17.07.2019 - 10:12 Uhr
PoppenrichtOberpfalz

Bald Klimanotstand in Poppenricht?

Jürgen Stauber will Nägel mit Köpfen machen. Der Poppenrichter Klimaschutzbeauftragte will, dass seine Gemeinde den Klimanotstand ausruft. Es wäre die erste Kommune im Landkreis Amberg-Sulzbach, die einen solchen Beschluss fasst.

Der Poppenrichter Klimaschutzbeauftragte Jürgen Stauber. Seit fünf Jahren ist er ehrenamtlich in dieser Angelegenheit tätig.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Jürgen Stauber ist 65 Jahre alt, aber denkt an die Kinder, die in der Welt von morgen leben. "Klimanotstand" höre sich dramatisch an, gibt er zu. "Es geht darum, dass alle Entscheidungen, die der Gemeinderat trifft, hinsichtlich des Klimaschutzes hinterfragt werden." Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung hat er seinen Bericht für das Jahr 2018 vorgestellt, in der September-Sitzung will er seinen Antrag offiziell einbringen.

Die Gemeinde Poppenricht habe in den vergangenen Jahren schon einiges für den Klimaschutz getan, berichtete Stauber. Aber es sei noch viel Luft nach oben. Stauber erinnerte unter anderem daran, dass im vergangenen Jahr 15 neue Solarstrom-Anlagen in der Gemeinde errichtet worden seien. Insgesamt seien es nunmehr 216 Photovoltaik-Anlagen. 30 Prozent des Stromverbrauchs in der Kommune werde regenerativ erzeugt. Dennoch: 800 Hausdächer wären noch frei.

Als beispielhaft stellte Stauber das neue Nahwärmenetz für Schule, Rathaus und Kindergarten heraus. Dadurch könnten pro Jahr bis zu 50.000 Liter Heizöl eingespart werden. Gar nicht geschmeckt hat dem Klimaschutzbeauftragten, dass er aus der Zeitung von der Änderung des Bebauungsplanes für die Solaranlage an den Bahngleisen bei Witzlhof erfahren hat. Stauber monierte, dass es die Gemeinde versäumt habe, mit dem Investor eine Bürgerbeteiligung zu vereinbaren.

Auch zum Stromverbrauch der kommunalen Einrichtungen legte Stauber einen Bericht vor. Demnach sei die Gemeinde 2018 etwas sparsamer gewesen. Rund 18.000 Kilowattstunden seien weniger verbraucht worden. Allerdings habe der Stromverbrauch ausgerechnet im Rathaus um 1350 Kilowattstunden zugenommen. Bei der Heizung seien besonders beim Kindergarten Traßlberg, bei der Feuerwehr Poppenricht und in der Schule positive Effekte erzielt worden. Etwas mehr Wärme hat der Bauhof verbraucht.

"Was können wir noch tun?", lautete eine Frage seines Vortrags. Stauber sieht Potenziale vor allem bei der bereits angelaufenen Heizungserneuerung der Schule, beim Umstellen der Straßenbeleuchtung auf LED und bei Solaranlagen auf den Dächern der Feuerwehrhäuser und der Leichenhalle. Einen flammenden Appell gab Stauber gegen weitere Flächenversiegelung ab. Die Gemeinde verfüge noch über 949 Hektar an unbebauter Fläche. "Ich plädiere für eine Obergrenze des Anteils der Siedlungs- und Verkehrsflächen", sagte er. Als Diskussionsgrundlage stellte er bis zum Jahr 2070 maximal 20 Prozent der verbliebenen Fläche zur Disposition. Das wären noch 23 Hektar.

Lesen Sie auch: Kommunen fordern bundesweiten „Masterplan Klimaschutz“

Deutschland & Welt
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.