05.11.2020 - 14:25 Uhr
PlößbergOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth verliert zentrales touristisches Angebot

In seinem Leserbrief zum Artikel "Räumungsfrist für Dauercamper verlängert" kritisiert Markus Remold die Schließung des Campingplatzes Plößberg.

Der Marktrat beschloss, den Betrieb am Campingplatz am Großen Weiher in Plößberg einzustellen.

Liebe Redaktion, schön, dass Sie dem Plößberger Campingplatz am vergangenen Mittwoch eine ganze Seite gewidmet hat. Dies zeigt, dass hier eine Einrichtung von großer öffentlicher Bedeutung geschlossen werden soll, ein Ort, dessen Schönheit und Attraktivität noch über das hinausgeht, was Ihr gelungenes Foto erahnen lässt. Allerdings hätte ich den Artikel lieber auf der Landkreisseite und nicht unter der Rubrik "Am Grenzkamm" gesehen, denn was in Plößberg geschieht, geht nicht nur die Plößberger an. Wir haben im östlichen Landkreis Tirschenreuth drei Campingplätze, aber nur einen im Naturpark "Nördlicher Oberpfälzer Wald", eben den am Plößberger Weiher. Wird er geschlossen, verliert unser Landkreis ein zentrales touristisches Angebot für alle Menschen, die die Ruhe und Schönheit unserer Landschaft suchen und schätzen.

In Ihrem Artikel heißt es, "dass die gesamte Anlage einer Erneuerung bedarf". Das klingt nach vorübergehender Schließung. Ich habe nachgefragt. Weder der Bürgermeister noch ein anderer Vertreter aus Politik und Verwaltung wollte mir die Zusage geben, dass Plößberg auch in Zukunft einen Campingplatz haben wird. Bedenkt man die Investitionsvorhaben der Marktgemeinde, über die Sie ebenfalls berichtet haben, und bedenkt man, dass der Campingplatz bisher "Defizite" erwirtschaftet haben soll, kann man sich leicht ausrechnen, dass mit einer Wiedereröffnung nicht zu rechnen ist, falls nicht plötzlich eine Art Oberpfälzer Bill Gates mit einer Millionenstiftung aus den Wolken fällt, der zufällig ein Faible für naturnahe Campingplätze hat.

Im Übrigen kann man im Jahr des Wirecard-Skandals nur schmunzeln, wenn einer der Markträte in der Marktratssitzung um eine detaillierte Aufstellung der defizitären Posten bittet - zwei Wochen nachdem der Marktrat einstimmig die Schließung beschlossen hat. Oh königlich-bayerische Kommunalpolitik!

Dass sich nach "25 Jahren im Dauereinsatz" nicht leicht ein Pächter finden lässt, glaube ich. Nur: 25 Jahre Dauereinsatz würde man in der Wirtschaft "Vollauslastung" nennen und dies wäre ein Qualitätsmerkmal. Wenn aber die "Mängel" so groß sind, dass eine "Sanierung auf Etappen" nicht möglich ist, fragt man sich als Besitzer eines Eigenheims stirnrunzelnd: Wer lässt seine wertvolle Immobilie vergammeln, bis die Abrissbirne als einzige Lösung bleibt?

Erfreulich ist, dass in Ihrem Artikel ein "Gespräch mit der Bevölkerung" und "die Möglichkeit zur Mitsprache" in Aussicht gestellt werden. Ich hatte dem Bürgermeister rechtzeitig vor der Sitzung einen runden Tisch mit Vertretern aller beteiligten Gruppen vorgeschlagen - maximal zehn bis zwölf Personen. Eine solche Gesprächsrunde hat der Bürgermeister jedoch in der Marktratssitzung in Anwesenheit von 21 Personen am ersten Tag des "Lockdown light" mit dem Verweis auf Covid-19 abgelehnt.

Ich weiß, dass es in unserem Landkreis viele Privatpersonen, Organisationen, Institutionen und Firmen gibt, die die landschaftliche Schönheit und den Freizeitwert unserer Region als Standortfaktor schätzen. Daher möchte ich an dieser Stelle an alle diese Menschen appellieren: Helfen Sie mit, wo Sie können, damit uns im Oberpfälzer Wald auch in Zukunft ein einzigartiger, naturnaher Campingplatz erhalten bleibt!

Markus Remold, ÖDP-Kreisrat aus Plößberg

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