20.09.2019 - 17:00 Uhr
Poxdorf bei NeualbenreuthOberpfalz

Zu zweit allein in einem alten Vierseithof

Carina und Florian Sigl haben einen alten Bauernhof in Poxdorf gekauft. Gemeinsam wollen sie ihn renovieren und dort einziehen. Später einmal sollen auch andere etwas davon haben. Was, das werde den beiden sicher noch einfallen.

Carina und Florian Sigl vor ihrem Traumhaus. In zwei Jahren wollen sie dort einziehen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Wos habts'n eich denn dou oadou?" Das ist die häufigste Frage, die Carina und Florian Sigl derzeit von den Leuten, meistens verbunden mit einem mitleidigen Gesichtsausdruck, gestellt bekommen. Sie antworten mit einer Gegenfrage: "Warum sollen wir uns das nicht antun? Wenn man einen alten Hof kauft, hat er automatisch einen riesengroßen Garten, große Bäume und jede Menge Natur direkt vor der Haustür. Und wenn du beim Vierseithof das Tor schließt, bist du in deinem eigenen Reich, wo dir keiner Vorschriften macht", sagt 'Florian Sigl.

Großes Glück

"Es ist ein großes Glück die Möglichkeit bekommen zu haben, dass wir uns nach eigenen Vorstellungen etwas aufbauen können", ergänzt Carina Sigl. "Wir würden uns echt ärgern, hätten wir das nicht getan, so der 31-jährige Mitarbeiter im Kundendienstlager der Hamm AG und die 27-jährige Pharmazeutisch-technischer Assistentin aus der Schwanen-Apotheke in der Kreisstadt. 2018 kauften sie den alten Vierseithof im Heimatdorf von Florian. Den wollen sie nach eigenen Vorstellungen mehr oder weniger alleine herrichten - sicher eine Lebensaufgabe.

Bis ihr Hof bewohnbar ist, leben die beiden im Elternhaus von Florian. Seit sie das 8000 Quadratmeter große Areal ihr Eigen nennen, stecken sie ihre komplette Freizeit in die Renovierung der Gebäude. Schon längere Zeit seien sie auf der Suche nach einem alten Hof gewesen, sagen die beiden, die damals noch in Waldsassen wohnten. "Wir wollten auf jeden Fall etwas altes herrichten - so groß hätte es aber nicht unbedingt sein müssen."

Das Objekt sollte aber schon genügend Platz bieten, dass man auf dem Grundstück auch Pferde halten kann, sagt Carina, die selbst ein Pferd ihr Eigen nennt. Lange hat das junge Ehepaar nichts passendes gefunden. Es beschloss schließlich in Poxdorf neu zu bauen. Daraus sei aus verschiedenen Gründen nichts geworden. "Gott sei Dank", denn Neubau wäre eh nur eine Notlösung gewesen. "Wir wollten etwas altes, etwas mit Charme", sagen sie. Dann kam quasi über Nacht die Möglichkeit diese Hofstelle zu kaufen, die seit Anfang 2018 leer stand. "Mich hat dieser Hof schon als Jugendlicher fasziniert", erzählt Florian, der seit August 2018 zusammen mit seiner Frau Carina der Besitzer ist.

Am 8. Juni dieses Jahres haben sie zusammen mit Verwandten, Freunden und Bekannten in einem der beiden Stodl ihres neuen Domizils, den sie drei Monate lang vorher auf Vordermann gebracht haben, Hochzeit gefeiert. Die Hofstelle allein umschließt 1600 Quadratmeter.

Munition und Geldstück

Die ersten Monate verbrachten sie damit erst einmal auszuräumen und Schutt und alte Möbel, die nicht mehr benutzbar waren, zu entsorgen. In einem Zwischenboden haben sie ein Zigarettenetui, ein Reichs-50-Pfennig-Stück und kleinkalibrige Munition gefunden. Letztere wurde, nachdem sie sich dort gemeldet hatten, von der Polizei abtransportiert.

