05.08.2020 - 15:09 Uhr
PressathOberpfalz

Stadtrat Pressath: Lebensmittel-Discounter will Pilotprojekt umsetzen

Ein Lebensmittel-Discounter wird in Pressath 2021 einen den Bau eines neues Großprojektes starten. Der Stadtrat gab dafür sein Einvernehmen. Der alte Markt soll dann abgerissen werden.

Auf den Wiesengrundstücken gegenüber dem alten Markt entsteht im kommenden Jahr ein neuartiger Lebensmittel-Discounter.
von Bernhard PiegsaProfil

Ein Pilotprojekt plant die Lebensmittel-Discounter-Kette „Netto“ in Pressath: „Der neue Markt, der auf der Wiese gegenüber dem jetzigen Gebäude entstehen soll, wird der erste seiner Art in Deutschland und ein Meilenstein der Entwicklung unserer Bahnhofstraße sein“, informierte Bürgermeister Bernhard Stangl in der zweiten Juli-Stadtratssitzung, in der die Räte diesem Bauvorhaben einstimmig das gemeindliche Einvernehmen erteilten.

Der neue Markt, mit dessen Bau der Investor voraussichtlich im Frühjahr 2021 beginnen werde, solle nicht nur eine um ein Drittel größere Fläche erhalten als der bestehende, sondern auch besonders hochwertig ausgeführt werden: „Steinmauern und Glasfassaden werden das Erscheinungsbild prägen.“ Die Stadt werde sich um die Erschließung der Grundstücke kümmern, baurechtliche Probleme sehe auch auch das Landratsamt nicht. Die Bauzeit dürfte etwa ein Jahr betragen, nach Eröffnung des Neubaus werde der alte Markt abgerissen, der nach rund zwei Jahrzehnten „sehr in die Jahre gekommen“ sei.

Nicht nur architektonisch sei dieser Marktneubau etwas Besonderes, merkte Stangl an: „Pressath ist eine der wenigen Städte mit derartigen Lebensmittelmärkten in Innenstadtlage – bestens erreichbar aus allen Vierteln und Wohnsiedlungen.“ Es bleibe zu hoffen, dass sich im Bahnhofstraßengebiet noch weitere Unternehmen niederließen: „Ein Drogeriemarkt stünde durchaus auf der Wunschliste.“ Stefanie Dippl (CSU) teilte diese Hoffnung: „Vor allem Familien und ältere Bürger würden sich das sehr wünschen.“

Zweiter Bürgermeister Max Schwärzer (CSU) erinnerte an die teils schwierigen Grundstücksverhandlungen, die dem Lebensmittelmarktprojekt vorausgegangen seien, und dankte insbesondere Verwaltungsleiter Josef Stock für dessen Hartnäckigkeit: „Du hast hier viel mehr als nur dein Pflichtpensum geleistet und so den Weg zu einer ganz wichtigen Etappe der innerstädtischen Weiterentwicklung gebahnt.“ Der gesamte Stadtrat schloss sich mit Beifall an.

Neue Wege will die Haidenaabstadt auch in puncto Förderung fairer Wettbewerbsbedingungen im Welthandel beschreiten: Bei nur einer Gegenstimme hieß der Stadtrat Bürgermeister Stangls Vorschlag gut, sich um den Titel „Fair-Trade-Stadt“ zu bewerben. „Die Stadt würde sich damit selbst verpflichten, für eigene Veranstaltungen oder auch für die Zusammenstellung von Präsentkörben fair gehandelte Waren zu kaufen und bei Vereinen und anderen Institutionen dafür zu werben, dass dort möglichst ebenso verfahren wird“, erläuterte der Stadtchef das mit diesem Titel verbundene Anliegen. Dabei gehe es namentlich um Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao oder Südfrüchte aus Afrika, Lateinamerika oder Asien, die mit Blick auf Arbeitsbedingungen, Erzeugerlöhne und -preise und umweltorientierte Produktionsbedingungen die Kriterien „fairen Handels und Handelns“ erfüllten.

