06.07.2021 - 15:12 Uhr
Poppenreuth bei WaldershofOberpfalz

Mathias Gerstner: Edelbrand-Sommelier und Brenner

Mathias Gerstner hat neben seinem Beruf noch eine Ausbildung gemacht. Jetzt ist der Wahl-Poppenreuther auch staatlich anerkannter Brenner. Der Banker hat schon viele Medaillen für seine Destillate gewonnen.

Edelbrand-Sommelier und jetzt auch noch staatlich anerkannter Brenner ist Mathias Gerstner.
von Autor FPHProfil

Von Peggy Biczysko

Eigentlich lebt Mathias Gerstner beruflich in zwei Welten: Die eine könnte man als eher konservativ bezeichnen. Es ist die, in der der Wahl-Poppenreuther seine Brötchen als Prokurist und Bereichsleiter in einer Genossenschaftsbank in Unterfranken verdient. Die andere Welt ist vielmehr die kreative Spielwiese des Mannes mit der feinen Nase und der sensiblen Zunge. Als Edelbrand-Sommelier hat er sich nämlich schon bundesweit einen Namen gemacht. Und als Tüpfelchen auf dem i hat der 47-Jährige jetzt neben seinem Beruf als Banker die Ausbildung zum staatlich anerkannten Brenner draufgesattelt.

Abschluss mit 1,9

Es ist seine große Leidenschaft für die Destillation, die ihn immer wieder zu neuen Leistungen anspornt. „Ja, ich musste schon einiges büffeln für die Abschlussprüfung“, gibt er zu. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Mathias Gerstner hat die Berufsausbildung zum staatlichen anerkannten Brenner in Veitshöchheim mit 1,9 abgeschlossen.

Das private Leben des Edelbrenners – „das mache ich schon über zehn Jahre“ – spielt sich eigentlich auch in zwei Welten ab. Zum einen in Poppenreuth, wo seine Frau Nicole herstammt und die Familie vor einiger Zeit auch hingezogen ist. Und hier in der Region, nämlich in Marktredwitz, betreibt das Ehepaar den Delikatessenladen „Schmuck & Feinkost Gerstner“. In seiner alten Heimat im unterfränkischen Trappstadt ist Gerstner nicht nur Prokurist, seit 2010 betreibt er dort auch eine eigene Brennerei. 2014 folgte die Ausbildung zum Edelbrand-Sommelier, die ihn letztlich dazu befähigt, sein sensorisches Können als Prüfer bei den Edelbrand-Prämierungen in Veitshöchheim einzubringen.

Blindverkostung

Seit fast zehn Jahren bietet das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern die Berufsausbildung zum Brenner an, wie Gerstner erzählt. Zusammen mit 22 Mitschülern nahm der Sommelier die Herausforderung an, erreichte in eineinhalb Jahren seinen Abschluss. „Der jüngste Teilnehmer war 24, der älteste 70 Jahre alt. Die meisten hatten schon viel Brennerei-Erfahrung, kamen aber aus allen möglichen Berufen – vom Zimmermann bis hin zum Elektroingenieur.“ Ob Brenntechnologie, technische Mathematik, aber auch Wirtschafts- und Sozialkunde – breitgefächert war der Stundenplan, durch den sich Gerstner kämpfen musste. „Bei der praktischen Prüfung mussten wir ein Zwetschgenwasser vom Mirabellenbrand in der Blindverkostung unterscheiden – nicht ganz einfach!“ Und in der Fertigkeitsprüfung musste der Poppenreuther Äpfel einmaischen, den ph-Wert messen, einen perfekten Hefeansatz herstellen, um das Ganze letztlich zu destillieren.

Durch diese Ausbildung habe er wieder viel dazugelernt, sagt Mathias Gerstner. „Denn wer Kleider näht, muss ja noch kein Schneider sein“, gibt er zu bedenken. Er aber strebe Professionalität an.

Dass er da auf dem besten Weg ist, davon zeugen viele Auszeichnungen, die der 47-Jährige mit seinen Destillaten schon gewonnen hat. „In diesem Jahr hatte ich meinen Apfel-Zimt-Likör in Frankfurt eingereicht und die Goldmedaille gewonnen“, erwähnt er nicht ohne Stolz. Denn die "Frankfurt International Spirits Trophy" ist einer der größten internationalen Spirituosenwettbewerbe in Deutschland. Aktuell ist Mathias Gerstner dabei, einen Espresso-Likör zu kreieren, und zwar zusammen mit der Tirschenreuther Kaffeerösterei.

Irgendwann – so das erklärte Ziel des Sommeliers – will Gerstner sein Hobby einmal im Hauptberuf ausüben. „Schnapsbrennen ist eben meine große Leidenschaft.“

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„Ja, ich musste schon einiges büffeln für die Abschlussprüfung.“

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