21.06.2019 - 18:35 Uhr
PlößbergOberpfalz

In Neuseeland ein neues Zuhause gefunden

Joseph und Christina Walberer wanderten mit ihrem Sohn Lukas im Juni 2018 nach Neuseeland aus. Die Reise ins Ungewisse bereuen sie nicht. Sie fühlen sich in Hamilton nach einem Jahr wie zu Hause.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Mitten im Juni ist in Neuseeland, am anderen Ende der Welt, gerade Winter. 10 Grad hat es in Hamilton. Seit einem Jahr leben dort Joseph und Christina Walberer mit ihrem zehnjährigen Sohn Lukas. "Es ist unser erster richtiger Winter hier", sagt Christina. "Wenn wir mit Jacken und Mützen in Franklin rumlaufen, sind wir sofort enttarnt." Selbst im neuseeländischen Winter hätten die Kiwis - die Einheimischen - immer noch T-Shirts an und schlüpften barfuß in Sandalen.

Mit drei Koffern und 10 000 Euro Startkapital kam die Oberpfälzer Familie, die zuletzt in Wildenau bei Plößberg wohnte, genau vor einem Jahr, am 23. Juni 2018, in Hamilton an. Joseph Walberer checkte dort zunächst in einem Hostel ein. Er kümmerte sich um ein Konto und ein Auto, besorgte neue Handys und suchte eine vorübergehende Bleibe für die Familie, ehe eine Woche später Christina und Lukas nachreisten.

Herzliche Aufnahme

Die Walberers kamen schnell im neuen Land zurecht. Vor allem auch, weil die Leute in Neuseeland die Oberpfälzer herzlich willkommen hießen. In der ersten Woche fragten Christina und Joseph auf Facebook, was man als Familie hier unternehmen könne. Es meldete sich ein junger Mann, ebenfalls ein Auswanderer aus Deutschland. "Er bot an, uns zu helfen", erinnert sich die 30-Jährige. "Ich hab' geantwortet, dass ich noch auf Jobsuche bin," sagt der 29-jährige Industriemechaniker im Telefonat mit Oberpfalz-Medien. "Wir suchen in unserer Firma gerade einen Industriemechaniker", erklärte der freundliche Fremde. Am Mittwoch telefonierte Joseph mit dem deutschen Projektleiter, am Donnerstag hatte er ein Vorstellungsgespräch. Am Montag fing er an.

"Eigentlich wollten wir erst mal ankommen und noch ein paar Wochen Urlaub machen. Dann bekam Joseph schon in der ersten Woche einen Job", freut sich seine Frau. Die Familie lebte übergangsweise einige Wochen in Mietshäusern. "Das war schon anstrengend", sagt Christina. Als sie nach der dritten Besichtigung ein Haus fanden, richteten sich die Auswanderer ein. Das Paar kaufte Möbel, Wasch- und Spülmaschine.

Im April zog die Familie wieder um. In Neuseeland sei es üblich, dass sich nach einem Jahr die Miete erhöhe. Christina schaute sich Häuser in der Nähe an und wurde fündig: "Ich hab ein sehr schönes Haus etwa einen Kilometer weiter gefunden, sogar mit Balkon, Garten samt Gärtner, Garage und einer kleinen Werkstatt für Joseph - für das gleiche Geld." Schon bei der Besichtigung fühlte sich die Familie dort sehr wohl. Mittlerweile hängen auch Bilder an den Wänden und Vorhänge an den Fenstern.

"Zu Ostern waren wir eine Woche in Deutschland", erzählt die 30-Jährige über den ersten Besuch in der alten Heimat. Außer den Eltern und Christinas Bruder wusste niemand vom Deutschland-Urlaub. "Als wir vor der Haustüre unserer Freunde standen, sind sie fast umgefallen", freut sich Christina über die gelungene Überraschung. "Es gab so viel zu erzählen, dass die Zeit in Deutschland sehr, sehr schnell verging."

Allerdings war die Familie froh, als es nach eineinhalb Wochen in der Oberpfalz zurück nach Neuseeland ging. "Es war fast ein Kulturschock, als wir nach Deutschland zurückkamen." Obwohl Hamilton eine 200 000-Einwohner-Stadt auf der Nordinsel von Neuseeland ist, fühle es sich nicht nach Großstadt an, berichten die Walberers. Weil es Erdbebengebiet sei, gebe es keine Hoch- oder Reihenhäuser. "Vorstadtidylle pur", berichtet Joseph. Die Walberers leben im Stadtteil Frankton, westlich vom Waikato River, der Hamilton in zwei Teile trennt. "Wenn wir auf die andere Seite der Stadt fahren und den River überqueren, denkt Lukas immer, wir fahren auf eine andere Insel", lacht Christina.

