07.05.2020 - 12:07 Uhr
PressathOberpfalz

Eine Reise durch Äthiopien: Abenteuerlust sollte im Gepäck sein

Bernd Wohlgut aus Pressath war schon mehrmals in Äthiopien - zuletzt im Februar, noch bevor die Coronakrise Deutschland erreichte. Über das Land im Nordosten Afrikas hat er einiges Interessantes zu erzählen.

Bernd Wohlgut am Rande des großen ostafrikanischen Grabenbruchs. Der Bruch soll vom Talboden bis zur Kante fast 2000 Meter hoch sein.
von Siegfried BühnerProfil

Im Februar dieses Jahres besuchte Buchautor und Vortragsreferent Bernd Wohlgut wieder einmal ein außergewöhnliches Land. Es war seine neunte Reise seit dem Jahr 2011 in ein Krisengebiet oder eine Herkunftsregion von Flüchtlingen aus Asien und Afrika und die dritte nach Äthiopien. Unter anderem war Wohlgut – zum Teil mehrmals - in Afghanistan, im irakischen-, im türkischen Kurdistan, in Jordanien und im Sudan. Was der Pressather diesmal an Erfahrungen aus Äthiopien mitbrachte, berichtet er im Telefoninterview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Herr Wohlgut, welche wichtigen Veränderungen konnten Sie in Äthiopien im Vergleich zu den früheren Reisen beobachten?

Bernd Wohlgut : Wir müssen uns zunächst im Klaren sein, dass Äthiopien nach wie vor zu den ärmsten Ländern auf der Erde zählt. Das Durchschnittseinkommen der mehr als 100 Millionen Einwohner liegt noch immer deutlich unter tausend US-Dollar im Jahr. Aber es gibt Fortschritte. Vor sieben Jahren war ich noch schockiert über die unzähligen Obdachlosen auf den Straßen. Jetzt sind diese Menschen erheblich weniger geworden. Armut gibt es vielfach weiterhin, aber ganz langsam bildet sich eine kleine Mittelschicht heraus. Landwirtschaft und der Kaffeeanbau bilden nach wie vor das wirtschaftliche Rückgrat dieses Landes. Aber es hat sich auch unter Mithilfe der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine kleine Händlerschicht entwickelt. Viel Äthiopier fanden auch Arbeit auf den von China finanzierten Baustellen. Unter anderem hat China die S-Bahn in der Hauptstadt Addis Abeba finanziert. Überhaupt wird im Land viel gebaut. Und nicht nur dabei spielt China eine immer größere Rolle. Nebenbei bemerkt: Europa hat Äthiopien weitgehend im Stich gelassen. Auch zur Bekämpfung der Heuschreckenplage haben die Amerikaner sofort vier Flugzeuge geschickt, Europa nichts. Die medizinische Versorgung und die Stromversorgung, vor allem auf dem Land, sind allerdings nach wie vor außerordentlich mangelhaft. Auch ist der Mangel an Trinkwasser nach wie vor ein großes Problem, sodass Äthiopier Wasser trinken müssen, bei dessen Genuss unsereins wahrscheinlich schwer krank werden würde. Große Vorteile versprechen sich die Äthiopier von dem milliardenschweren Staudammprojekt der Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre. Sie soll in spätestens zwei Jahren fertiggestellt sein, wird sich aber wahrscheinlich verzögern. Obwohl knapp zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung als Analphabeten gelten, gibt es zwischenzeitlich eine fast hundertprozentige Einschulquote bei den Kindern.

Bernd Wohlgut.

ONETZ: Wer waren Ihre Gesprächspartner?

Bernd Wohlgut: Viele Informationen erhielt ich von meinem Fahrer, vom Hotelpersonal und von verschiedenen sogenannten Guides, also Führern. Ohne Hilfe dieser Personen sollte man sich als einzelner Ausländer in Äthiopien nicht bewegen. Ich besuchte aber auch die GIZ, die Hilfsorganisation Menschen für Menschen sowie die Deutsche Evangelische Gemeinde in Addis Abeba.

ONETZ: In welcher Form ist Ihnen das Thema Flucht aus Afghanistan begegnet?

Bernd Wohlgut: Das Thema ist vorhanden, aber man hört keine offene Stellungnahme der Bevölkerung dazu. In den verschiedenen Regierungsformen der letzten 50 Jahre und der nach wie vor herrschenden politisch autoritären Regierung dieses Landes haben die Menschen nie gelernt, persönliche Meinungen frei zu äußern. Tatsache ist, Äthiopien ist selbst Aufnahmeland für viele Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea und Südsudan. Äthiopien ist und bleibt ein Vielvölkerstaat und Konflikte, die zum Teil auch auf saudisch-arabischen Einfluss zurückgehen, gibt es nach wie vor. Im Großen und Ganzen gibt es immer noch ein friedliches Zusammenleben der orthodoxen Christen und der Muslime

ONETZ: Worauf muss man sich bei einem Aufenthalt in Äthiopien als Europäer einstellen?

Bernd Wohlgut: Selbstständig durch das Land fahren sollte man nicht. Die Straßen sind nicht mit unseren vergleichbar, der Fahrstil der Äthiopier ist gewöhnungsbedürftig und im Falle von Unfällen ist man der örtlichen Polizei ausgeliefert. Religiöse Riten, auch christliche, werden sehr streng beachtet und überhaupt spielt Religion eine viel größere Rolle als bei uns. Ein Kloster besuchen kann man nur, wenn man Eintritt zahlt. Auch die Führung durch das Kloster musste bezahlt werden. Zusammenfassend kann man sagen, wer Äthiopien besucht, braucht immer auch etwas Abenteuerlust.

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