Mehr Stadtteile an „Baxi“ anschließen

Pressath

„Unsere regionalen Erzeuger und Geschäfte kämen in einer ‚Fair-Trade-Stadt‘ Pressath keineswegs zu kurz“, versuchte Bürgermeister Bernhard Stangl die insbesondere von Charlotte Hautmann (CSU) erhobenen Bedenken gegen eine Bewerbung Pressaths um diesen Titel zu zerstreuen: „Die ‚fair gehandelten‘ ausländischen Produkte können ausnahmslos von hiesigen Händlern bezogen werden, weil ja auch in unseren Geschäften entsprechend zertifizierte Waren angeboten werden. Waren und Erzeugnisse, die in unserer Region hergestellt werden, sollen auch weiterhin hier gekauft werden.“

Diese auch von Christian Mörtl (SPD) und anderen Ratsmitgliedern geforderte besondere Rücksicht auf regionale Erzeuger und Anbieter nahm der Stadtrat in seinen Beschluss auf, der die Selbstverpflichtung zur „Verwendung von fair gehandelten und regionalen Produkten“ bei städtischen Veranstaltungen enthält. Eckhard Bodner und Richard Waldmann (beide FWB) begrüßten Stangls Initiative: „Für örtliche Gaststätten oder Cafés, die bisher zum Beispiel keinen Fair-Trade-Kaffee verwenden, könnte dies ein Anstoß zum Umdenken sein. Ein solcher Impuls ist sehr wichtig, denn wir tragen elementare Mitverantwortung für die ‚Dritte Welt‘ und für jene, die sich dort um eine Verbesserung der Lebensbedingungen bemühen“, formulierte Bodner.

Bürgermeister Stangl fügte hinzu, dass er als Beitrag zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft einen Wochenmarkt initiieren wolle, auf dem vor allem Produkte aus der Umgebung angeboten werden sollen. Hautmann sah dennoch die Gefahr, dass „Fair-Trade“-Waren die regionalen Erzeugnisse verdrängen könnten und zudem womöglich verstärkt bei auswärtigen, möglicherweise günstigeren Bezugsquellen gekauft würden. Dies würde das lokale Gewerbe schwächen: „Und gerade in der jetzigen Krisenzeit müssen wir unsere hiesigen Anbieter stärken, so gut es geht.“ Sie stimmte deshalb gegen die Bewerbung.

Info:

Bundesweit fast 700 Mitgliedskommunen

Die Kampagne „Fair-Trade-Town“ wurde 2001 in Großbritannien von Aktiven der Hilfsorganisation „Oxfam“ ins Leben gerufen. In Deutschland fasste die Bewegung ab 2009 Fuß, 692 der weltweit über 2000 teilnehmenden Städte und Gemeinden liegen in der Bundesrepublik. Hierunter finden sich auch mehrere nordostbayerische Kommunen: Amberg, Bayreuth, Creußen, Kemnath, Pegnitz, Selb, Tirschenreuth, Waldsassen, Weiden und Windischeschenbach. Seine Intention bringt das Netzwerk wie folgt auf den Punkt: „Fairtrade-Towns fördern den fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Akteur/innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich gemeinsam lokal für den fairen Handel stark machen. Das Engagement der vielen Menschen zeigt, dass eine Veränderung möglich ist, und dass jede und jeder etwas bewirken kann.“ In den teilnehmenden Gemeinden arbeiten ehrenamtliche Steuerungsgruppen werbend und koordinierend für dieses Anliegen. Ihnen gehören Vertreter der kommunalen Politik und Verwaltung, der Wirtschaft (namentlich Handel und Gastronomie) sowie der „Zivilgesellschaft“ (Vereine, Organisationen sowie Institutionen wie etwa Schulen und Kirchengemeinden) an. Internet: www.fairtrade-towns.de .

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