10.02.2020 - 15:29 Uhr
PlößbergOberpfalz

Die Weichen vor Ort neu stellen

Neue Zugänge zur Natur will die "Bürgerinitiative zum Schutz von Mensch und Natur" für Kinder und Erwachsene schaffen. Zu den Ideen gehören das "grüne Klassenzimmer" sowie ein Walderlebnispfad auf Smartphone-Basis.

BI-Vorsitzender Markus Remold konnte zur Gesprächsrunde Anna Klupp (Freie Wähler), Zweiten Bürgermeister Markus Preisinger und Dritte Bürgermeisterin Susanne Bittner begrüßen (von links).
von Externer BeitragProfil

Die "Bürgerinitiative zum Schutz von Mensch und Natur" hatte vergangenen Donnerstag zu ihrer Mitgliederversammlung geladen. Nach einem kurzen Rückblick und Ausblick auf die Vereinsarbeit durch Vorsitzenden Markus Remold stellte Landwirt Christian Geiger einen neuen Verein zur Rettung von Rehkitzen vor.

Anlässlich der anstehenden neuen Amtsperiode des Marktrates hatte man auch Vertreter aller drei Fraktionen eingeladen, um mit ihnen über eine Stärkung von Umwelt-, Landschafts- und Klimaschutz zu diskutieren. Für die CSU nahm Zweiter Bürgermeister Markus Preisinger an der Gesprächsrunde teil, die SPD wurde von Dritter Bürgermeisterin Susanne Bittner vertreten und für die Freien Wähler war Anna Klupp aus Schönficht dabei.

Weitflächiger Windpark

Auch in diesem Jahr war die Windenergie eines der Themen bei der Jahreshauptversammlung. Markus Remold informierte die anwesenden Vereinsmitglieder darüber, dass sowohl bei Bärnau als auch bei Redenbach mit weiteren Windrädern zu rechnen sei, so dass der gesamte östliche Landkreis zwischen Bärnau und Mähring zu einem weitflächigen Windpark werde. Deshalb sei es wichtig, dass andere Höhenzüge im Landkreis wie der Plößberger und der Hessenreuther Wald von Windrädern verschont blieben.

Dass dies nicht selbstverständlich sei, zeigten die Pläne im neuen bayerischen Klimaschutzgesetz, wonach in den nächsten zwei Jahren Standorte für 100 Windräder im Staatsforst festgelegt würden. Remold sieht darin einen Widerspruch zu der Ankündigung der Staatsregierung, zum Schutz des Klimas fünf Millionen zusätzliche Bäume zu pflanzen. Anhand von Daten, Grafiken und Zeitungsberichten zeigte er auf, dass hinter dem angeblichen Engagement für sauberen Strom häufig handfeste Wirtschaftsinteressen steckten.

Weitere Themen der Vereinsarbeit sind die Fortentwicklung des "grünen Klassenzimmers" und die Entwicklung eines Walderlebnispfades auf Smartphone-Basis durch die Bayerischen Staatsforsten. An beiden Projekten sei die Bürgerinitiative beteiligt. Ziel sei es, Kindern und Erwachsenen neue Zugänge zur faszinierenden Natur unserer Heimat zu ermöglichen

Landwirt Christian Geiger berichtete dann über die Arbeit des neuen Vereins "Rehkitzrettung TIR". Der Verein wurde 2019 in Friedenfels gegründet. Mit Hilfe von Drohnen und freiwilligen Helfern sollen schon in diesem Jahr möglichst viele Rehkitze vor dem Tod durch moderne Mähwerke gerettet werden. Noch werden allerdings ehrenamtliche Helfer und finanzielle Mittel gesucht. Man brauche Idealisten, die sich zu Drohnenpiloten oder Rehkitzrettern ausbilden lassen. Sie müssten dann während der Mähsaison frühmorgens die jungen Tiere aufspüren und aus den Wiesen holen. Das nächste öffentliche Vereinstreffen von "Rehkitzrettung TIR" findet am 28. Februar um 19 Uhr in der "Schlossschänke" Friedenfels statt.

100 Sekunden vor 12

Vor der eigentlichen Gesprächsrunde gab Remold einen kurzen Überblick über weltweite Fehlentwicklungen vom Klimawandel über die Plastikverseuchung, den Flächenfraß und das Artensterben bis hin zum ungehemmten Ausbau einer gesundheits- und klimaschädlichen digitalen Infrastruktur. Alle diese Entwicklungen seien der Grund, warum die symbolische Weltuntergangsuhr der Zeitschrift "Bulletin of the Atomic Scientists" zum ersten Mal seit 1947 auf 100 Sekunden vor 12 gestellt worden sei. Man könne es sich nicht mehr leisten, auf Abhilfe aus der Wirtschaft oder der großen Politik zu warten. Man müsse die Weichen vor Ort neu stellen.

Engagierte Bürger nötig

Bei der Gesprächsrunde wurde eine Vielzahl an Themen diskutiert: Die Wasserqualität am Liebenstein-Stausee, die Problematik undichter Kanäle, der Wunsch nach einem Umweltbeauftragten für die Gemeinde, die Streusalz-Problematik, die Anpflanzung von Streuobstwiesen und der Umgang mit gemeindeeigenen Flächen. Insgesamt wurde deutlich, dass nicht alles, was wünschenswert sei, auf Gemeindeebene umgesetzt werden könne und in vielen Fällen auf das ehrenamtliche Engagement der Bürger nicht zu verzichten sei. Dennoch versprachen die anwesenden Politiker, die Anregungen mit in die Arbeit der nächsten Jahre zu nehmen.

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