05.06.2018 - 09:01 Uhr
Oberpfalz

Polen helfen in Kamerun

Wenn sich Pater Janusz Wrobel etwas vorgenommen hat, dann schreckt ihn auch die katholische Bürokratie nicht ab. Mit Diplomatie und den richtigen Menschen an seiner Seite nimmt ein Bildungsprojekt in Kamerun schnell Gestalt an.

Auch im Kloster wird gefeiert. Dafür sind aus Polen Stadtrat-Vorsitzender Artur Pokora, Kulturreferentin Ewelina Walczak und Bürgermeisterin Renata Surma (vorne von links) angereist. Pater Seraphin, OB Michael Cerny und Pater Janusz (hinten von links) bedanken sich für die ehrenamtliche Hilfe der Lafia-Mitglieder Christine Hasler und Christine Schwarz (vorne von rechts). Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

(dwi) Sechs Jahre ist es her, als Pater Janusz Wrobel das erste Mal Kamerun besuchte. "Der Bedarf an Bildung ist immens", sagt der Leiter des Franziskanerklosters am Berg. Mit dem Franziskanischen Hilfswerk startete er das Projekt Lafia. Auch Renata Surma, Bürgermeisterin von Ambergs polnischer Partnerstadt Bystrzyca Klodzka, unterstützt das Projekt und stiftete bereits "die besten Schultafeln Kameruns".

Seitdem hat sich der kleine Ort Abong Mbang verändert. 86 Kinder werden nun in einem Schulhaus unterrichtet. Für Probleme werden schnell Lösungen gefunden, aber die Umsetzung ist nicht immer einfach.

"50 Euro im Monat reichen aus, um einen Schüler zu finanzieren", sagt Pater Janusz Wrobel. "Inklusive Verpflegung, Utensilien und Kleidung", ergänzt Lafia-Vorstandsmitglied Christine Hasler. Das Schwierige sei aber, manche Kinder auch wirklich bis zum Ende der vierten Klasse unterrichten zu können.

Eltern müssen oft umziehen, um Arbeit zu finden. Um ihnen die finanzielle Last abzunehmen und um auch Waisen die Möglichkeit auf Bildung zu bieten, entschieden sich die Lafia-Verantwortlichen dafür, nur noch ganze Klassen zur monetären Unterstützung adoptieren zu lassen, wie sie sagen. Die Entscheidungsträger der katholischen Kirche waren zu Beginn der Meinung, die Räume größer zu bauen, damit mehr Schüler am Unterricht teilnehmen können. Der Franziskaner Wrobel und sein Architekt plädierten jedoch auf die Gewährleistung eines hohen Bildungsniveaus und somit für höchstens 30 Schüler pro Klasse.

Eine Turnhalle sei geplant gewesen, aber Sport ist nicht Teil des gesetzlichen Lehrplans in Kamerun. Dafür soll eine Mensa entstehen, Räume für Lehrer und eine Bibliothek. Der Bau für die fünften und sechsten Klassen hat bereits begonnen, erzählt Wrobel. Es ist die Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort, die im Vordergrund steht. "Mit Bildung können diese Kinder später ihr Dorf entwickeln und lebenswert machen", sagt Hasler. Somit bietet sich ihnen die Chance, sesshaft zu sein und unabhängig zu leben. Gespendete Gelder werden nicht verschwendet.

Wenn Pater Janusz die katholische Grundschule besucht, legt er auch selbst Hand an. "Ich bin ein wenig technisch begabt", sagt er mit einem Schmunzeln. Er nimmt schon mal Computer auseinander, um sie wieder funktionsfähig zu machen. Oder er repariert einen Behandlungsstuhl eines Arztes. Ganz ohne Werbung für das Hilfswerk geht es dann aber doch nicht. Zum vierten Mal organisierten die Franziskaner das Klostergartenfest auf dem Mariahilfberg, bei dem die Erlöse der Bildungsstätte in Kamerun zugute kommen. In diesem Jahr waren Vertreter der polnischen Partnerstadt zur Unterstützung angereist - mit Musikern und einem Pfannen-Gulasch-Koch aus Krakau. Nach dem Gottesdienst boten Pater Janusz und Pater Seraphin Einblicke in den von ihnen gepflegten und angelegten Klostergarten. Gespielt wurden Latino-Klänge, zum Essen gab es polnisches Sudetenrindfleisch.




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