16.09.2020 - 17:22 Uhr
PressathOberpfalz

Interview mit Hera Lind: Erst Liebes-, dann Lebensgeschichten

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Hera Lind schreibt einen Bestseller nach dem anderen. Im Interview erläutert die beliebte Autorin, warum all ihre Bücher mit "Nebenan" beginnen und warum sie weinen muss, wenn Anna Netrebko singt.

Die Bestsellerautorin Hera Lind kommt am 20. September zu einer Lesung nach Pressath.
von Redaktion ONETZProfil

Die Lesung der langjährigen Bestseller-Autorin Hera Lind am Sonntag, 20. September, in der Pressather Stadthalle ist ausverkauft. Sie wird alles andere als eine Wasserglas-Sitzlesung aus ihren Neuerscheinungen werden. Die Wahl-Salzburgerin wird eine amüsante, unterhaltsame Performance-Show ihrer "Best of Bestsellers" moderieren. Vorab hat Lind, 1957 in Bielefeld geboren, im Interview mit Oberpfalz-Medien einige Interna aus ihrer Leben verraten.

ONETZ: Frau Lind, Sie haben Theologie, Germanistik und Gesang studiert. Drei Studiengänge sind für Abschlüsse ziemlich viel. Wo lagen die Schwerpunkte und Ziele?

Hera Lind: Tatsächlich wollte ich erst Lehrerin werden und habe dieses Studium auch mit Begeisterung absolviert und mit der Note Eins das Staatsexamen abgelegt. Aber dann ergab sich für mich ein Vorsingen an der Musikhochschule und wenig später beim Klassik-Ensemble des WDR. Da waren dann die Weichen gestellt, Sängerin zu werden. Als Herlind Wartenberg habe ich 16 Jahre lang Konzertreisen um die Welt gemacht, bevor ich Hera Lind wurde.

ONETZ: Wie stark sind die Erfahrungen Ihrer eigenen Vita in Ihre Romane beziehungsweise Protagonisten eingedrungen?

Der erste Roman „Ein Mann für jede Tonart“ war fast wortgetreu das Tagebuch meiner Sängerinnen-Zeit. Dass er gleich eine Million Mal verkauft werden würde und mir meine Schriftsteller-Laufbahn ebnen würde, daran habe ich damals nicht im Traum gedacht! Deshalb hatte ich mir ja das Pseudonym Hera Lind zugelegt; dass mich niemand mit der seriösen Sängerin in Verbindung bringt! (Sie lacht.)

ONETZ: Was hat Sie zu Ihrem Markenzeichen der immer gleichen Roman-Anfangssätze bewogen? Was drücken Sie damit aus?

Das war eher ein Zufall. Mit „Nebenan“ anzufangen, erleichterte mir den Anfang, das war alles. Es hat sich dann bewährt und ist zu meinem Erkennungszeichen geworden. Alle meine 38 Romane fangen mit „nebenan“ an.

ONETZ: Sie haben sich aus dem eigenen fiktionalen Schreiben auf das Verfassen von fremden Biografien verlegt. Was ist der Unterschied der beiden Sichtweisen oder Gewichtungen?

Die wahren Geschichten sind inzwischen meine Berufung. Inzwischen steht es zwischen meinen fiktiven Romanen und den Tatsachenromanen von der Menge her 1:1. Aber mal im Ernst: mit 63 Jahren noch Liebesgeschichten zu schreiben, das wäre, wie wenn eine Schauspielerin versäumt hätte, rechtzeitig das Fach zu wechseln. Ich sage immer: Liebesgeschichten enden damit, dass sie sich kriegen. Aber damit fängt die interessante Lebensgeschichte doch erst an! Alles, was an Herausforderungen und Schicksalsschlägen passiert, DAS ist doch das, was uns Menschen prägt und formt und sie zu den Persönlichkeiten macht, die wir heute sind. Und da bekomme ich von meinen LeserInnen die spannendsten und glaubwürdigsten Stoffe.

ONETZ: Wie haben Sie das Reduzieren des Gesangs als Mezzosopranistin verarbeitet? Mit welchen Gefühlen blicken Sie darauf zurück?

Mit Stolz und Freude einerseits – was für einen reichen Schatz an Musik durfte ich erlernen und erleben! Und natürlich mit Wehmut. Bei den Salzburger Festspielen sitze ich immer in der ersten Reihe bei den Proben und beneide eine Anna Netrebko um ihr unglaubliches Können. Dann fließen bei mir die Tränen der Wehmut, aber auch der Freude, dass ein Teil meines Lebens eben auch klassische Musik war.

ONETZ: In Ihrer Jugendzeit haben Sie mit Ihrem Vater eine Tante in Pressath besucht. Schildern Sie bitte Ihren besonderen Bezug zu Pressath, zur Oberpfalz. Wie oft und wann waren Sie dort? Wie haben Sie die Ferien hier in Erinnerung?

Mit meinem Vater war ich ein paarmal bei meiner Tante Lenchen, eine strenge, kinderlose Dame, vor der wir einen Riesenrespekt hatten. Sie war eher unnahbar und nahm mir übel, dass ich als Kind ihren Namen mit „h“ geschrieben hatte. Tante Lehnchen. Ich hatte gedacht, man könne sich gut an sie anlehnen, das war falsch. (Sie lacht hellauf.) Und an das Ostereierpecken mit den Nachbarskindern kann ich mich erinnern. Diesen Brauch kannte ich vorher nicht.

Ein weiterer Artikel über die Autorin Hera Lind

Pressath

ONETZ: Auch wenn wir die Erwartungsspannung auf Ihre Performance in Pressath nicht nehmen wollen, möchten Sie einige Anreize unseren Lesern schon vorab verraten? Werden Sie auch singen?

Wenn ein kaltes Bier auf dem Tisch steht, kann ich nicht für das Gegenteil garantieren ...

ONETZ: Kennen Sie Autorenkollegen mit einem Pressath-Bezug?

Nein. Ein klares Nein.

ONETZ: Würden Sie uns eine kurze Geschichte, ein Gedicht als Hommage/Reminiszenz zur Veröffentlichung exklusiv für das 175-jährige Pressath-Jubiläum zur Verfügung stellen?

Ich denke, dieses Interview ist so ausführlich, dass ich nur noch sagen kann: Pressath, alles Gute zum 175-Jährigen!

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