16.10.2020 - 16:35 Uhr
PoppenrichtOberpfalz

Bling-bling und Bohrmaschine

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Anne Sophie Vogl hantiert mit der Bohrmaschine so versiert wie mit der Schere. Die Poppenrichterin hat sich in ihrem Keller eine kleine Werkstatt eingerichtet – und will anderen Frauen Mut machen.

Die 26-jährige Anne Sophie Vogl aus Poppenricht hat sich im Keller eine „Frauenhöhle“ eingerichtet, unter anderem hat sie einen Kalender selbst gestaltet.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Von Elisabeth Saller (Text) und Christian Gold (Fotos)

Lackieren, plotten, pressen. Anne Sophie Vogl aus Poppenricht (Kreis Amberg-Sulzbach) liebt es, zu Hause zu werken und zu handarbeiten. Sie richtet Möbel her, verziert T-Shirts mit selbst gestalteten Schriftzügen. Viele Tätigkeiten hat sich die 26-Jährige selbst beigebracht.

Weil das Bastelzimmer nach einem Jahr schon zu klein war, ist die Poppenrichterin mit ihren Maschinen, den Farbdosen und allerlei Zubehör in den früheren, lange ungenutzten Partykeller ihres Hauses gezogen. "Ich halte nichts von Partys im Keller", erklärt sie lachend. Dort hat sich Vogl ein etwa 25 Quadratmeter großes, in Grau, Weiß, Bronze und Holz gehaltenes Arbeitszimmer eingerichtet. "Es ist schön, einen Ort zu haben, an dem man sich entspannen kann", sagt sie. Es war ihr wichtig, den Raum gemütlich zu gestalten und "nicht nur zweckmäßig".

"Frauenhöhle" nennt Vogl das Zimmer, oder auch "kleine Werkstatt". Eine Holzeckbank steht darin, Regale und Schränke gefüllt mit Tuben, Pinseln und Bastelanleitungen, auf ihrem Schreibtisch ein Laptop und drei Knöpfe für Schranktüren oder Schubladen. In einer Ecke steht ein Schaukelstuhl.

In der "Frauenhöhle" zeichnet Vogl Baupläne, trifft Vorbereitungen für die nächsten Projekte, streicht kleine Möbelstücke, schneidet bedruckte Folie aus und presst diese dann auf Stoff oder Glas. Auf diese Weise gestaltet sie Taschen, T-Shirts und Tassen, auf denen dann in weißer, geschwungener Schrift über einem in Roségold glänzenden Herz "Oberpfälzer Moidl" oder in dicken Blockbuchstaben "Sacklzement" steht. Oder sie taucht einen Blumenübertopf in Nagellackreste. Im Herbst und Winter verbringe sie zwei Abende pro Woche im Bastelkeller, berichtet Vogl, die als Redakteurin arbeitet. Sie produziert so viel, dass sie ihre Werke ab und zu auf Märkten verkauft.

Nicht aufräumen müssen

Bevor sich Vogl die Werkstatt im Keller eingerichtet hat, hat die junge Frau in einem kleinen Zimmer gebastelt. Im Keller hat sie nun viel mehr Platz - und: "Es ist schön, seine Sachen liegenzulassen und nicht immer aufräumen zu müssen." Ein weiterer Vorteil: Ihre beiden Katzen können nichts durcheinanderbringen.

Neben der Bastelei richtet Vogl alte Möbel her. Die besorgt sie sich günstig im Internet oder auf Flohmärkten. Zu Hause schleift sie das Holz ab und streicht es. "Irgendetwas Altes verwandeln in etwas Neues, das aber die alte Seele noch hat, finde ich schön." Zum Beispiel das Küchenbüfett, Anne Sophie Vogls Lieblingsstück.

