28.08.2019 - 16:01 Uhr
PressathOberpfalz

Badeunfall am Kiesi-Beach: Kein gewöhnlicher Einsatz

Aufregung am Dienstagabend am Kiesi-Beach in Pressath. Nach einem Badeunfall muss eine 33-Jährige Weidenerin reanimiert werden. Zum Einsatz kommt auch ein ECMO-Gerät, was nicht alltäglich ist.

Zwei Rettungshubschrauber landen am Dienstag am Kiesi-Beach in Pressath.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Gleich zwei Rettungshubschrauber landen am Dienstagabend am Kiesi-Beach in Pressath. Grund ist der Badeunfall einer 33-jährigen Frau. An Bord hat einer der Hubschrauber ein ECMO-Gerät des Universitätsklinikums Regensburg. "So ein Einsatz ist schon außergewöhnlich und kommt vielleicht ein bis zweimal im Jahr vor", sagt Jürgen Meyer von der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz.

Das ECMO-Gerät, ein künstlicher Herz-Lungen-Ersatz, kommt nur bei Ertrinkungsunfällen zum Einsatz. "Das beherzte Eingreifen der Ersthelfer und die Wiederbelebung der Frau auf einer Insel waren sehr wichtig", lobt Meyer den Einsatz der Badegäste, die sofort reagierten, als sie die leblose 33-Jährige im Wasser entdeckten. Auch Wolfgang Heibl, Einsatzleiter der Wasserwacht, lobt die Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte und auch die Hilfsbereitschaft der Pressather.

Die Wasserwacht brachte zunächst den Notarzt per Boot zur Insel, um die Ersthelfer zu entlasten. „Wir haben uns dann zunächst dafür entschieden, die schwimmende Plattform an Leinen in Ufernähe zu ziehen, weil für die Reanimation ein sicherer Stand nötig ist und der ist bei einem Transport mit dem Boot nicht gegeben“, erklärt Heibl. Allerdings musste die Wasserwacht die Frau schließlich das letzte Stück doch mit dem Boot transportieren, weil die Plattform sich nicht weiter ziehen ließ. „Auch für die Wasserwacht war es eine besondere Situation“, bestätigt Heibl.

Pressath

Die Wasserwacht brachte die Frau per Boot an Land, wo sie angeschlossen an das ECMO-Gerät ins Klinikum nach Regensburg gebracht wurde. Warum zwei Hubschrauber vor Ort waren, erklärt Meyer so: "Zum Zeitpunkt des Notrufs war der Regensburger Hubschrauber in Amberg und der Hubschrauber aus Nürnberg in Regensburg. Kurzerhand wurde der Nürnberger dann für den Transport des ECMO-Geräts umgebaut und flog damit nach Pressath." Allerdings sei für die Bedienung des Geräts eine spezielle Ausbildung notwendig. Diese habe die Regensburger, die deswegen aus Amberg nach Pressath flogen.

Die Polizeiinspektion Eschenbach teilt auf Nachfrage am Dienstag mit, dass sich die 33-Jährige weiterhin in stationärer Behandlung im Klinikum Regensburg befindet. Nach derzeitigem Kenntnisstand war der Unfall allein verschuldet. Ob eine gesundheitliche Ursache vorliegt, ist bisher nicht bekannt.

Info:

Das ECMO-Gerät

Die ECMO(Extracorporeal membrane oxygenatio, deutsch: extrakorporale Membranoxygenierung), ist bei einem anhaltenden Herz-Kreislauf-Stillstand oft die einzige Methode, um einen Patienten vor schweren neurologischen Folgeschäden oder gar dem Tod zu bewahren. Ein spezielles ECMO-Gerät fungiert dabei als ein künstlicher Herz-Lungen-Ersatz.

Bei einem Herzstillstand ist schnelle Hilfe erforderlich – eine sofortige Herzdruckmassage ist unerlässlich, um die Überlebenschancen des Betroffenen zu erhöhen. Insbesondere bei längeren Reanimationseinsätzen reicht diese aber in der Regel nicht aus. Um die Herz-Lungen-Funktion wieder zu stabilisieren, hilft den Spezialisten daher eine Herz-Lungen-Maschine. Früher war dieses Gerät rund 200 Kilogramm schwer und konnte nur statisch bei Herzoperationen assistieren. Heute aber gibt es mobile Varianten, die stationär, bei Intensivtransporten und auch in der Notfallrettung eingesetzt werden. Zu den Pionieren dieser Entwicklung zählen die Experten des ECMO-Zentrums des Universitätsklinikum Regensburg (UKR).

Unser Herz bildet das Bindeglied zwischen dem Lungen- und dem Körperkreislauf. Nur durch das regelmäßige Pumpen können unsere Organe dauerhaft mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Das Herz eines Erwachsenen schlägt dabei etwa 70 Mal pro Minute, wodurch etwa fünf Liter Blut gefördert werden können. Bei einem plötzlichen Herzstillstand ist dieses System unterbrochen, wodurch auch die Organversorgung nicht mehr gewährleistet ist.

Mithilfe eines Schlauchsystems kann das ECMO-Gerät ebenfalls bis zu fünf Liter Blut pro Minute aus dem Körper befördern. Dieses wird in der künstlichen Membranlunge der Maschine von Kohlenstoffdioxid befreit und mit Sauerstoff angereichert. Über einen zweiten Schlauch und eine Pumpe gelangt es zurück in den Patienten. Je nachdem, wie die Maschine am Kreislauf des Körpers angeschlossen wird, kann damit gezielt die Lunge oder das Herz unterstützt werden.

Dauert eine Reanimation lange an, kann sich dies auf den Patienten fatal auswirken. Ab einer Reanimationszeit von 20 Minuten werden die Überlebenschancen geringer. Das Gerät ist hochkomplex und bedarf einer speziellen Ausbildung. Quelle: Universitätsklinikum Regensburg

Ein Hubschrauber transportiert eine Patientin, die an eine mobile Mini-Herz-Lungenmaschine (ECMO) angeschlossen ist. Mit dieser immer kleiner und leichter gewordenen ECMO-Maschine können Patienten immer einfacher in Fachkliniken transportiert werden

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