(bjp) Doch ließ Andrea Höning beim Bürgerforum des Landkreises zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) im Gasthof Heining keinen Zweifel: „Wir müssen sorgfältig prüfen, welches Linienangebot sinnvoll, weil bedarfsgerecht ist“, betonte die ÖPNV-Sachgebietsleiterin der Kreisverwaltung.
Mit einem Erfolg des Ruftaxi-Projekts rechneten aber sowohl die Landratsamtsvertreterinnen Andrea Höning und Daniela Franz als auch die Diskussionsleiter Dr. Christian Neff und Anja Baniewicz vom Referat „Innovative Verkehrskonzepte“ der Bahnbusgesellschaft „Regionalbus Ostbayern“. Die Sammeltaxis seien für die Nordoberpfalz mit ihrer Streusiedlungsstruktur eine ideale Lösung, denn sie könnten auch sehr kleine Orte abseits der Bahnstrecken und der „großen“ Buslinien ansteuern. Auch die Umfrageteilnehmer hätten sich an diesem Angebot interessiert gezeigt.
Grundsätzlich müsse freilich für jeden Landkreisteil festgestellt werden, welche Nahverkehrsangebote die zweckmäßigsten seien, merkte Daniela Franz vom Referat Landkreisentwicklung an. Einige Randgemeinden hätten auch ein überdurchschnittliches Interesse an Carsharing artikuliert: Kreisweit hätten 23,7 Prozent der Teilnehmer ihre Bereitschaft zur Nutzung derartiger Angebote bekundet, in Eschenbach, Neustadt am Kulm, Pressath, Parkstein und Schlammersdorf seien es zwischen 30 und 40 und in Kirchenthumbach, Speinshart und Vorbach sogar mehr als 40 Prozent gewesen.
Grundsätzlich, so die Fachleute, zeige das zurückhaltende Interesse hieran ebenso wie die Tatsache, dass 23,1 Prozent aller Umfrageteilnehmer und 29,8 Prozent der Pkw-Nutzer ihr grundsätzliches Desinteresse an einer ÖPNV-Nutzung erklärt hätten, wie wichtig die Menschen das eigene Kraftfahrzeug nähmen. „Das Auto ist ein Stück vom eigenen Ich“, resümierte der Pressather Seniorenbeauftragte Albert Butscher die gängige Geisteshaltung, und der Schwarzenbacher Bürgermeister Thorsten Hallmann schilderte eigene Erfahrungen: „Wer heutzutage Bahn oder Bus nutzt, muss sich dumm anreden lassen: hast du etwa keinen Führerschein mehr?“
Zudem, so Hallmann, gewöhnten viele Eltern ihre Kinder daran, „mit dem Auto fast bis ins Klassenzimmer gebracht zu werden“. Sein Pressather Amtskollege Werner Walberer erinnerte sich an eine Episode aus seiner Zeit als Mitarbeiter der Grafenwöhrer Garnison: „Zeitweilig gab es ein Pendelbusangebot für die Belegschaft, doch das musste nach etwa einem halben Jahr wieder eingestellt werden – mangels Nachfrage.“ Die Speinsharter Gemeinderätin Barbara Müller ergänzte, dass sich viele Einwohner der Landgemeinden an ein schlechtes ÖPNV-Angebot gewöhnt hätten und deshalb eine Nutzung nicht mehr ernsthaft in Betracht zögen. Zudem seien sie sich oft nicht bewusst, welche Kosten sie alles in allem für ihr Fahrzeug aufwenden müssten.
„Wir müssen ein Umdenken anregen – weg von der Selbstverständlichkeit der individuellen Pkw-Nutzung“, meinte auch Andrea Höning. Als Beiträge hierzu wurden in der Diskussion eine bestmögliche Vernetzung der Verkehrsmittel an den Umsteigepunkten durch aufeinander angepasste Ankunfts- und Anfahrtszeiten, barrierefreie Züge, Busse und Haltepunkte sowie eine Verkürzung der Taktzeiten angeregt. An letzteres sei freilich nur zu denken, soweit die zusätzlichen Züge und Busse wirklich gebraucht würden, betonte Christian Neff: „Es bringt nichts, Luft durchs Land zu fahren.“
Pressath
13.07.2018 - 10:55 Uhr
Bald „Baxi“ im Kreis Neustadt?
von Bernhard Piegsa
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Der Blick in die Schweiz würde ja zeigen wie man es macht, da ist jedes noch so kleine Dorf perfekt angebunden und am nächsten Knoten hat man sofort Anschluss weil alles aufeinander abgestimmt ist.
Auch hier gibt es ja das Projekt des Deutschlandtakts, eines ITF, wo alles aufeinander abgestimmt ist. Aber das muss man natürlich von oben nach unten planen. Sprich erst der Fernverkehr, dann der Regionalverkehr, dann der Busverkehr und zum Schluss solche Angebote wie Baxi und alles muss aufeinander abgestimmt sein.
Das Auto als Lebensmittelpunkt gibt es doch eh nur noch in der Provinz. Da verschleudert man Geld für SUV und andere Kisten, obwohl jeder weiß dass Autos keine Wertanlagen sind, sondern schnell an Wert verlieren. Wen man dahin kommt dass Auto Auto ist, egal welches, dann wäre man schon weiter.
In den größeren Städten hat das Auto heute schon keinen Stellenwert mehr wie auf dem Land. Da ist es ein Gebrauchsgegenstand, oft auch geteilt oder nur für besondere Zwecke gemietet.
Das geht natürlich oftmals auf dem Land auch gar nicht, mangels Verbindungen. Dennoch wird sich auch hier die übertriebene Fixierung lösen, dahin dass es einfach nur ein Gebrauchsgegenstand ist.
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