10.12.2021 - 19:59 Uhr
PlößbergOberpfalz

Sprengung missglückt: Liebenstein-Brücke hält sich wacker

Eigentlich sollten die fünf Pfeiler der Stausee-Brücke über den Liebensteiner Speicher zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Die Sprengung war zwar erfolgreich – nach dem großen Wumms stand die Brücke allerdings noch.

Die kontrollierte Sprengung der Liebenstein-Brücke war zwar erfolgreich, ging aber nicht nach Plan von statten. Die Brückenpfeiler sind auf einer Höhe von 2,5 Metern gesprengt, aber nicht eingeknickt.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Die Liebenstein-Brücke war am Ende doch zäher und standhafter als gedacht. Am Freitag um 15 Uhr sollte die über 50 Jahre alte Brücke über den Liebensteiner Speicher gesprengt werden. Die fünf Pfeiler sollten einstürzen wie ein Kartenhaus. Zunächst der mittlere, die beiden links und rechts sollten einklappen, die Straßenfelder darüber darauf fallen. Dafür sollten 65 Kilogramm Sprengstoff, der auch für Steinbrüche verwendet wird, sorgen. So zumindest der Plan. Am Ende kam es anders.

65 Kilogramm Sprengstoff

Mehrere Wochen Vorarbeit steckte hinter dem Vorhaben. Es wurden Bohrkerne aus dem Beton analysiert, ein Sprengkonzept erarbeitet. Eine kontrollierte Sprengung sei die sicherste Variante des Abbruchs, hieß es. Denn so werde das Bauwerk auf einmal zerstört – würde der Bagger Schritt für Schritt die Pfeiler abbrechen, könnte man nicht abschätzen, wann die Straßenfelder einstürzen.

Video von der Sprengung

Bereits am Freitagmorgen rückte das Team der Thüringer Sprenggesellschaft (TSG) an. Die sechs TSG-Mitarbeiter um die Sprengingenieure Ulrike Matthes und Michael Neubert brachten je 13 Kilogramm Sprengstoff an jedem Brückenpfeiler auf einer Höhe von 2,5 Metern an. Damit der Schutt nicht in alle Himmelsrichtung gesprengt wird, wurden die Pfeiler mit einer Plane umspannt. Der Waldnaab-Durchfluss wurde dick mit Erde aufgeschüttet, damit keine Brocken in den Flusslauf stürzen.

Gegen 14 Uhr sind die Vorarbeiten erledigt. Die eingerichtete Baustellen-Straße wird für den Durchgang gesperrt. Der Sicherheitsbereich erstreckt sich jeweils 200 Meter in jede Himmelsrichtung von der Brücke aus. 13 Absperrposten entlang dieser Linien, die von Sprengmeisterin Ulrike Matthes eingewiesen wurden, überwachen diesen Bereich.

Rund 50 Zuschauer

Der Sprengtermin wurde im Vorfeld nicht öffentlich bekanntgegeben, denn Menschenmengen waren aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Dennoch sind es am Ende rund 50 Zuschauer, die sich das Spektakel am Liebensteiner Stausee ansehen wollen. Zwei Bereiche waren für die Schaulustigen eingerichtet.

Um 14.55 Uhr ertönen kurz hintereinander zwei lange Hup-Töne. Wieder werden Funksprüche ausgetauscht. Um 15.05 nochmals zwei laute Hup-Zeichen. Dann drückt der Einsatzleiter die Fernzündung. Ein lauter, kräftiger Knall, die Brücke knickt etwas ein, Rauchschwaden steigen auf. Als sich diese verziehen, die Enttäuschung: Die Brücke steht noch. Der südlichste und nördlichste Pfeiler sind zwar deutlich abgesenkt und schief, doch die mittleren Pfeiler stehen, als wäre nichts passiert. Sie tragen die Straßenfelder, die wie unachtsam daraufgelegte Bausteine aussehen.

Abbruch sukzessive per Bagger

„War’s das? Gehört sich das so?“, ist von den Zuschauern zu hören. Die Frustration in den Gesichtern des TSG-Teams verrät, dass die Sprengung anders hätte verlaufen sollen. Die Absperrposten sind angewiesen, noch niemanden ins Sperrgebiet gehen zu lassen. Dann die Nachricht: Die Sprengung war erfolgreich, ging aber nicht nach Plan von statten.

Lange ist unklar, wie nun weiter verfahren wird. Die Zuschauer ziehen langsam wieder ab, während das Sprengteam berät, was jetzt geschehen soll. Gegen 16 Uhr steht fest: Eine weitere Sprengung ist nicht mehr möglich. Gemeinsam mit der beauftragten Unternehmensgruppe Berger, zuständig für die Erdbewegungen und den Abbruch, entscheiden die Verantwortlichen, dass die Brücke nun doch mit dem Bagger abgebrochen werden muss. Der sukzessive Abbruch soll am Montag, 13. Dezember, starten.

Sprengteam auf Fehlersuche

Warum die Brücke nicht wie geplant eingestürzt ist, kann sich Martin Hopfe, Berater der TSG, nicht erklären. „Wir haben keinen Fehler gemacht. Es war ordentlich vorbereitet, ordentlich geladen“, erläutert der erfahrene Berater. „Die Brücke hat sich erfolgreich gewehrt“, sagt er über die standhafte Liebenstein-Brücke.

„Ich mache das seit über 30 Jahren, aber so etwas ist mir noch nie passiert. So ein Misserfolg.“ Er habe wesentlich größere Bauwerke gesprengt, Autobahn-Brücken mit einer Länge von über 700 Metern. „Vielleicht ist das die Ursache. Dass die Brückenpfeiler hier recht niedrig sind und deswegen nicht einklappen konnten“, vermutet Hopfe. Man werde sich mit dem ganzen Team auf Fehlersuche begeben, berichtet der Berater. Das Areal wird nun von dem TSG-Team über das Wochenende strengstens abgesichert und überwacht, bevor es am Montag mit dem Abbruch per Bagger weitergeht.

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„Ich mache das seit über 30 Jahren, aber so etwas ist mir noch nie passiert.“

Martin Hopfe, TSG-Berater

 

 

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