04.02.2021 - 16:51 Uhr
PressathOberpfalz

Unkontrollierte Fortpflanzung von streunenden Katzen eindämmen: JU-Antrag im Kreistag Neustadt/WN

"Bis zu zwölf Junge kann eine wilde Katze im Jahr haben", weiß Susanne Reithmayer und betont die Dimension: "Wenn man das hochrechnet ..." Die JU-Kreisrätin aus Pressath hat einen Vorschlag parat, wie das Problem angepackt werden könnte.

Wilde Katzen sind seit Jahren auch im Landkreis Neustadt/WN ein Problem. Deshalb beantragt die JU-Kreistagsfraktion die Schaffung eines Budgets zur Kastration /Sterilisation der Tiere.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Auf dem Hof der Familie von Susanne Reithmayer in Pressath leben drei wilde Katzen. Sie wurden mit Katzenfallen eingefangen, kastriert und "sind uns geblieben". Zwei Mal täglich kommen sie zum Füttern, dürfen in der Scheune oder im Keller übernachten und fangen quasi als Gegenleistung Mäuse.

Das ist der Idealfall. Vielfach stelle sich die Situation jedoch komplett anders dar, erzählt Reithmayer. Pressath, Kirchenthumbach, Vohenstrauß, Moosbach und auch in der Landkreismitte: Vor allem dort, wo es in den Orten Stodelviertel gebe, tauchten immer wieder Probleme mit wilden Katzen auf.

Denn die Tiere könnten ab der Geschlechtsreife mit etwa einem Jahr zwei bis drei Mal jährlich Junge bekommen. Folge der unkontrollierten Vermehrung "ist irgendwann eine Plage, auch vom Kot her", macht die Pressatherin deutlich. "Viele füttern auch, weil sie Mitleid haben": Dies verschlimmere das Problem zusätzlich.

Antrag der JU-Kreistagsfraktion

Ein Gespräch mit einer befreundeten Tierärztin hat sie jedoch auf eine Idee gebracht: Denn im Landkreis Schwandorf sei "schon seit Jahren ein Budget im Haushalt" vorhanden, um der unkontrollierten Fortpflanzung von freilebenden Katzen zu begegnen. Reithmayer regt an, dies auch für den Landkreis Neustadt/WN einzurichten. Auf ihren Vorschlag hin hat die JU-Kreistagsfraktion für die Haushaltsberatungen einen Antrag zur "Schaffung eines finanziellen Rahmens" für "die kontrollierte Kastration und Sterilisation von wilden Katzen" gestellt. Denn das Problem sei im ganzen Landkreis verbreitet, wie die Reaktion der meisten Bürgermeister unter den Kreisräten bei ihren Ausführungen in einer gemeinsamen Fraktionssitzung mit der CSU gezeigt habe.

Auch Landrat Andreas Meier, der zuvor selbst Bürgermeister war, "findet das eine gute Idee", erzählt die Pressatherin. Beim Veterinäramt des Landkreises, das sie im Vorfeld informiert habe, sei sie ebenfalls auf offene Ohren gestoßen. Die Behörde helfe ihr derzeit dabei, vorab Feinheiten abzuklären: etwa finanzielle Ausstattung, Vorgehensweise, Verträge. „Ziel ist, dass jeder Tierarzt im Landkreis mit dem Landkreis abrechnen kann“, informiert Reithmayer.

Konzept wird ausgearbeitet

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Dr. Corinna Kett vom Veterinäramt des Landkreises spricht von einer "komplexeren Sache, die organisiert werden will": Es brauche ein gutes Konzept; die Initiatorin sei bereits dabei, dieses auszuarbeiten. Das Veterinäramt leiste dabei fachliche Unterstützung.

Kett selbst "liegt es am Herzen, dass Hilfe für diese Tiere kommt". Das Problem: "Es tauchen Katzenkolonien auf, weil Menschen füttern, die es gut meinen." Doch die wesentliche Hilfe unterbleibe. Denn gut genährt, vermehren sich die Streuner unkontrolliert. Außerdem werden an den Futterstellen Bakterien, Keime und Krankheiten, "zum Teil auch lebensbedrohliche", ausgetauscht.

Die Amtstierärztin hat deshalb nicht nur die Kastration als zentrales Thema im Blick, sondern auch den Gesundheitsschutz der Tiere. Allerdings richte sich das Tierschutzgesetz nur an den Halter. Und bei wildlebenden Katzen "ist kein Ansprechpartner von Rechtswegen da". Anordnungen seien somit nicht möglich: "Jeder darf füttern, muss sich aber nicht umfassend um die Tiere kümmern".