Konkrete Vorstellung was hier einmal entstehen soll, haben die beiden eher noch nicht, außer, dass sie hier eines Tages wohnen werden. Allerdings schwebe ihnen schon vor etwas daraus zu machen, wovon auch andere Menschen etwas haben. Zum Beispiel könne man vielleicht jüngeren Generationen auf dem Hof ein wenig das Leben und den Alltag ihrer Vorfahren näher bringen. Die zündende Idee werde bestimmt noch kommen, sind sich die beiden sicher. Laufe alles nach Plan, wollen sie Anfang 2021 hier einziehen.

Das Areal hätten sie zu einem sehr fairen Preis bekommen, verraten sie. Um hier alles auf Vordermann zu bringen müssten sie das Vier- bis Fünffache des Kaufpreises in das Projekt stecken, haben sie sich ausgerechnet, auch wenn sie alles, was nur irgendwie zu bewerkstelligen ist, selber machen wollen.

Zum Bautagebuch bei Instagram

Bauliche Vorgaben

Was gar nicht so leicht wäre, denn sie hätten festgestellt, dass so ein Altbau gewisse bauliche Vorgaben mit sich bringe, wo man plötzlich genau überlegen müsse, "wie machen wir das jetzt?" Hilfe und Unterstützung bekommen sie von der Familie, von Freunden Verwandten, wofür sie sehr dankbar sind. Den frühesten Hinweis auf das tatsächliche Alter des Hofes, der im Laufe der Zeit immer wieder verändert wurde, haben sie mit der Jahreszahl 1871, eingraviert in einen Flaschenzug, entdeckt.

Ein Heimatunternehmen

Der Koordinator der Heimatunternehmen in Bayern, Alfred Wolf hat das Projekt mit in die Liste der Heimatunternehmen aufgenommen, sodass die beiden Hofbesitzer mit konstruktiver Unterstützung von dieser Initiative des Amtes für ländliche Entwicklung rechnen können.

Für Wolf sei es faszinierend, dass sich junge Menschen trauen so etwas anzupacken. Zu den Heimatunternehmen der Region zähle das Vorhaben allein schon aus dem Grund, weil die Besitzer von vorneherein die Absicht haben, damit auch das Dorf zum Positiven mit zu verändern und versuchen, Ideen zu entwickeln die der Region gut tun. Im Netzwerk Heimatunternehmen werde man sie auch deshalb begleiten, weil sie als Botschafter für die Region in der Weise auftreten, dass sie sagen, "Dorf ist super - Land hat Zukunft. "Zwei junge Menschen, die nicht lamentieren sondern positiv in die Zukunft schauen", so Wolf. Florian Sigl hat das Vorhaben von Anfang an in den sozialen Medien gepostet, um es nach außen zu tragen. So sei eine Art Bautagebuch mit Bildern und Texten entstanden.

Manche Frage die er baulicher Art stellte, sei auf diese Art und Weise von Baufachleuten beantwortet worden. Das Feedback von außen sei gewaltig. "Da fühlt man sich bestätigt mit dem was man tut und entwickelt gleich noch mehr Elan", sagen die Hofbesitzer.

Eine der letzten Container mit Schutt und Abfall verlässte den Hof.
Hier war einst der Herrgottswinkel.
Florian und Carina Wagner machen alles gemeinsam, um ihr Domizil auf Vordermann zu bringen.
Im ehemaligen Stall sieht es nach viel Arbeit aus.
Eine Hauskatze fühlt sich hier schon sichtlich wohl.
Der Heuboden ist vom gröbsten Dreck befreit.
Die Essecke des Vorbesitzers.
Ein wahres Idyll. Fernab von Hektik und Stress liegt der Vierseithof von Carina und Florian Sigl, eingebettet in die sanfte Oberpfälzer Hügellandschaft.
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