18.09.2019 - 09:03 Uhr
Preißach bei TrabitzOberpfalz

„Bei Hildegard gibt’s kein Jammern“

Im Rücken zwickt's, der Magen drückt und auch das Gedächtnis war schon mal besser. Doch was tun, um sich wieder wohler zu fühlen? Heilkräuterkennerin Johanna Eisner weiß Rat – oder besser gesagt, Hildegard von Bingen.

Über Nutzanwendungen für Kräuter nach der Lehre Hildegards von Bingen spricht im Preißacher Schützenheim Kräuterexpertin Johanna Eisner (rechts, mit Rita Hey, der Vorsitzenden des Katholischen Landvolks Burkhardsreuth).
von Bernhard PiegsaProfil

Bertram ist nicht nur ein halb vergessener französischer Heiliger, sondern auch ein kamillenähnliches Kräutchen, dem die ebenfalls als heilig verehrte Ordensfrau und Heilkundlerin Hildegard von Bingen wahre Wunderkräfte zusprach. „Bertram scheidet alles Schlechte aus, bringt die Gesundheit zurück, kräftigt Schwerkranke und klärt die Augen“, lobte Johanna Eisner in ihrem Vortrag für das Katholische Landvolk Burkhardsreuth die Heilkraft des unscheinbaren Korbblütlers.

Überhaupt, so die Heilkräuterkennerin aus Haunritz bei Kemnath, habe die mittelalterliche Universalgelehrte und Kirchenlehrerin darauf vertraut, dass Gott gegen jedes Gebrechen ein Heilmittel habe wachsen lassen: „Bei Hildegard gibt’s kein Jammern.“ In der Tat seien viele Küchenkräuter zugleich wirksame Arzneipflanzen. Wie für die von Stress und Burn Out geplagte Gegenwart geschaffen sei der Salbei: „In Stresssituationen machen seine ätherischen Öle einen freien Kopf.“ Hierzu genüge es, Salbeiblätter zwischen den Händen zu zerreiben und die frei werdenden aromatischen Dämpfe einzuatmen.

Auch ein Salbeitee wirke nervenstärkend und entzündungshemmend: „Täglich ein Blatt Salbei in einem Liter Wasser zwei bis drei Minuten kochen lassen und diesen Sud im Laufe des Tages trinken – das verschafft vor allem Gicht- und Rheumakranken Erleichterung.“ Als vielseitiges Heilmittel gegen Herz- und Magenleiden, Bandscheibenprobleme oder Ischias habe Hildegard den Galgant geschätzt, der „die Lebensgeister neu weckt“. Hierzu lohne sich die Zubereitung eines Galgantweins, für den man 20 Gramm Galgantwurzel fünf Minuten lang in einem Liter Wein kochen müsse.

Heilsam gegen Hautkrankheiten und obendrein gedächtnisstärkend sei der mit dem Thymian verwandte Quendel: „Ein gehäufter Esslöffel Quendelpulver auf 100 Gramm Mürbplätzchenteig ergibt schmackhafte ‚Gedächtnisplätzchen‘, die nebenbei Darm und Haut gut tun.“ Große Stücke habe die Heilige auf das gut verträgliche Dinkelkorn gehalten, wusste Johanna Eisner. Doch Dinkel sei nicht gleich Dinkel: „In viele heutzutage verwendete Dinkelsorten wurde Weizen eingekreuzt, was die Verträglichkeit und den Gesundheitswert erheblich mindert.“ Allerdings gebe es noch genetisch reinen Dinkel wie etwa das Oberkulmer Rotkorn oder den Bauländer Spelz.

Indes kenne die Hildegard-Kräuterlehre auch „Küchengifte“, die der Gesundheit eher abträglich seien, warnte Eisner. Zu diesen zählten Porree, Pfirsiche, Pflaumen und Erdbeeren. Dass gesunde „Hildegard-Kost“ auch schmackhaft ist, davon konnten sich die fast 50 Vortragsbesucher im Preißacher Schützenheim an Hand von Kostproben überzeugen.

Info:

Kirwa, Tropfen und Tabletten

Zur traditionellen Landvolk-„Kirwa“ lädt das Katholische Landvolk Burkhardsreuth für Mittwoch, 16. Oktober, ins Preißacher Schützenheim ein. Los geht es um 10.30 Uhr mit einem Weißwurstfrühschoppen, ab 13.30 Uhr informiert Apotheker Stefan Weidinger über den richtigen Umgang mit „Tropfen und Tabletten“. (bjp)

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