Eigentlich hätte das Jubiläum der Brauerei Riedl bereits im vergangenen Jahr gefeiert werden können. Ihre Anfänge gehen nämlich auf das Jahr 1875 zurück, als Anna Koppmann den Brauer Johann Bäumler – den „Löw-Breier“ – heiratete. Da der Verein Stammtischfreunde Plößberg, der die Brauerei aktuell betreibt, seine Arbeit so richtig erst ab September 2025 aufnahm, war es für die Organisation eines Jubiläumsfests zu spät.
Nach dem Tausch der Anwesen Hausnummer 120 mit Hausnummer 93 („Seffn-Haus“ mit dem „Löw-Breier“) konnte 1886 auf Hausnummer 120 ein Brauhaus gebaut werden. 1931 übernahmen Hans und Anna Riedl den Betrieb. Ein Großbrand im Februar 1951 zerstörte die gesamten Wirtschaftsgebäude. Im Mai begann bereits der Wiederaufbau. 1969 übernahmen dann Hans junior und Rita Riedl die Brauerei und Gaststätte. Diese wurde von 1973 bis 1979 umgebaut und eine Kegelbahn angebaut. „1980 wurden die letzten Holzfässer gepicht“, erinnert sich Angela Riedl. Sie legte 1993 in München ihre Brau- und Malzmeisterprüfung ab und setzte 2002 die Brautradition der Familie Riedl bis zum heutigen Tag fort.
Bis zu sechs Biersorten
Viele Jahre lief die Brauerei prächtig. In Spitzenlastzeiten wurden sechs Sorten Bier gebraut. „Alkoholfreies spielte aber damals noch keine Rolle.“ Die Braumeisterin setzte ihre ganze Energie für die Brauerei, das Gasthaus und den 1996 eröffneten Getränkemarkt ein. 2020 übernahm sie zusätzlich den Kiosk am Großen Weiher und investierte 2021 in eine neue Reinigungs- und Abfülltechnik. Doch es nützte alles nichts. Alleinstehend und ohne Nachfolger musste sie an vielen Fronten kämpfen, um die Brauerei für die Zukunft erhalten zu können. Das hinterließ auch gesundheitlich Spuren bei ihr.
2023 ging es nicht mehr, und sie suchte Mitstreiter. Mangels Investors sollte die Rettung der Brauerei durch Gründung einer Genossenschaft erfolgen. Das Ergebnis war trotz intensiver Bemühungen ernüchternd: Durch den vorhandenen Investitionsstau und gleichzeitig extrem gestiegene Personal-, Rohstoff- und Energiekosten war der hohe Investitionsbedarf auch durch die Genossenschaft nicht zu decken. So blieb Angela Riedl nichts anderes übrig, als den Betrieb in der aktuellen Form zum 31. August 2024 abzumelden.
Die Rettung kam dann am 6. Dezember 2024 durch die Gründung des Vereins „Stammtischfreunde Plößberg e. V.“. Vereinszweck ist der Erhalt der Brauerei Riedl sowie des Vereinslokals und damit auch eines Stücks dörfischer Identität. „Den Mitgliedern ging es lediglich darum, Brauerei und Wirtshaus zu erhalten, ohne gewerblichen Hintergrund“, stellt Vorsitzende Carolin Rosner klar. Seitdem wird nur für Vereinszwecke gebraut. „Momentan haben wir 107 Mitglieder, davon sind 48 Aktive, die bei regelmäßigen Früh- und Dämmerschoppen, verschiedenen Vereinssitzungen oder Familienfesten arbeiten“, klärt Rosner auf. „Aktuell brauen wir Helles, Zoigl und Märzen, das im Wirtshaus und in der Zoiglstube ausgeschenkt und im Getränkemarkt verkauft wird. Für Stammkunden gibt es seit März auch einen Heimdienst, aber nur innerhalb Plößberg“, ergänzt Angela Riedl.
Die Brauerei Riedl gehört zu den wenigen noch aktiven Brauereien, die ihren Brauprozess über sechs Stockwerke ausschließlich mit Schwerkraft betreiben. Dieser Umstand lockte auch sechs Braukollegen aus den USA nach Plößberg, um sich diese Form des Brauens anzusehen und selbst dabei mitzuwirken. Organisiert wurde der Ausflug von Sebastian Wolfrum. Der Ebersberger wanderte vor Jahren aus und betreibt eine Mälzerei in North Carolina. Angela Riedl kennt er von der Braumeisterschule aus den 1990er Jahren.
Spezialmalz aus den USA
Über das Internet wurde er vor einiger Zeit auf die Plößberger Brauerei aufmerksam und nahm Kontakt zu ihr auf. Aus seinem Betrieb brachte er zwölf Kilogramm Spezialmalz mit über den großen Teich. Das wurde zunächst in der Schrotmaschine Baujahr 1910 geschrotet. Denn ganz am Anfang des Brauprozesses steht das Schroten der Malzkörner. Verarbeitet wurde es anschließend im Jubiläumssud. Dabei schauten die Besucher aus den USA dem Braumeister des Vereins, Maximilian Hösl, über die Schulter. „Wir brauen für das Jubiläumsfest 25 Hektoliter Wiener Lager“, erklärte er.
Ausgeschenkt wird das exklusive Jubiläumsbier am Samstag und Sonntag, 12. und 13. September, beim Brauereifest im Hof der Brauerei Riedl. Die Besucher können dabei am Samstag ab 16 Uhr Einblicke in die Räume der historischen Brauerei nehmen, sich bei Unterhaltungsmusik, Riedl-Bier und kulinarischen Schmankerln schmecken lassen oder an einer Bierolympiade teilnehmen. Für die Kinder ist eine Hüpfburg aufgebaut. Es warten auch noch weitere Überraschungen auf sie.
Am Sonntag ist nach einem Gottesdienst in St. Georg ein Festzug mit musikalischer Begleitung zur Brauerei geplant. Anschließend gibt es einen Frühschoppen und Mittagessen. Viele Überraschungen warten in einer großen Tombola. Am Nachmittag klingt das Fest im „CAR.ROS“ am Großen Weiher mit Kaffee und Kuchen aus.

















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