12.12.2019 - 10:56 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Preisbrecher, kein Billigheimer

Beginnen wir mit einer Nachricht, die es nicht besonders groß in die Medien geschafft hat: Es gibt ein neues Papamobil. Das hat nichts mit Vaterfreuden zu tun, aber ein bisschen mit unserem Testwagen. Beide stammen aus dem gleichen Hause.

Eine respektable Erscheinung ist der Dacia Duster. Und eine saubere dazu. Das kompakte SUV schafft spielend die Abgasnorm Euro 6d-Temp. Und im Preis ist der Rumäne nahezu unschlagbar.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Seit Ende November ergänzt ein Dacia Duster Allrad den päpstlichen Fuhrpark. Ein Einzelstück aus der Prototypenabteilung der rumänischen Autobauer, die unter den Fittichen der französischen Renault-Mutter von Erfolg zu Erfolg eilen. Einer der Garanten eben der Duster, der sich gerade anschickt zu beweisen, dass zwischen Billigheimer und Preisbrecher doch ein gewaltiger Unterschied ist. Also verabschiedet sich die Neuauflage von der Philosophie, wonach weniger (Komfort) mehr (Kundschaft) ist und lockt mit ordentlicher Technik und respektabler Ausstattung zu unschlagbaren Preisen. Und einer wirklich ansehnlichen Erscheinung.

So macht das von uns gefahrene Sondermodell Adventure das Holz-Klassen-Image schnell vergessen und lockt beispielsweise mit Klimaautomatik und LED-Fahrlicht, Lederoptik bei Sitzen und Lenkrad, Navi samt Touchscreen und Smartphone-Einbindung, Einparkhilfen und einer Multiview-Kamera, die nicht nur nach hinten, sondern auch nach vorne und an die Seiten schaut. Eine Schlüsselkarte im Scheckformat öffnet und schließt den Duster schon wenn man sich nähert oder entfernt und signalisiert das auch akustisch. Warum aber dann der Tankdeckel noch separat per Seilzug neben dem Fahrersitz bedient werden muss? Elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel sind dagegen ebenso dabei wie Lichtsensor und Digitalradio, Tempopilot und Geschwindigkeitsbegrenzer. Natürlich auch eine Sitzheizung vorne, wobei der Schalter dafür etwas Fummelei verlangt.

Die Sitze selbst sind angenehm, allerdings nur für den Fahrer höhenverstellbar. Der darf sich auch über Mittelarmlehne und Lordosenstütze freuen. Der Beifahrer findet unter seinem Gestühl eine Schublade, sollte aber nicht zu den Sitzriesen gehören, sonst wird der Haltegriff über der Türe zum Kopfnussgeber. Womit wir beim Kapitel Sicherheit wären, das durchaus noch erklecklich Luft nach oben bietet. Okay, ABS gibt’s, auch elektronisches Stabilitätsprogramm und Antriebsschlupfregelung sowie diverse Airbags und einen Toter-Winkel-Warner. Aber alles andere ist auch für Geld und gute Worte nicht zu haben. So erreichte der Duster im ADAC-Crashtest auch nur drei von fünf Sternen.

Dass auch Dacia mit spitzem Bleistift rechnen muss, wird im Innenraum deutlich. Der wirkt zwar durchaus ansprechend, aber etwas zuviel hartes Plastik trübt den Gesamteindruck. Zwei analoge Rundinstrumente informieren über Geschwindigkeit und Drehzahl, ein kleines Display mittig über die Arbeit des Bordcomputers. Zwar gibt es eine klitzekleine Schaltempfehlung (nur nach oben), aber keine Anzeige über den aktuell eingelegten Gang oder an welcher Seite des Autos der Tankdeckel zu finden ist. Das Gepäckabteil ist großzügig, die Ladekante allerdings recht hoch.

Für flotte Fahrleistungen sorgt der 150 PS starke Turbobenziner, der mit Rußpartikelfilter spielend die Hürden der Abgasnorm Euro 6d-Temp überspringt. Das agile Triebwerk stammt noch aus der Kooperation mit Daimler und kommt beispielsweise auch beim Schwestermodell Renault Captur zum Einsatz. Ab Tempo 130 wird der Vierzylinder aber etwas durstig. Errechnete der Bordcomputer schon den üblichen Aufschlag von 1,5 Liter, verdoppelte der gute alten Rechenschieber den Wert nach längerer Autobahnfahrt nahezu.

Allrad macht den Duster nicht nur alltags-, sondern auch abenteuertauglich. Die Kraft lässt sich automatisch zwischen den Achsen verteilen oder durch eine Lock-Taste zu gleichen Teilen vorne und hinten. Und auch reiner Frontantrieb ist möglich. Federn und Dämpfer sind eher von der kommoden Art, verdauen aber klaglos jegliche Asphalt-Flickschusterei.

Alles in allem ist der Dacia Duster durchaus eine Empfehlung. Nicht nur preiswert, sondern seinen Preis wert.

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Markant das Heck des Dusters mit den auffälligen Heckleuchten.
Der Kofferraum ist mit bis zu 1501 Liter recht großzügig für ein Auto der unteren Mittelklasse. Die asymmetrische Rücksitzbank lässt sich leicht umklappen.
Dacia Duster TCE 150 4WD Adventure

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