Plößberg
31.05.2024 - 12:45 Uhr
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Rote Zahlen bei der Ziegler-Group: Chef Stefan Ziegler bestätigt "hartes Jahr 2023"

Im Fachmagazin "Holzkurier" hat Stefan Ziegler ausführlich über die Lage der Ziegler-Group gesprochen. Unter anderem äußert sich der 43-Jährige über veränderte Pläne für die Modulfabrik in Tirschenreuth und das Dämmplattenwerk in Hütten.

Stefan Ziegler, Gesellschafter und Geschäftsführer der Ziegler-Group, blickt nach einem schweren Jahr laut eigener Aussage wieder zuversichtlich in die Zukunft Bild: ZIEGLER-GROUP
Stefan Ziegler, Gesellschafter und Geschäftsführer der Ziegler-Group, blickt nach einem schweren Jahr laut eigener Aussage wieder zuversichtlich in die Zukunft

In einem Interview mit dem österreichischen Fachmagazin "Holzkurier" hat Stefan Ziegler sich erstmals zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei seiner Ziegler-Group geäußert. "2023 traf uns hart", bestätigt Ziegler dabei im Gespräch mit "Holzkurier"-Chefredakteur Gerd Ebner. Grundsätzlich wolle das Unternehmen aber am eingeschlagenen Kurs festhalten – für das 150-Millionen-Dämmplattenwerk in Hütten bei Grafenwöhr und für die geplante Hausmodul-Fabrik in Tirschenreuth bestätigte Ziegler in dem Gespräch aber dennoch Planänderungen.

In den vergangenen Monaten hatte das Plößberger Unternehmen Gerüchte um wirtschaftliche Schwierigkeiten immer wieder dementiert, trotz bestätigter Nachrichten über größeren Personalabbau. Nun bestätigt der Firmenchef, dass die Krise in der Baubranche auch sein Unternehmen heftig getroffen hat, 2023 gab es demnach rote Zahlen.

Keine Fehler, nur schwierige Entscheidungen

Grundsätzlich solle aber am Expansionskurs und dem Engagement im Hausbaubereich festhalten werden. "Die Finanzierung aller Aktivitäten steht", sagt Ziegler in dem Interview. Er deutet aber zumindest auch an, dass die finanzierenden Banken wohl genaue Erwartungen an seinen Betrieb formuliert haben. Fürs laufende Jahr 2024 zeichne sich aber bereits Entspannung ab. Die Frage nach eigenen Fehlern verneint Ziegler dann auch ohne Einschränkung. Manche Entscheidung habe sich "später als schwierig" erwiesen. "Aber niemand konnte mit einer Halbierung des Wohnungsbaus rechnen."

Mit dem Interview räumt Stefan Ziegler erstmals ein, dass die Gerüchte, die sich in den vergangenen Monaten in der Region um sein Unternehmen gesponnen hatten, nicht aus der Luft gegriffen waren. Nach mehreren Boomjahren, in denen die Ziegler-Group durch Millionen-Investition in allen möglichen Sektoren und Bereichen von sich reden gemacht hatte, wurde im Frühjahr 2023 bekannt, dass sich das Unternehmen überraschend von Mitarbeitern trennte. Betroffen waren verschiedene Bereiche, unter anderem der Vertrieb der Haussparte.

Fehlende Zertifikate

Konkrete Angaben zum Abbau hat das Unternehmen nie gemacht, im dreistelligen Bereich dürfte die Zahl der Freistellungen aber sicher liegen. Seither häuften sich die negativen Nachrichten und noch mehr die Gerüchte. Das Unternehmen schloss Gastronomiebetriebe und beendete bei Eisen Knorr in Weiden den Verkauf an Privatkunden. Zum Jahreswechsel wurde Kurzarbeit im binnen eines Jahres aus dem Boden gestampften Dämmplattenwerk im Grafenwöhrer Ortsteil Hütten bestätigt.

Nun sagt Stefan Ziegler im "Holzkurier"-Interview, dass das Werk wegen der eingebrochenen Baukonjunktur nur zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet ist. Außerdem fehlen der Naturheld GmbH als Betreiber des Werks noch immer Zertifizierungen für die Produkte, die in der Baubranche zur Wärmedämmung eingesetzt werden. Die schwache Auslastung habe die Ziegler-Group schon Anfang 2023 dazu gebracht, sich nach Kooperationspartnern umzusehen. Tatsächlich kursiert auch dieses Gerücht schon länger: Das Werk in Hütten solle ganz oder in Teilen verkauft werden. Ziegler bestätigt, dass er "mit Geschäftspartner in Kontakt" sei, um Möglichkeiten zu prüfen. "Ich brauche für diese Investition eine Lösung. Ich bin daher weiter mit allen in Gesprächen."

Tirschenreuth? Frühestens 2030

Und auch zum größten geplanten Projekt der Ziegler-Group gibt der Firmenchef neue Einblicke: An der Hausfabrik in Tirschenreuth wolle sein Unternehmen festhalten. Allerdings wird selbst im idealen Szenario noch einige Zeit vergehen, bis dort Baumodule in Serie gefertigt werden: "Die zeitliche Ausrichtung wurde gestreckt", sagt Ziegler dem "Holzkurier" und nennt das Jahr 2030. Bis dahin soll die "Konsolidierungsphase" seines Unternehmens abgeschlossen, und neue Investitionen in den Modulbau möglich sein.

Die für das Werk einmal geplanten 3000 Holzhäuser pro Jahr, kassiert Ziegler dabei gleich mit ein. Statt für Einfamilienhäuser solle im Süden der Kreisstadt eine Produktionsstätte für den Modulbau im Segment "großvolumiges Bauen" entstehen. "Wir werden also nicht 3000 Häuser, sondern 3000 Wohneinheiten errichten", sagt Ziegler in dem Gespräch und verweist auf einen 150-Zimmer-Hotelneubau in Passau, der gerade entsteht. Solche Projekte wolle die Ziegler-Group demnach verstärkt angehen, bestätigt Ziegler in dem Interview, in dem er sich auch zu weiteren Details wie dem Engagement seines Unternehmens in Sägewerken in Rumänien und Schweden erklärt.

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Info:

Das Unternehmen Ziegler

  • Gegründet 1948 als Sägewerksbetrieb auf der Betzenmühle bei Plößberg
  • Seit 2008 unter der Führung von Gründerenkel Stefan Ziegler
  • Seither Erweiterung um die Sparten Logistik, Deko, Handel, Gastronomie, Technik und Hausbau
  • Umsatz im Jahr 2022 488 Millionen Euro, bei 3200 Beschäftigten.
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