wahnsinn, dass das Getreide heute genauso viel kostet wie vor 30 Jahren“, sagt Blüml. Und Eibisch präzisiert: „Die Verbraucher gaben 1960 noch 60 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus, heute sind es noch 9 Prozent.“ Damals habe man freilich auch nicht jedes Jahr in den Urlaub fahren können. „So betrachtet sind die Landwirte die Wegbereiter des deutschen Wohlstandes“, resümiert Bezirkspräsident Wutz.

Gute Ernteprognose

Friedersreuth bei Pressath
BBV-Besuch am Grillmeier-Hof: (von links) Kreisbäuerin Irmgard Zintl, Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch, Hans und Andreas Grillmeier, Bezirkspräsident Josef Wutz, Bezirksbäuerin Rita Blüml und Kreisobmann Ely Eibisch.
Hintergrund:

Oberpfälzer Feldfrüchte

  • Insgesamt stehen in der Oberpfalz über 143.000 Hektar Getreide zur Ernte an.
  • Hauptkultur ist der Winterweizen mit knapp 54.000 Hektar,
  • gefolgt von Wintergerste mit knapp 40.000 Hektar, deren Ernte in den nächsten Tagen beginnen wird.
  • Von besonderer Bedeutung für die Oberpfalz sind die Kartoffeln, die auf rund 6500 Hektar angebaut werden.

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