Pressath
24.06.2018 - 16:42 Uhr

„Mut zur Lücke“ umstritten

Der Abriss von Häusern ist ein schwieriges Thema. Denn was soll dort entstehen. Es gibt verschiedene Varianten. Manche mit Förderung, aber sind die auch sinnvoll? Der Stadtrat diskutiert.

Auf der Abbruchliste der Stadt steht auch das "Friedrichhaus" in der Bachstraße. Bild: bjp bjp
Auf der Abbruchliste der Stadt steht auch das "Friedrichhaus" in der Bachstraße. Bild: bjp

(bjp) Das schon in der Haushaltsberatung angerissene Thema der zum Abbruch vorgesehenen Altstadtanwesen kam in der gut dreistündigen öffentlichen Stadtrats-Junisitzung noch ausführlicher zur Sprache: In einer Anfrage an die Stadtverwaltung hatte die CSU-Fraktion um Auskunft über den weiteren Umgang mit den Gebäuden Schellenberg 5 und Bachstraße 4 sowie dem Stadel beim Haus der Heimat gebeten.

Dies sei auch jüngst bei einem Ortstermin mit Baudirektorin Regina Harrer von der Regierung der Oberpfalz thematisiert worden, informierte Bürgermeister Werner Walberer. Mit Blick auf den Stadel habe die Gebietsreferentin für Städtebauförderung mitgeteilt, dass die Stadt mit einem Bescheid der Regierung über den "vorzeitigen Maßnahmenbeginn" (VZB) rechnen könne, der Bedingung für den Abriss sei. Einstweilen sichere man das Gebäude entsprechend einer Aufforderung des Landratsamts.

Für das "Friedrichhaus"-Grundstück an der Bachstraße habe Walberer eine Neunutzung in Form eines "Parkstadels" mit sechs Stellplätzen sowie dreier weiterer offener Parkflächen vorgeschlagen. Ob dies so verwirklicht werden könne, hänge aber vom Ausgang der Kaufverhandlungen über einige alte Garagenbauten ab. Die CSU-Räte Charlotte Hautmann und Andreas Reindl merkten an, dass die Anlegung neuer Parkplätze in der Altstadt angesichts des knappen Parkraumangebots ein dringender Wunsch vieler Gewerbetreibender und Einwohner sei.

Bürgermeister Walberer gab allerdings zu verstehen, dass dies nicht beliebig umzusetzen sei. So habe die Regierung etwa mit Blick auf das Grundstück Schellenberg 5 signalisiert, dass sie hier die Forderung nach "Mut zur parkplatzschaffenden Lücke" nicht begrüße: "Ein geförderter Abriss des Hauses wird nur befürwortet, wenn zugleich eine nachhaltige Folgenutzung, beispielsweise durch Neubauten für betreute Seniorenwohnungen, gewährleistet wird." Vor allem ein Parkplatz-"Dauerprovisorium" sei hier unerwünscht und käme nicht für einen Zuschuss aus Städtebaufördermitteln in Betracht.

Susanne Reithmayer (CSU) plädierte dafür, dennoch "überbrückungsweise" bis zu einer förderfähigen Neunutzung einen Behelfsparkplatz anzulegen. Zweiter Bürgermeister Max Schwärzer (CSU) und seine Fraktionskollegen Andreas Reindl und Martin Schmid beklagten den unrettbar maroden Zustand des Hauses. Eine baldige, gegebenenfalls vorläufige Lösung sollte deshalb forciert werden, auch wenn es dann für den Abriss kein Fördergeld gebe: "Mit Blick darauf sollte die Stadt eine Berechnung über die Kosten für Abbruch und einstweilige Grundstücksbefestigung in Auftrag geben."

Schwärzer wies noch darauf hin, dass während der in naher Zukunft anstehenden Neugestaltung der oberen Reinwaldstraße zum Marktplatz einige vielgenutzte Parkplätze entfielen. Dritter Bürgermeister Wolfgang Graser (FWB) bezweifelte allerdings, dass eine Parkfläche am Schellenberg als gleichwertiger Ersatz angenommen würde: "Die Kunden wollen möglichst beim Geschäft parken."

Der "Mut zur Lücke" dürfe keinesfalls zum Dauerzustand werden, mahnte Richard Waldmann (FWB): "Wir müssen mit dem in Jahrhunderten gewachsenen baulichen Ensemble sensibel umgehen und Abrisslücken wieder sorgfältig schließen - vorzugsweise mit Wohnraum, damit die Altstadt nicht ausstirbt." Bernhard Stangl (SPD) ergänzte, die Stadt solle die alte Idee der Schaffung eines "Rathausquartiers" aufgreifen.

Denkbar seien beispielsweise Wohnungen, ein Seniorenwohnheim oder Geschäfte: "Hierfür könnte ein Architektenwettbewerb angeregt werden." Solche Anregungen entsprächen auch ihrer Intention, unterstrichen die CSU-Räte Max Schwärzer, Martin Schmid und Andreas Reindl. Dennoch, so Schwärzer, solle man eine Verbesserung des Parkplatzangebots nicht völlig aus dem Blick verlieren. Zum Schluss bemerkte Norbert Höfer (CSU), dass eine maßvolle und sensible Auflockerung der Bausubstanz kein Fehler sein müsse. Die Diskussion schloss mit Bürgermeister Werner Walberers Zusage, die Abrisskosten für das Schellenberganwesen zu errechnen.






 
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