18.03.2021 - 14:15 Uhr
PlößbergOberpfalz

Der Mann mit dem grünen Herzen

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Norbert Hagen besitzt 30 Hektar Biotope. Der 81-Jährige hat Flur- und Feldflächen gekauft, damit er sie der Wildnis zurückgeben kann. Für sein Engagement im Sinne der Natur wird er jetzt geehrt.

Norbert Hagen freut sich sehr über die hohe Auszeichnung, die er per Post bekommen hat. Das Verdienstkreuz hat er noch nicht in Händen. Es wird ihm noch persönlich verliehen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Bierdeckel und die nächsten Autogramme. Äußerst selten aber ist es, wenn jemand Grundstücke sammelt. Einer, der das seit vielen Jahrzehnten macht, ist Norbert Hagen. Der pensionierte Hauptschullehrer widmet sein Leben den Biotopen. 30 Hektar Naturflächen hat er über viele Jahre hinweg „gesammelt“. Nicht zum Eigennutz. Hagen will so viel Land wie möglich der Natur zurückgeben. Dafür bekommt er nun die höchste Auszeichnung Deutschlands: Norbert Hagen ist seit einigen Tagen Träger des „Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland".

Neues Biotop im Auge

„Dabei mache ich jetzt gar nicht mehr so viel“, sagt Hagen. Denn er sei schon 81 Jahre alt. Wer ihn kennt, will ihm das mit dem „weniger tun für die Natur“ nicht ganz glauben. Und wenig später erzählt er auch, dass er ein neues Biotop im Auge habe. Ein kostspieliges Hobby sei das nicht, sagt er auf die Frage zu den Kosten. Immer seien es kleine, für Landwirte unattraktive Flurstücke. Manche seien bereits Biotope, so Hagen. Andere wurden erst durch sein Zutun wertvoll, wie die Streuobstwiese mit 300 Obstbäumen oder die wertvollen Hecken, die Lebensraum für Insekten, Vögel und kleine Tiere bieten.

Die Landtagsabgeordneten Anna Schwamberger und Tobias Gotthardt haben Norbert Hagen für die Auszeichnung vorgeschlagen

Plößberg

Begonnen habe alles in der Schule, denkt Hagen immer wieder gern an die Anfänge zurück. „Vor gut 20 Jahren wurde die Projektarbeit in den Hauptschulen eingeführt“, erklärt er die Hintergründe seiner etwas anderen Sammlerleidenschaft. Sein Projekt für die Klassen 5 bis 9 sei ein Biotop mit einem Tümpel gewesen. „Wir sind mit den ganzen Klassen raus und haben Pflegemaßnahmen gemacht.“ Auch die Eltern seien eingeladen worden, die Kinder hätten ihnen mit Theaterstücken, Sketchen oder einem Gedicht berichtet, was sie während des Schuljahres im Biotop machten. Hagen hat heute noch die begeisterten Gesichter der Kinder vor sich. Er erzählt von der Freude der Schüler bei der Arbeit draußen und dass sich die Eltern da gern anstecken ließen.

Viel Lob für die Schüler

Ein schwerer Fahrradunfall habe ihm dann leider im Alter von 50 Jahren ein ganzes Jahr lang an seinen Aktivitäten für die Natur gehindert. Hagen ging, obwohl er sich nie richtig von diesem Unglück erholt hat, wieder in den Schuldienst. Sein Handicap schweißte ihn mit seinen Hauptschülern eng zusammen. „Die jungen Leute haben mich unterstützt, wo es nur ging“, kann er nur Gutes von „seinen“ Schülern berichten. Zwar pflegt es die Schule nicht mehr seit seiner Pensionierung. „Aber wir haben weitergemacht. Außer jetzt wegen Corona natürlich“, erzählt Hagen. Die Leitung hat zuerst der LBV, nun der Obst- und Gartenbauverein übernommen.

Gut zehn bis 20 Schüler kommen zur Pflege weiterhin. Hagens sonstige Flächen pflegen der Maschinenring oder Auftragsbauern. Hagen ist froh und dankbar, dass der Staat Bayern großzügig Fördergelder dafür gibt. Viele seiner Grundstücke bräuchten Zeit, sich zu entwickeln, erklärt er. „Das kann 15 Jahre und länger dauern.“ Wie es voran geht, davon will er sich weiterhin selbst überzeugen und ist oft draußen auf seinen Grundstücken auf der Altglashütte, bei Bärnau, Thanhausen und Hohenthan. Sein größtes Glück ist es, wenn er wieder auf einer Wiese eine seltene Arnika entdeckt, die ebenso scheue Waldhyazinthe oder die Heidenelke als Indikator, dass das Biotop reift. Norbert Hagen gehört zu den Naturschützern Nummer 1 im Landkreis. Seine Freunde sind seine Mitstreiter aus LBV und Bund Naturschutz. Mit ihnen streift er häufig draußen durch die Naturreservate, um die Fortschritte zu beobachten.

Ob er sich über das Bundesverdienstkreuz freut? „Natürlich ist das schön“, sagt er und fügt an, dies sei für ihn eine Auszeichnung für die Natur, was ihn daran besonders freue. Dann sinniert er kurz dar+ber nach, dass ihn aber die Bayerische Umweltmedaille, die er in seiner aktiven Zeit bekommen hat, beinahe ein wenig mehr gefreut habe Er kramt nach der Medaille in seinem „Chaos“, wie er seinen Lebensstil nennt und nimmt das zum Anlass, vom „gewollten Chaos“ auf seinen Naturflächen zu reden. „Das mögen die Leute nicht. Alles soll immer sauber, perfekt und akkurat ausschauen.“ Natur brauche aber das Chaos. Was nicht jedem gefalle. Der „Mann mit dem grünen Herzen“, wie ihn die Grünen-Landtagsabgeordnete Anna Schwamberger bezeichnet hat, wird weiter der Natur zu ihrem „Chaos“ verhelfen

Noch während seiner Zeit als Hauptschullehrer hat Norbert Hagen mit der Bayerischen Umweltmedaille schon einmal eine hohe Auszeichnung für sein Engagement für die Natur erhalten.
Mit diesem Wortlaut wurde Norbert Hagen informiert, dass ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das "Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen hat. Damit ist der 81-jährige Plößberger einer der wenigen Menschen, die eine derart hohe Auszeichnung bekommen.
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