24.08.2020 - 11:36 Uhr
PressathOberpfalz

Kulturkreis Pressath: Konzert ein voller Erfolg

Der Pressather Kulturkreis trotzt Corona im Jubiläumsjahr der Stadt mit einem musikalischen Farbtupfer. Ensemble und Spielstätte erweisen sich dabei als Volltreffer.

Stirb Ungeheuer durch unsere Macht sangen die Sopranistinnen Irmgard Seemann, Monika Stark und Evi Haberberger (von links) in einer Arie des ersten Aktes der Zauberflöte mit Blick auf den "trauten Jüngling".
von Robert DotzauerProfil

„Man braucht ein Herz für die Musik“, notierte Enrico Caruso. Nur sie gebe der Stimme den Weg vor. Je tiefer und leidenschaftlicher sie sich mit der zu singenden Musik verbinde, umso wunderbarer werde der Gesang. Diese Leidenschaft, die Caruso ein ganzes Sängerleben versprühte, war auch am Sonntagnachmittag zu spüren. In der lauschigen Atmosphäre des Pressather Schulatriums boten die Akteure des ehemaligen Opernstudios Oberfranken unter mächtigen Baumkronen ein Mozart-Programm zum genießen. Unter den Bedingungen der Corona-Schutzvorschriften gelang dem Veranstalter mit den Künstlerinnen und Künstlern des ehemaligen Opernstudios Bayreuth ein kultureller Re-Start nach Maß, wie auch Vorsitzender Richard Waldmann in Anwesenheit von Ehrengast Bürgermeister Bernhard Stangl erfreut feststellte.

Unter dem Motto „Alles Mozart“ verstand das Ensemble ein zärtliches und schmeichelndes Arrangement aus Mozarts schönsten Opernarien. Auf den Flügeln des Gesangs genossen die Besucher im vollbesetzten Atrium Auszüge aus Mozarts größten Opern. Ein Schmankerl für alle Klassikfreunde. Wie gut schmeckten diese musikalischen Schmankerln, mit forschen Sängerinnen und Sängern in einem Ensemble, das anders aufgestellt ist, als ein gut subventioniertes Theater? Die Antwort schon vorweg: hervorragend. Nadja Fürst, Evi Haberberger und Monika Sack (Sopran), Irmgard Seemann (Mezzosopran) und Marius Pöhnlein (Bass) glitzerten stimmlich wie kleine Juwelen. Einfühlsam begleitet von Anna Baturina-Ringlein auf dem Piano demonstrierte das Quintett, das Mozarts Musik am schönsten klingt, je natürlicher sie gesungen wird.

Hochzeit und Zauberflöte

Sanft, fast staatstragend, gepaart mit Hoffnung und Lebensfreude brillierte das Ensemble im klug zusammengestellten Programm mit Arien aus Mozarts „Figaros Hochzeit“, „Cosi fan tutte“ und „Die Zauberflöte“. Das Publikum staunte, in welch psychologische Tiefen die Mitwirkenden, im Brotberuf als Juristen, Mathematiker oder Cyberexperten tätig, vordrangen. Professionell angeleitet von Gesangspädagogin Anneliese Meyer-Adam und charmant moderiert von Wigand Rathmann überzeugte die Gruppe mit einem Feuerwerk an Emotionen. Bis auf die thematisch gut gelungene Bühnenausstattung mit bunten Blumenarrangements keine Inszenierung, keine Kostüme, weder ein mächtiger Begleitchor noch ein Orchester, sondern nur die Stimmen und eine Klavierbegleitung, das war's. Für die vier Sopranistinnen und den Bass ein große Herausforderung und für das Publikum ein berauschendes Erlebnis.

Liebe und Eifersucht, Hass und Freude, Theater und Komödie: Am Sonntag waren all diese Rollenspiele vertreten. Schon die süße Rache oder das Unglück der Gräfin im Figaros Hochzeit packten die geschmeidigen und anpassungsfähigen Sopranistinnen in ein musikalisches Gesamtbild längst versunkener feudaler Welten die schließlich mit der Behauptung des Grafen (Marius Pöhnlein) endete: „Frauen sind im Spinnen von Ränken unschlagbar“.

Gesang, der fesselt

Zart, zerbrechlich, liebesfiebernd: Auch die Rollenspiele von Nadja Fürst, Evi Haberberger, Monika Sack, Irmgard Seemann und Marius Pöhnlein triumphierten im Mittelteil des Programmes mit der Devise „Cosi fan tutte" (So machen es alle Frauen). Das Ensemble verstand es, etwa in den Arien „weht leiser, ihr Winde“ in „Don Alfonso“ oder im Duett „Empfange, Geliebte“ Mozarts Denken in fesselnden Gesang zu verwandeln. Zum edlen Vokalklang kam knisternde Glut. Zwischen den Programmteilen berichtete Dramaturg Wigand Rathmann über Gedankengänge Mozarts, erzählte Anektotisches und stellte Bezüge zur jeweiligen Opern- und Aufführungsgeschichte her. So musste sich das Publikum erst gar nicht so sehr auf Texte konzentrieren. Gestik und Mimik der Ensemblemitglieder überzeugten auch im großen Finale mit Stücken aus der „Zauberflöte“.

Herzschmerz, Rache und Erotik: Mozart ließ auch in dieser Oper den Gefühlen freien Lauf, in der am Schluss die Liebe über das Böse siegte. Von der wütenden Königin der Nacht bis zu Vogelfänger Papageno ging die berührende Handlung, die schließlich mit den berühmt-gestammelten Worten „Pa-Pa-Pa-Pa“ endete und in der Papageno (Marius Pöhnlein) in Papagena (Nadja Fürst) seine große Liebe fand. Dankbar waren die Besucher auch für ein gefühlvolles Zugabenjuwel und „Kulturchef“ Richard Waldmann schwärmte: „Diese Stunde macht Lust auf mehr im Opernhaus“.

Mozart-Arien im Atrium

Pressath
Am Piano begleitet Anna Baturina-Ringlein. Durch das Programm führt Wigand Rathmann:
Das Atrium der Grund- und Mittelschule Pressath erweist sich als ideale Freiluft-Spielstätte.

 

 

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