15.05.2019 - 15:34 Uhr
Preißach bei TrabitzOberpfalz

Briefkasten wird zum Brutkasten

Wie von Geisterhand füllt sich der Briefkasten von Isolde Bayer jeden Tag ein bisschen mehr mit Moos. Die Preißacherin kann sich das zunächst nicht erklären. Doch dann "ertappt" sie den Täter auf frischer Tat.

Die Frühlingsdeko an der Hauswand von Familie Bayer steht noch nicht lange, da verschwinden von den mit Moos bewachsenen Birkenästen immer mehr "Moos-Fetzerla", erzählt Isolde Bayer. Die Spur führt über die Treppenstufen bis zum Briefkasten neben der Haustür. "Ich dachte erst, es ist der Hund", sagt die 58-Jährige. Doch als sie schließlich den Postkasten öffnet, ist dieser so vollgestopft mit Moos, dass die Kuverts nicht mehr komplett durch den Schlitz passen. Der Hund kann es also nicht gewesen sein. Ein paar Tage später liegen neun Vogeleier in dem messingfarbenen Kasten.

"Ich habe dem Postboten einen Zettel geschrieben, dass er nichts mehr reinwerfen soll", erzählt die Preißacherin. Sie selbst öffnet den Briefkasten von da an auch nicht mehr, schaut nur noch durch einen Schlitz in das "liebevolle Wohnzimmer" ihres neuen Nachbarn.

Ein paar Stunden nach dem Entdecken der Eier macht die Familie ein Foto durch den schmalen Schlitz. Und siehe da: Es ist eine Blaumeise, die sich mit dem Moos, Blättern und Ästen im Briefkasten von Familie Bayer einquartiert hat. Die Meisen-Mama lässt das kurze "Fotoshooting" geduldig über sich ergehen, während sie in ihrem Nest sitzt und die Eier ausbrütet.

Am 4. Mai schlüpfen dann die ersten Küken. "Sie zwitschern schon. Es geht richtig zu", beschreibt Bayer das Getümmel in ihrem Briefkasten. Seit die jungen Blaumeisen auf der Welt sind, hat die Vogel-Mama viel zu tun, um die Schnäbel zu stopfen. Viele Male quetscht sie sich täglich durch den schmalen Schlitz, um Futter zu holen. Doch es gibt bereits Verluste: Vier der neun Küken haben nicht überlebt. "Sie sind aus dem Nest gefallen", bedauert Bayer. Die 58-Jährige hofft, dass es die anderen fünf Meisen schaffen. Wenn die Vogel-Familie ausgeflogen ist, will sie den Moos-Berg aus dem Briefkasten entfernen, und dann darf auch der Postbote wieder Briefe einwerfen.

Info:

Die Blaumeise

Das auffälligste Kennzeichen der Blaumeise ist ihr blauer Oberkopf, der von einem weißen und schwarzen Band gesäumt ist. Gut zu erkennen ist sie auch durch ihre gelbe Brust und die blauen Flügel, schreibt der Landesbund für Vogelschutz (LBV) auf seiner Homepage. Blaumeisen leben laut LBV in Laubwäldern, Gärten und Gebüschen. Sie sind Höhlenbrüter und suchen sich dazu Baumhöhlen, Nisthilfen oder Mauerritzen. Die Blaumeise kann zudem bis zu 14 Eier legen.

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