13.09.2019 - 10:07 Uhr
PressathOberpfalz

Hochwasser und Schlamm an der Haidenaab: Anwohner fühlt sich im Stich gelassen

Johann Schiffmann hat ein Grundstück an der Haidenaab. Dieses ist regelmäßig von Hochwasser betroffen. Ein Ausbaggern könnte für Abhilfe sorgen. Doch das Wasserwirtschaftsamt Weiden sieht keinen Handlungbedarf.

Das Grundstück von Johann Schiffmann ist regelmäßig vom Hochwasser betroffen. Er wünscht sich ein Ausbaggern der Haidenaab.
von Stefan NeidlProfil

Johann Schiffmann aus Pressath ärgert sich: Sein Grundstück grenzt an die Haidenaab am Ortseingang Pressath von Eschenbach kommend. Bei starkem Regen und Schmelzwasser hat er regelmäßig Überschwemmungen auf seinem Gelände. Der Schuldige ist für ihn klar: „Das Wasserwirtschaftsamt kommt seiner Pflicht zum Ausbaggern der Haidenaab nicht nach.“

Einen ganzer Aktenordner füllt der Schriftverkehr mit dem Amt, der Stadt Pressath und der Regierung der Oberpfalz. Sogar den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags, das Bayerische Staatsministerium für Umweltschutz und den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hat Schiffmann angeschrieben.

Vor einigen Monaten sei in der Nähe ausgebaggert worden und von der Stadt Pressath wäre ihm zugesichert worden, dass dies bei ihm auch geschehen werde. "Aus unerklärlichen Gründen sei die Aktion dann aber abgesagt worden", sagt Schiffmann.

Mittlerweile lässt er sich von Anwalt Thomas Domsz vertreten. „Unterhalb des Grundstücks meines Mandanten ist eine Eisenbahnbrücke. An den Pfeilern haben sich etwa 90 Kubikmeter Schlamm angesammelt. Bei einem größeren Wasserschwall kann das Wasser nicht richtig abfließen und staut sich zurück auf das Grundstück von Herrn Schiffmann“, erklärt Domsz.

Oberregierungsrat Alois Fischer vom Wasserwirtschaftsamt Weiden erklärt das Problem: "Es ist nicht wirtschaftlich an dieser Stelle regelmäßig auszubaggern. Wer genau am Fluss lebt, muss damit rechnen, dass es zu Überschwemmungen kommen kann.“ Schiffmann ist der einzige betroffene Bürger. Es gebe nach Hochwassern immer wieder Prüfungen, ob ein Ausbaggern nötig sei, Fischers Behörde ist aber der Meinung, dass dies momentan nicht der Fall ist. „Durch die Entscheidungen der Regierung der Oberpfalz und anderer Stellen sehen wir uns in unserer Auffassung bestätigt“, sagt Fischer.

Johann Schiffmann sorgt sich um sein Grundstück und wirft dem Wasserwirtschaftsamt Untätigkeit vor.

Der Bauausschuss hätte an der Flussbiegung etwas unternehmen können, doch Schiffmann sei damals gegen diese Maßnahme gewesen. Bürgermeister Werner Walberer drängt das Wasserwirtschaftsamt zum Handeln: „Wir sehen dringenden Handlungsbedarf und haben dies schon mehrfach vorgebracht. Anderswo werden auch Aktionen unternommen um Hochwasser aus den Städten rauszuhalten. Warum das ausgerechnet in Pressath nicht möglich sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis.“

Ein weiterer Streitpunkt: Vor Jahren hat Schiffmann mit Genehmigung des Landratsamtes aber gegen die Empfehlung des Wasserwirtschaftsamtes eine Maschinenhalle in Flussnähe errichtet. Dafür hat er eine Freistellungserklärung unterzeichnet, die die Behörden von sämtlichen Haftungsansprüchen entbindet. In einem Schreiben vom 2. April 2019 interpretiert das Bayerische Staatsministerium für Umwelt dies so, dass Schiffmann sich über die Lage im Hochwassergebiet bewusst war und sich so selbst um einen wirksamen Schutz kümmern müsse. Für Rechtsanwalt Domsz nicht nachvollziehbar: „Die Freistellungserklärung entbindet die Behörden nur von Schadensersatzansprüchen. Nicht jedoch sich um eine Vermeidung eines Rückstaus zu kümmern.“ Schiffmann ist weiterhin entschlossen seinen Grund zu schützen und dafür zu kämpfen.

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