06.05.2020 - 13:01 Uhr
PressathOberpfalz

„Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit" sollen Pressather Stadtrat bestimmen

In der konstituierenden Stadtratssitzung wird der neue Bürgermeister von Pressath vereidigt. Zuvor hatte Pfarrer Edmund Prechtl Bernhard Stangl und allen anderen, die Verantwortung übernehmen, den "Heiligen Geist" mit auf den Weg gegeben.

"Wachablösung" an der Stadtspitze: Bei der konstituierenden Stadtratssitzung übergibt Werner Walberer die Bürgermeister-Amtskette an seinen Nachfolger Bernhard Stangl. Zuvor war Stangl vom dienstältesten Stadtratsmitglied Franz Floth vereidigt worden.
von Bernhard PiegsaProfil

„Wir feiern heute einen Pfingsttag“: Mit diesem Satz ließ Stadtpfarrer Edmund Prechtl die Teilnehmer des Gottesdienstes am Montagabend aufhorchen. Hatte „Reformpapst“ Franziskus klammheimlich den Kirchenkalender umgestrickt? Nein: Nach 50 Tagen Corona-Ausnahmezustand durfte Prechtl erstmals wieder eine Messe zelebrieren, bei der er nicht allein in der Stadtpfarrkirche war – und 50 Tage sind auch die Zeitspanne zwischen Ostern und Pfingsten. Mit der Anspielung auf das bevorstehende Fest der „Ausgießung des Heiligen Geistes“ verband der Geistliche allerdings noch mehr: Anlass für die Eucharistiefeier war der Amtsantritt der neu gewählten Bürgervertreter, denen Prechtl für die kommenden sechs Jahre den Beistand des Heiligen Geistes bei ihren Entscheidungen gerade in „dieser nicht unbedingt einfachen Zeit“ wünschte. Er selbst, so Prechtl, habe „großen Respekt vor allen, die bereit sind, ihre Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und politische Verantwortung zu übernehmen“, anstatt nur „vom Kanapee aus“ unverbindliche verbale „Schüsse aus der Hüfte“ abzugeben.

Gerade in der Zeit nach seiner Auferstehung habe der „gute Hirt“ Jesus seinen Jüngern immer wieder Mut zugesprochen, und an dieser Zuversicht solle es dem neuen Bürgermeister Bernhard Stangl und den Stadträten ebenso wenig fehlen wie den Feuerwehrleuten, die am 4. Mai das Fest ihres Schutzheiligen Florian begingen, hoffte der Pfarrer: „In der Bibel soll der Satz ‚Habt keine Angst‘ oder ‚Fürchtet euch nicht‘ 365-mal vorkommen: also einmal für jeden Tag.“

Zu Mut und Entschlossenheit rief Bürgermeister Bernhard Stangl die Stadtratsmitglieder auch in seiner Amtsantrittsrede bei der konstituierenden Ratssitzung in der Stadthalle auf. Fast taggenau vor 231 Jahren habe eine andere, allerdings sehr viel bedeutendere „Ratssitzung“ stattgefunden: „Am 5. Mai 1789 traten im Schloss von Versailles die Repräsentanten der drei politisch maßgeblichen ‚Stände‘ des französischen Volkes – Adel, Klerus und Besitzbürgertum – zusammen, und diese Versammlung war der Auftakt zur Französischen Revolution.“

Über die damals geprägten wegweisenden Schlagworte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit lohne es heute mehr denn je nachzudenken. Es sei bedrückend, dass in Europa 75 Jahre nach Kriegsende, Sturz der Nazi-Diktatur und Befreiung der Konzentrationslager wieder Strömungen, die mit extremistischen Ideen liebäugelten, politisches Terrain vereinnahmten: „Um so mehr gilt es die Freiheit aufmerksam zu bewahren und zu verteidigen.“ Doch rücke auch die Coronakrise, die allen Einwohnern vielfältige Beschränkungen alltäglicher Freiheiten auferlege, Wert und Inhalt der Grundwerte „Freiheit“ und „Gleichheit“ von Neuem ins Bewusstsein: „Vor dem Virus sind alle gleich.“

Tatkräftiger als zuvor werde in dieser Zeit aber auch die „Brüderlichkeit“ gelebt, freute sich Stangl. Viele Akte und Gesten der Menschlichkeit und solidarischen Hilfe illustrierten dies. „Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit sollen unsere Zusammenarbeit zum Wohle unserer Stadt bestimmen. Dabei wollen wir ernsthaft diskutieren, aber auch Spaß an unserer Arbeit haben“, schloss Bürgermeister Bernhard Stangl.

Info:

Drei Fraktionen, drei Bürgermeister

Mit herzlichen Worten dankte Bürgermeister Bernhard Stangl in der konstituierenden Stadtratssitzung seinem Amtsvorgänger Werner Walberer, der ihm die Amtskette übergeben hatte: „Du hast mit deiner Arbeit unsere Stadt bereichert, und dafür danke ich dir im Namen aller Pressather.“ Walberer wünschte seinem Nachfolger eine glückliche Amtszeit und dankte ihm für dessen mutige Entscheidung, „in der ersten Reihe der Politik Verantwortung zu übernehmen“.

Wie in der vergangenen Wahlperiode werden alle drei Ratsfraktionen je einen Bürgermeister stellen: Als Stellvertreter Bernhard Stangls (SPD) bestätigte der Stadtrat einstimmig zweiten Bürgermeister Maximilian Schwärzer (CSU) und dritten Bürgermeister Wolfgang Graser (Freier Wählerblock). „In den Vorgesprächen waren sich alle Fraktionen einig, dass sich dies bewährt hat“, hielt Stangl fest. Ihren Eid auf Grundgesetz und Landesverfassung leisteten auch die neuen Ratsmitglieder Stefanie Dippl und Maximilian Weyh (beide CSU), Florian Eibl (SPD) und Eckhard Bodner (Freier Wählerblock).

Die ausgeschiedenen Räte Stefan Brüderer, Stephan Dippl und Josef Fütterer wolle man im Sommer in einem festlicheren Rahmen verabschieden, kündigte Stangl an und scherzte: „Unser Verhältnis war so freundschaftlich, dass sie alle einen Händedruck verdient haben, den uns die momentanen Distanzgebote leider verbieten.“

Info:

Der neue Stadtrat

Dem Pressather Stadtrat gehören künftig an:

Fraktion CSU: Martin Schmidt (Fraktionssprecher), Susanne Reithmayer (stellvertretende Fraktionssprecherin), Maximilian Schwärzer (zweiter Bürgermeister), Stefanie Dippl, Charlotte Hautmann, Andreas Reindl, Cornelia Träger, Maximilian Weyh jun.

Fraktion SPD: Franz Floth (Fraktionssprecher), Sabine Eichermüller (stellvertretende Fraktionssprecherin), Birgit Baller, Florian Eibl, Christian Mörtl.

Fraktion Freier Wählerblock (FWB): Wolfgang Graser (Fraktionssprecher, dritter Bürgermeister), Richard Waldmann (stellvertretender Fraktionssprecher), Eckhard Bodner.

Neuer Pressather Bürgermeister Bernhard Stangl im Interview

Pressath

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