Ziel: Resident-Visa

Weil der Arbeitgeber mit dem Industriemachaniker aus Deutschland zufrieden ist, hat er ihm ein Arbeitsvisa gesponsert. Dazu ist anstatt eines Probezeitvertrags eine Festanstellung nötig. Das Visa ist drei Jahre gültig und an den Job gekoppelt. Dadurch wird aus dem Holiday-Visum ein Open-Work-Visa für seine Frau und ein Schüler-Visa für seinen Sohn. Die Walberer streben allerdings das Resident-Visa an, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Dazu stehen bald Englisch-Tests an.

Mit der Sprache kommen die Oberpfälzer bisher gut zurecht. "Mir ist in den ersten Wochen nichts anders übrig geblieben, als englisch zu sprechen, weil mein einziger deutscher Kollege in der Arbeit in Urlaub war", sagt Joseph. Christina gewöhnt sich langsam an die neue Sprache. "Mein Englisch ist noch nicht so gut", erklärt sie. Dazu kommt: "Die Kiwis haben einen ganz eigenen Dialekt." Doch mittlerweile versteht die 30-Jährige den "fürchterlichen Akzent" einigermaßen.

Für alle Jobs offen

Christina ist nun ebenfalls auf Jobsuche. "Ich hab in Deutschland als mobile Pflegerin bei der Caritas gearbeitet und mich hier bei Altenheimen beworben", sagt sie. Wegen des Open-Work-Visas kann sie in allen Branchen tätig werden. Auch in Hotels, Büros oder bei Reinigungsfirmen hat sie sich beworben. "Für den Einstieg bin ich für alles offen. Da nehme ich, was kommt", sagt die Mutter. Später möchte sie im Immobilienbereich als Maklerin arbeiten.

Etwa einen Kilometer vom Haus in Franklin entfernt, in Dinsdale, geht Lukas in eine multikulturelle Schule. Dort ist der Zehnjährige der erste Deutsche. "Mittlerweile spricht er perfekt englisch", beurteilt seine Mutter. "Er geht jetzt wahnsinnig gerne in die Schule", sagt Christina. Sie ist froh, dass sich ihr Sohn wohlfühlt. In der Schule lernt der Fünftklässler auch ein paar Wörter Maori, die Sprache der Ureinwohner. "Er ist immer super stolz, wenn er ein neues Wort kann."

An den Wochenenden unternimmt die Familie viele Ausflüge. Es geht ans Meer, in Höhlen oder an Wasserfälle. Am liebsten gehen die Walberers am Hamilton Lake spazieren. "Die Hamilton Gardens sind auch super schön", schwärmt Christina. Anschluss hat die Familie auch über eine Art Auswanderer-Stammtisch gefunden. "Etwa 50 Leute treffen sich einmal im Monat. Jedes Mal ist etwas anderes geboten." Es gibt Wurstfest, Kartoffelfest, Oktoberfest ... Bald steht der Mid-Winter-Lunch an. Jeder bringe etwas mit, erzählen die Auswanderer. Auch mit einem Paar aus Amberg, das nach Neuseeland ausgewandert ist, haben die Walberers Kontakt. Kurz nachdem die Familie ankam, hatte Christina 30. Geburtstag. Das haben die gebürtigen Amberger mitbekommen: "Sie meinten, sie würden uns gern einladen. Es sei bestimmt schwer, Geburtstag ohne Freunde zu feiern." Die Amberger planten als Geburtstagsüberraschung einen Ausflug zum Mount Manganui und luden die Familie zum Grillen ein. "Es war ein super schöner Geburtstag - mit wildfremden Leuten", erinnert sich Christina.

Auch Josephs Arbeitskollegen nahmen sich der Auswanderer an. "Über Weihnachten hat uns ein Kollege zu seiner Familie in eine Ferienwohnung ans Meer eingeladen", berichtet die 30-Jährige. Die vier Töchter des Kollegen verstanden sich mit Lukas und brachten ihm das Surfen bei.

Den Schritt, auf der anderen Seite der Welt neu anzufangen, bereuen Christina und Joseph nicht. "Wir hatten vorher viel überlegt." Mit jedem kleinen Schritt in Richtung Abreise wurden Zweifel und Unsicherheit kleiner. Mittlerweile ist die Familie überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie fühlt sich in Hamilton richtig zu Hause.

Auf Youtube postet Christina immer wieder Videos über den Alltag in der Wahlheimat:

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