20.09.2018 - 11:08 Uhr
PlößbergOberpfalz

Misstöne nach Chorkonzert

Ein tolles Konzert, hervorragende Chöre und ein volles Haus: Eigentlich alles prima. Doch kein Vertreter der Gemeinde erweist den Sängern die Ehre. Das hat jetzt Folgen.

Der Gemeinschaftschor Plößberg-Schönkirch-Wondreb hat das Publikum bei der Sommerserenade im Kultursaal begeistert.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Ich für meinen Teil als Leiter des Gemeinschaftschores Plößberg-Schönkirch-Wildenau werde die Konsequenzen ziehen: Ich werde keinen Auftritt des Chores bei irgendwelchen Gemeindeveranstaltungen mehr leiten." Rainer Weiß ist verärgert. Auch mehr als zwei Wochen nach dem Konzert im Kultursaal "stinkt" es dem Dirigenten, der seit 30 Jahren in Plößberg den Taktstock schwingt und dafür 2018 zum Ehrenchorleiter ernannt wurde.

"Ich bin nicht allein sauer, die Sänger waren sehr enttäuscht", gibt Weiß seinen Eindruck wieder. Schließlich habe man monatelang geprobt mit den Kollegen aus Schönkirch und Wondreb, mit "Music & More" und dem Tachauer Chor "KOZTliveCZ" attraktive Gäste eingeladen, den Kultursaal hergerichtet und sich schließlich über ein volles Haus gefreut. "Und wer glänzte durch Abwesenheit: die politische Gemeinde. Kein Bürgermeister und kein Angehöriger des Marktrates fand Zeit, dieses Konzert zu besuchen", ärgert sich der Dirigent.

Eine einfache Erklärung dafür hat Bürgermeister Lothar Müller: "Ich wusste gar nichts davon. Die Gemeinde hatte keine offizielle Einladung." Er selbst sei zum Zeitpunkt des Konzerts am 1. September in Urlaub gewesen, ebenso sein Stellvertreter Markus Preisinger. "Das habe ich dem Vorsitzenden des Gesangvereins nach meinem Urlaub auch gesagt." Hätte die Gemeinde eine Einladung gehabt, wäre ein anderes Mitglied des Marktrats mit der Wahrnehmung des Termins beauftragt worden, schätzt Müller. "In der Urlaubszeit ist das natürlich problematisch, aber zu 99 Prozent kommt da ein Gemeindevertreter."

Den Dirigenten überzeugt diese Erklärung wenig. Er verweist auf lange vorher verteilte Handzettel und Plakate, Hinweise in der Presse und den Eintrag im Kulturkalender. Die Bevölkerung und Gäste aus der ganzen Region hätten schließlich auch in großer Zahl den Weg ins Konzert gefunden. Das Ausbleiben der politischen Gemeindevertreter stört Rainer Weiß auch deshalb so, weil bei Jahreshauptversammlungen immer die Rede von den Gesangvereinen als Kulturträger sei und wie stolz man auf seine Chöre sein dürfe. "So wird die Probenarbeit der Sänger, die fast ein Jahr Woche für Woche geübt haben, belohnt: Durch Nichtbeachtung!"

Dass sich ein Bürgermeister bei der Vielzahl an Terminen nicht zerteilen kann, sei ihm natürlich klar, sagt der Dirigent. "Aber es gibt Stellvertreter, die ihn entschuldigen können." Wenn künftig Anfragen von Gemeindeseite auf die Plößberger Sänger zukämen, etwa zum Seniorennachmittag oder Volkstrauertag, wolle er von der Chorleitung absehen, kündigt Weiß an. "Ich bin natürlich nur ein Rädchen im Gesangverein und nicht im Vorstand." Aber seine Entscheidung stehe fest. Bürgermeister Lothar Müller bedauert diese Entwicklung: "Schön ist das natürlich nicht."

Die Bevölkerung muss indessen nicht auf die Darbietungen der Plößberger Sänger verzichten, die seit Jahren mit den Chorkollegen aus Schönkirch und Wondreb eine noch stattliche Gemeinschaft bilden. Ein so großes Konzert wie im September werde man wahrscheinlich nicht gleich wieder auf die Beine stellen. "Aber wir machen weiter. Ein Ende des Chores ist personell zwar abzusehen, aber so lange es geht, singen wir."

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Plößberg
Sehr gut besucht war das Konzert im Kultursaal. Nur Vertreter der Gemeinde Plößberg fehlten, bemängelt der Dirigent des gastgebenden Chores.

 

 

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