Ihre Schlussfolgerung: "Die Hilfe für Katzen hat keine Struktur." Kett wünscht sich ein Netzwerk von Ansprechpartnern, bestehend etwa aus Tierschutzorganisationen, Tierärzten und auch dem Veterinäramt, der zuständigen Behörde für Tierschutzrecht, als einer "Stelle, die berät, aufklärt und Adressen weitergibt". Aber auch im Falle eines Budgets werde man beim Beobachten, Einfangen und Transportieren der Tiere - einer "sehr mühsamen Arbeit" - "nach wie vor auf Privatpersonen angewiesen sein", betont die Veterinärin.

Kleiner, aber wichtiger Schritt

Eine, die bei der Umsetzung "sehr gerne behilflich" ist, ist Susanne Reithmayer. Denn: "Ich mache für Tiere sehr gerne sehr viel." Die Initiatorin hofft auf Zustimmung zunächst im Kreisausschuss, auch wenn ein Budget nur "ein ganz kleiner Schritt" zur Lösung des Problems wäre - laut Mariele Junak aber ein wichtiger.

"Die Idee finde ich supergut", sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins Weiden, der Träger des dortigen Tierheimes ist, denn auch. Seit ihrem Amtsantritt 2002 begleitet Junak das Thema: "Es ist ein Elend", erklärt sie und spricht von einem "Fass ohne Boden", aber auch von einer "Grauzone". "Es ist ja keiner zuständig."

Im Monat bekomme sie "zwei bis drei Anfragen mit der Bitte um Unterstützung" von jemandem, der sich um eine Population kümmere, berichtet Junak. "Das sind teilweise 15 bs 20 Streuner, die sich dann munter drauflos vermehren." Die Leute wüssten sich oft nicht mehr zu helfen und sähen ihren Verein "als Rettungsanker" an.

Zwar werde von Fall zu Fall entschieden, bisher habe man aber "zu 99 Prozent" die Kosten für die Kastration übernommen. Pro Jahr werden "rund 5000 bis 6000 Euro" dafür ausgegeben. Da es bisher kein öffentliches Budget gebe, werden die Kosten "vom Verein aus eigener Tasche getragen": Das Geld "geht vom laufenden Tierheimbetrieb ab", macht die Vorsitzende deutlich.

Der beste Tierschutz

Aber: "Wir unterstützen gerne." Denn zum einen handle es sich bei den Ehrenamtlichen oft um "Leute, die kein großes Budget, aber ein großes Herz für Tiere haben". Und andererseits sei es der beste Tierschutz, die Population nicht zu vergrößern. Aus diesem Grund rate der Verein auch: "Füttern Sie Katzen nicht an." Diese seien „Überlebenskünstler“ und wüssten schon, „wo es was zu holen gibt“.

Sich um streunende Katzen zu kümmern, "wäre eigentlich eine kommunale Aufgabe", findet Mariele Junak. In anderen Bundesländern - etwa im Saarland - sei dies bereits so. Deshalb gehe der JU-Antrag "in die richtige Richtung".

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Hintergrund:

Die Situation im Landkreis Neustadt/WN

Laut Jutta Böhm, der Leiterin des Tierheimes Weiden, gibt es im Landkreis Neustadt/WN „sehr, sehr viele wilde Katzen“. Sie spricht von einem großen Problem und würde ein Budget für die Kastration/Sterilisation begrüßen: „Wenn es das gäbe, wäre es super.“

Tiere, die in Freiheit leben, darf das Tierheim laut Tierschutzgesetz gar nicht aufnehmen. Im Tierheim können aber Lebendfallen zum Fangen der Streuner ausgeliehen werden. Die Tiere werden dann zum Tierarzt gebracht, kastriert oder sterilisiert und im Anschluss an der Stelle wieder ausgelassen, wo sie gefangen wurden.

Die Kosten für die Operation trägt das Tierheim bzw. der Tierschutzverein als dessen Träger. Denn die Gemeinden zahlen nur für Fundtiere, nicht aber für herrenlose Tiere, die niemandem gehören.

Der Unterschied: „Ein Fundtier hat wahrscheinlich einen Herren, eine wilde Katze ist herrenlos“, erläutert die Leiterin des Weidener Tierheimes. Freilebende Katzen kommen zwar zur Futterstelle, suchen aber keinen Kontakt zu Menschen, sondern flüchten vor ihnen. Sie lassen sich nicht anfassen, „toben, beißen, kratzen, drehen durch“, wenn man sie einsperrt.

Im vergangenen Jahr wurden laut Böhm „bestimmt über 100 wilde Katzen“ über das Tierheim kastriert oder sterilisiert. Die Operation einer weiblichen Katze kostet zwischen 120 und 140 Euro, die eines Katers etwa 70 Euro. (rca)

 

 

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