21.05.2018 - 13:20 Uhr
Oberpfalz

Stadtjugendring überrascht mit Zuschuss-Bilanz Plötzlich zu viel Geld

Zeltlager, Ausflüge, Kurse. Städtische Zuschüsse für solche Maßnahmen reicht der Jugendring an seine Mitgliedsverbände weiter. Lange Zeit ist das Geld dafür knapp. Nach einem Spar-Jahr sieht's nun ganz anders aus.

Gut aufgestellt für 2018 ist die Führung des Stadtjugendrings mit (oben, von links) Chef Tobias Reichelt, Stellvertreterin Sabine Graßl und Geschäftsführer Ewald Zenger. Als Beisitzer rückte Matthias Völkl (Sechster von rechts) neu in den Vorstand. Bild: Gammanick
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Roland Richter, Finanzexperte und Fraktionschef der SPD, findet es schon fast "tragisch komisch". Da hat der Stadtjugendring (SJR) ebenso lange wie hart mit der Stadt Weiden verhandelt, damit die Jugendverbände mehr Zuschüsse bekommen. Im vergangenen Jahr dann die Erfolgsmeldung: Die jährlich 33 000 Euro, die zuletzt nicht mehr ausgereicht hatten, würden endlich auf 38 000 Euro erhöht. Und nun das. Gerade mal knapp 26 000 Euro riefen die Verbände 2017 ab, was auch SJR-Geschäftsführer Zenger in der Frühjahrsvollversammlung mit einem säuerlichen Lächeln kommentiert.

Immerhin: Die vormaligen Geldsorgen sind damit passé. Wegen des Überschusses können die Organisationen heuer insgesamt über 50 000 Euro für Maßnahmen beantragen. Den Rückgang der tatsächlichen Zuschusssumme begründet Zenger mit "zwei, drei größeren Maßnahmen", die 2017 ausfielen, und der mühsam erkämpften Einigung auf strengere Förderrichtlinen. "Es kann schnell wieder passieren, dass die Gelder knapp werden", meint SJR-Chef Reichelt. Er dankte der Stadt Weiden dafür, dass sie den Überschuss nicht zurückfordert.

Der Jugendring und seine 28 Mitgliedsverbände seien die Unterstützung aber auch wert, befinden die Vertreter der Politik - neben Richter auch Heiner Vierling (CSU), Reinhold Wildenauer (Bürgerliste/FDP) und Veit Wagner (Grüne). Sie würdigen vor allem die immer wichtigere Aufgabe, den Heranwachsenden demokratische Werte zu vermitteln. Denn auch in Weiden gebe es einige, die "Schwarzweiß wollen statt bunt und eine starke Hand statt Freiheit", wie Richter befindet. SJR-Chef Reichelt erinnert dann auch an den öffentlichen Protest gegen die Abschiebung besonders von afghanischen Flüchtlingen. Für junge Asylbewerber sei das Jugendzentrum ein wichtiger Anlaufpunkt, stellt er fest.

Im Rückblick kann Reichelt auf große Erfolge verweisen: Vom "Dance Your Style"-Contest, der Weiden zur "Tanzkultur-Hauptstadt der nördlichen Oberpfalz" mache, bis hin zum ersten Seifenkistenrennen, einem weiteren Zuschauermagneten. Am 22. Juli folgt die Neuauflage. Nicht zu vergessen das Kinderbürgerfest, das am 15. Juli das 25. Jubiläum feiert. Der Malwettbewerb dazu - Kinder bis 15 Jahre sollen das Plakat gestalten - läuft noch bis 1. Juni. "Ihr spielt in der Champions-League mit eurem Angebot", schwärmt Philipp Seitz, Präsident des Bezirksjugendrings. Wobei auch er die Vielzahl der Veranstaltungen lobt, die sich mit Demokratie beschäftigen. Jürgen Preisinger und Rupert Seitz von den Kreisjugendringen Tirschenreuth bzw. Neustadt danken für die fruchtbare Zusammenarbeit bei Projekten wie "Need No Speed" und "Houst a Hirn". Für alle drei Organisatoren sagt Seitz den jeweils politisch Verantwortlichen Dank: "Jugendarbeit wird hier nicht kaputtgespart."

Wobei wir nochmal bei den Finanzen wären. Das vergangene Jahr schließt der SJR Weiden mit rund 475 000 Euro in Einnahmen und Ausgaben ab - etwa 37 000 Euro mehr als geplant. Die Rücklagen summieren sich nun auf 20 700 Euro; optimal wäre nach den Statuten eigentlich mehr als das Doppelte. Wie Tobias Reichelt bekanntgibt, stehen 2019 Neuwahlen an beim Jugendring. Nahezu das komplette Führungsteam will erneut kandidieren - mit einer Ausnahme: Lukas Höllerer zieht sich schon jetzt wegen Zeitmangels von seinem Amt als Beisitzer zurück. Für ihn wählen die Delegierten Matthias Völkl in den Vorstand. Völkl, aktives Mitglied des Spielevereins Weiden, vertritt wie Höllerer die Interessen des Jugendzentrums.

Schüler lernen wählen

Der Landtagswahl wird in Weiden eine "Jugendwahl" vorausgehen. Einen entsprechenden Antrag des Jugendforums segnete die Vollversammlung des Stadtjugendrings (SJR) mit großer Mehrheit ab. Demnach organisiert der SJR nun am 5. Oktober eine Testwahl für Heranwachsende an einer Reihe von Weidener Schulen. Erstwähler könnten dabei ihre Unsicherheit ablegen, bevor es am 14. Oktober ernst wird, erklärte Theresa Weidhas vom Jugendforum. Der SJR Weiden weicht allerdings vom empfohlenen Modell des Bayerischen Jugendrings ab, das ausschließlich für Teilnehmer unter 18 Jahren gedacht ist. In der Max-Reger-Stadt sollten auch ältere Erstwähler aus Gymnasien, Berufsschule und OTH mitmachen können, sagte Weidhas. Der SJR sucht jetzt Wahlhelfer. Wie vor der Bundestagswahl 2017 soll es übrigens wieder ein "Speed-Dating" mit den Kandidaten zur Landtagswahl geben: am 29. September im Jugendzentrum. (rg)

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