14.09.2021 - 16:26 Uhr
PressathOberpfalz

Kreuzchen vom Sofa aus – Briefwähler sind heuer besonders fleißig

Der Gang zur Wahlurne wird immer mehr "out". In Pressath, Grafenwöhr, Eschenbach und Kirchenthumbach setzen die Bürger ihre Kreuzchen lieber von daheim aus – ein prozentualer Trend zeichnet sich ab.

Es gibt immer mehr Briefwähler, auch im westlichen Landkreis Neustadt/WN. Die Zahlen in Eschenbach, Pressath, Grafenwöhr und Kirchenthumbach sprechen eine deutliche Sprache.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die Bundestagswahl rückt immer näher: Am 26. September können die Bürger in Deutschland im Wahllokal ihre Stimme abgeben, wer im Bundestag sitzen soll. Doch nicht nur an diesem Tag ist ein Votum möglich, sondern auch schon viele Wochen vorher – nämlich per Briefwahl. In den Verwaltungsgemeinschaften Pressath, Eschenbach und Kirchenthumbach sowie in Grafenwöhr zeichnet sich dabei ein eindeutiger Trend ab. Die Briefwähler kratzen an einer bestimmten Prozent-Marke.

  • Verwaltungsgemeinschaft Pressath

"Es sind auf jeden Fall mehr als sonst", berichtet Rudi Fuchs am Dienstag für die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Pressath, zu der die Stadt Pressath und die Gemeinden Trabitz und Schwarzenbach gehören. Und er ist sich sicher: Das war noch lange nicht alles an Briefwählern, denn bis zum 26. September sind es noch eineinhalb Wochen. Konkret hat die Stadt Pressath bis Montagabend für den VG-Bereich 2658 angeforderte Briefwahlunterlagen vermerkt, bei 5374 Wahlberechtigten. Das macht also 49,46 Prozent. Am Dienstagmorgen liegen aber schon weitere Umschläge auf den Schreibtischen im Rathaus. Fuchs rechnet bis zum Wahltag mit 50, fast schon 60 Prozent Briefwählern. 4000 Unterlagen hat er vorsorglich bestellt. "Man wusste ja nicht: Kommt nochmal ein Lockdown?"

Die Coronapandemie habe den Trend zur Briefwahl auf jeden Fall verstärkt, glaubt Fuchs. Das schnelle Anfordern der Wahlunterlagen mit nur ein paar Klicks oder per QR-Code würden ihr Übriges tun. "Am Sonntag muss man halt eine Stunde opfern, anstehen, Maskenpflicht. Das kommt alles dazu", sieht er den Gang zur Wahlurne für die Bürger als umständlicher. Ob eine 50-prozentige Briefwahl aber auch noch geheim und demokratisch ist? "Ich traue den Leuten schon, dass selbst ausgefüllt wird." Sollte es, wie Fuchs sagt, doch mal einen "Frecker" geben, der unerlaubterweise für jemand anders Unterlagen anfordert, gibt es eine Sicherheitsschranke. Sobald bei der Beantragung der Wahlunterlagen eine andere Adresse angegeben wird, geht vom System der Stadt automatisch eine Benachrichtigung an die hinterlegte Adresse des Wählers, ob dieser tatsächlich Unterlagen an die zweite Adresse angefordert habe. Sollte das nicht der Fall sein, werden diese Wahlunterlagen für ungültig erklärt.

  • Stadt Grafenwöhr

Noch nicht ganz die 50-Prozent-Marke erreicht hat die Stadt Grafenwöhr mit ihren Ortsteilen Hütten, Gmünd und Gößenreuth. 41,19 Prozent Briefwähler sind es bis Dienstagmorgen dort. 1885 Unterlagen bei 4576 Wahlberechtigten wurden schon beantragt. "Wir beschweren uns momentan nicht. Es ist ein bisschen ruhiger geworden diese Woche, aber am Anfang ging es so los, als gäbe es etwas umsonst", berichtet Holger Cibis von der Stadt Grafenwöhr. Das erste Mal bietet die Stadt auch an, sich die Unterlagen auf elektronischem Weg zu besorgen, also per QR-Code oder auf der Homepage.

Immer noch merkt Cibis aber, dass es Skepsis gegenüber der Briefwahl und deren Anonymität gibt. Doch da kann er beruhigen: "Um 15 Uhr werden die Wahlbriefe geöffnet und geprüft, ist ein Wahlschein da und unterschrieben und ist ein Stimmzettelumschlag da. Der kommt geschlossen in eine Wahlurne." So könne niemand nachvollziehen, welcher Stimmzettel zu welchem unterschriebenen Wahlschein gehöre. Wer noch per Briefwahl seine Stimme abgeben möchte, hat noch immer die Möglichkeit. "Wir sind eingedeckt mit Briefwahlunterlagen. Ich könnte 100 Prozent machen."

  • Verwaltungsgemeinschaft Eschenbach

Rund um die 50-Prozent-Marke bewegen sich auch die Briefwähler in der VG Eschenbach. Am Dienstag zählt die Stadt Eschenbach bei 3050 Wahlberechtigten 1408 ausgegebene Briefwahlunterlagen, was 46,16 Prozent macht. In Neustadt am Kulm ist die Marke sogar schon lange erreicht. 53,36 Prozent sind es hier; in absoluten Zahlen: 950 Wahlberechtigte und bislang 507 Briefwähler. Speinshart hat 900 Wahlberechtigte, von denen bis Dienstagmorgen 426 Briefwahlunterlagen beantragt haben, also 47,33 Prozent. Aus dem Eschenbacher Rathaus heißt es, dass die Wahlbeteiligung per Briefwahl heuer hoch sei, und es wird sogar erwartet, dass Neustadt am Kulm bis zum 26. September noch die 60-Prozent-Marke knacken könnte.

  • Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach

In der Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach (Kirchenthumbach, Schlammersdorf, Vorbach) sind 4174 Bürger wahlberechtigt, Briefwahlunterlagen angefordert haben schon 2203. Das sind 52,77 Prozent. Bestellt hatte Berthold Schmid zunächst 2500 Briefwahlunterlagen, mehr als bei der letzten Wahl. Nun musste er aber sogar noch einmal nachordern, weil er mit noch einigen Wählern mehr rechnet. Auch in dieser VG könnte die 60-Prozent-Marke geknackt werden, vermutet er.

Wahlbenachrichtigung in der Post: Was Bürger dazu wissen müssen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

So funktioniert die Briefwahl

  • Die Unterlagen zur Briefwahl müssen beantragt werden. Entweder per QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung, online auf der Homepage der zuständigen Gemeinde, schriftlich oder persönlich.
  • Die Briefwahlunterlagen bestehen aus: einem Stimmzettel, auf dem gewählt wird; einem blauen Umschlag ohne Adresse; einem roten Umschlag mit der Adresse der Wahlbehörde und einem Wahlschein.
  • Bei der Bundestagswahl hat jeder Wähler zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird der Direktkandidat aus dem Wahlkreis gewählt. Mit der Zweitstimme wird entschieden, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt.
  • Auf dem Stimmzettel wird gewählt. Dieser wird dann in den blauen Umschlag gepackt, Umschlag verschließen. Wahlschein ausfüllen und unterschreiben.
  • Blauen Umschlag und Wahlschein in den roten Umschlag packen und auch diesen Umschlag gut verschließen.
  • Die roten Wahlbriefe können in die Postkästen der jeweiligen Rathäuser eingeworfen werden oder per Post innerhalb Deutschlands entgeltfrei versandt werden. (kmo/spi)

 

 

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