Plößberg
20.11.2024 - 13:48 Uhr
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Insolvenzverwalter will Ziegler-Betrieb bis auf Weiteres fortführen

Gerüchte gibt es schon länger, dass es aber so ernst ist und so schnell geht, überrascht die Region dann doch. Die Dachfirma der Ziegler-Group in Plößberg muss in die Insolvenz.

Die Ziegler-Holding hat am Mittwoch einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Damit bestätigen sich die schlimmsten Gerüchte der vergangenen Tage um das Unternehmen aus der Holz- und Baubranche. Schulden von mehr als 800 Millionen Euro sollen das Unternehmen in die Knie gezwungen haben. Das Gesamtunternehmen hatte zuletzt eine Zahl von 3200 Mitarbeitern in rund 50 formell eigenständigen Gesellschaften genannt.

Betroffen ist derzeit lediglich die Ziegler-Holding als Dachfirma des Konzerns, wie Insolvenzverwalter Volker Böhm bestätigt hat. Er habe sich bereits vor Ort ein Bild gemacht. Mit der Geschäftsführung habe er die Lage besprochen. Er beabsichtigte, "soweit möglich, den Geschäftsbetrieb der Ziegler Holding GmbH während des vorläufigen Verfahrens in vollem Umfang fortzuführen", hieß es in einer Mitteilung des Juristen aus der Kanzlei Schultze und Braun mit Sitz in Nürnberg. "Bisher hat keine der mehr als 30 Gesellschaften der Gruppe Insolvenzantrag gestellt. Inwieweit einzelne dieser Gesellschaften ebenfalls Insolvenzantrag stellen müssen, ist noch offen und wird zurzeit geprüft." Unmittelbar betroffen seien derzeit 170 Mitarbeiter. Deren Bezüge sind für drei Monate über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur gesichert.

Aufstieg in den 2010er Jahren

Die Insolvenz des Unternehmens setzt den vorläufigen Schlusspunkt unter eine Geschichte, wie es sie in der Nordoberpfälzer Wirtschaft bisher wohl noch nicht gegeben hat. Auf mehrere Jahre scheinbar unaufhaltsamen Aufstiegs ab Mitte der 2010er Jahre folgte ein noch schnellerer Niedergang, der nun in der Zahlungsunfähigkeit endet.

Untrennbar verbunden ist diese Geschichte mit der Person von Firmenchef Stefan Ziegler. Der heute 44-Jährige war 2008 in die Geschäftsführung der Firma eingestiegen, die sein Großvater 1948 auf der Betzenmühle, einem Ortsteil von Plößberg im Landkreis Tirschenreuth gegründet hat. Spätestens mit dem Kauf des Bahnhofs in Wiesau und der Gründung der Logistiksparte begann ab 2011 die Verwandlung und der Aufstieg von einem bereits sehr großen Sägewerksbetrieb zu einem Konzern mit Angeboten von Gastronomie bis hin zum Hausbau.

Diesen Umbau befeuerte Ziegler ab Mitte der 2010er Jahre mit Zukäufen, Neugründungen und Erweiterungen. Vor allem forcierte er die Gründung einer Hausbausparte. "Vom Stamm zum Haus" sollte sein Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Als um 2020 die Baubranche boomte und der Holzpreis boomte, schien das Wachstum für Ziegler keine Grenzen mehr zu kennen.

Doch in den vergangenen beiden Jahren wendete sich das Blatt: Die Zinsen stiegen, die Baukonjunktur brach in sich zusammen und in deren Folge auch die Nachfrage nach Holz. Auf die Krise der Bauindustrie "infolge des Ukraine-Krieges" weist auch der Insolvenzverwalter als mögliche Ursache der Krise hin.

Zukauf in Rumänien

Die steigenden Zinsen wurden so wohl doppelt zum Problem für das Unternehmen: Neben dem Niedergang der Baubranche belasteten die hohen Schulden immer stärker. Trotz boomender Geschäfte hatte das Unternehmen kaum Eigenkapitalpolster aufgebaut. Der Eigenkapital-Anteil betrug in der letzten Bilanz für das Jahr 2022 deutlich unter 10 Prozent. Noch im Jahr 2023 folgte dann der Zukauf eines Sägewerks in Rumänien.

Bei Schulden im dreistelligen Millionenbereich und schrumpfenden Umsätzen soll die wachsende Zinslast zu einem immer größeren Problem für die Firma geworden sein. Längst war es in der Branche auch deshalb ein offenes Geheimnis, dass im Unternehmen die Banken das Sagen hatten. Auch der jüngst vorgestellte Geschäftsführer Jörg Artmann gilt als Sanierungsexperte, der im externen Auftrag Firmen leitet und saniert. Neben Artmann waren im Hintergrund weitere Sanierer in dem Oberpfälzer Unternehmen tätig.

Diese scheinen nun zum Schluss gekommen zu sein, dass eine Insolvenz für die Geldgeber günstiger kommt, als das Krisenunternehmen mit neuem Geld am Leben zu halten. Zurück bleiben nun geschockte Arbeitnehmer und eine ganze Region, die die Ziegler-Geschichte der vergangenen zehn Jahre wie im Film begleitet hat. Insolvenzverwalter Volker Böhm macht derweil Hoffnung und gibt sich am Mittwoch kämpferisch: "Nach einer ersten Einschätzung bestehen gute Chancen, die Gruppe mittels Insolvenzverfahren neu zu ordnen. Mein oberstes Ziel ist der Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen in der Region und darüber hinaus. "

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Kommentare

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Peter Schmidl

Bei der Ziegler Holding GmbH denke Ich an Wolfgang Grupp ... „dass die Entscheidungsträger auch für ihre Entscheidungen die Verantwortung übernehmen (persönlich haften) müssen ... dann wären die Entscheidungen überlegter, verantwortungsvoller und vor allem nicht der Gier und dem Größenwahn ausgesetzt"

"Peanuts" - Die Schneider-Immobilien-Pleite (1994)

Im Sommer 2020 meldete das einstige deutsche Börsenwunder Wirecard Insolvenz an.

Es sind immer wieder die von vielen bewunderten "Macher" die dann doch all zu oft zum "Kaputt-Macher" werden.

Zum Trost bleiben die Filetstücke der Kern der gute Perspektiven für die Zukunft hat und "die zerschlagenen Scherben" zum Beispiel das Steinwaldhaus in Pfaben oder auch Knorr in Weiden ... die Hoffnung stirbt zuletzt, aber bitte verschonen sie uns mit den wiederholten "Schock" mit offenen Augen war das absehbar.

21.11.2024
Markus Keßler

Alte Schafkopfregel:

Achtung, Gier frisst Hirn!

Für die Angestellten die besten Wünsche und möglichst wenig Kollateralschäden.

20.11.2024
Tanja Härtl

Das war leider absehbar. Schade für die Arbeitnehmer und für die begonnenen Projekte wie das Steinwaldhaus, das nun eine Bauruine zu sein scheint.

20.11.2024
Frank Schramek

Das war nicht anders zu erwarten. Man hätte dem Hasardeur Ziegler viel früher einen Aufpasser zur Seite sollen stellen. So unkontrollierte Zukäufe und ungehemmtes Wachstum löst schnell Größenwahn und "von der Erde abgehoben" aus. Hoffentlich finden die vielen Mitarbeiter schnell einen adäquaten Arbeitsplatz, was in der Nordoberpfalz sehr schwer sein wird.
Hoch geflogen und der Sonne zu nah gekommen.
Frank Schramek

20.11.2024
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