Den Schrank mit Wasserschaden, der lange in einer Garage stand, hat die Poppenrichterin für 50 Euro gekauft. Im Baumarkt - "mein liebster Laden" - hat sich die junge Frau Farbe für 15 Euro gekauft - wochenlang Arbeitszeit investiert und viel dabei gelernt. Zum Beispiel: Nicht mit offenen Haaren lackieren. Denn die Hobby-Handwerkerin ist mit ihrem Schopf in den Farbtopf geraten: "Ich hatte eine Zeitlang eine graue Strähne", lacht sie heute. Die Mühe hat sich gelohnt: Nun steht das hellgrau gestrichene Küchenbüfett im Esszimmer. "Das Holz hat zwar ein paar Risse und Striemen, aber das stört mich nicht. Ich hätte es mir nie neu gekauft, darum ging's mir nicht." Statt eine neuen Küche einzubauen, hat sie die alte, "altbacken" wirkende Küche lackiert. Der Preis: 30 Euro für Farbe und etliche Stunden Zeit. Der Aufwand habe sich gelohnt, auch wenn die Küche nur noch ein paar Jahre hält, findet die kreative Frau. Auch das Gästebad hat sie selbst renoviert. "Ich habe mir schon mega-viel gespart", zieht sie Bilanz.

Vom Opa gelernt

Anne Sophie Vogl werkelt schon immer gerne. Sie ist in einem Haushalt mit Mutter und Schwester groß geworden. War etwas kaputt oder musste etwas installiert werden, haben das die Frauen selbst erledigt. Der Opa hat geholfen - und viel erklärt. "Opas können ja gefühlt alles." Von ihm hat sich die junge Frau einiges angeeignet und leiht sich manchmal das passende Werkzeug.

Hat Vogl als Jugendliche ihr Zimmer neu gestrichen, streicht sie heute die Fliesen im Gästebad, lackiert die Küche oder verlegt einen Boden. Auch mit größerem Werkzeug geht sie ganz selbstverständlich um - etwa mit der Bohrmaschine. Muss in Vogls Haus ein Loch in die Wand, bohrt es Anne Sophie, ihr Freund assistiert. "Ich habe meine Bohrmaschine so gerne wie andere ihr Glätteisen", lacht sie. Die Poppenrichterin betont, dass ihr Hobby keine körperliche Schwerstarbeit ist. Falls doch, ist Frauenpower angesagt: Vogls Mutter kommt dann vorbei und hilft mit. Meist gelingen die Projekte. Nur selten verzweifelt die 26-Jährige, zum Beispiel, wenn eine Folie für einen Schriftzug reißt: "Ich mache es 1000 Mal, bis es klappt und schimpfe hinterher, wie blöd das war."

Für Vogl ist das Handwerken ein Ausgleich zur Kopfarbeit als Zeitungsredakteurin. Inspiration holt sie sich aus sozialen Medien, folgt vor allem kreativen Frauen. "Viele, auch Frauen, trauen einem das nicht zu - und auch sich selbst nicht." An den Reaktionen in ihrem Umfeld bemerkt Vogl, dass nicht alle Frauen so mutig sind, selbst etwas zu reparieren. In solchen Situationen entgegnet sie, dass ja wohl jeder einen Pinsel in die Hand nehmen kann. Wenn eine Frau sehe, was sie geschafft hat, steigere das ihr Selbstbewusstsein, weiß Vogl. Und hat einen Rat: "Sorgfältig arbeiten ja, aber nicht zu perfekt sein wollen. Sonst traut man sich nie." In unserer Serie "FreiRäume" stellen wir immer samstags Oberpfälzer mit besonderen Hobbys vor - und die Räume, in denen sie sie ausleben. Die Serie mit interaktiven 360-Grad-Bildern: www.onetz.de/freiräume

Info:

Die Serie "FreiRäume"

In unserer Serie "FreiRäume" stellen wir immer samstags Oberpfälzer mit besonderen Hobbys vor - und die Räume, in denen sie sie ausleben.

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