Bahnstromtrasse: "Billigste Baumaßnahme oder zukunftsträchtige Lösungen?"

Die Interessengemeinschaft „Bahnstrom, so nicht!“ findet immer mehr Gehör in der Politik. Aktuell kam MdB Uli Grötsch (SPD), um sich im betroffenen Gebiet in Bild zu machen. Am Ende gehe es um tragfähige Vorschläge und langen Atem.

von Heidi FranitzaProfil

Auf der Infotour in Sachen Bahnstromtrasse hieß die Illschwanger Gemeinderätin Elke Pirner den Bundestagsabgeordneten und Generalsekretär der Bayern-SPD, Uli Grötsch, in Aichazandt willkommen. Gemeinsam mit Bürgermeister Dieter Dehling unterstrich sie erneut die Positionen der IG: „Ja zur Elektrifizierung!“ und „Nein zur geplanten Trasse!“.

Gegen den Verlauf

In Prohof erwartete Bürgermeister Michael Göth den Abgeordneten. Der Rathauschef rückte die Argumente der IG sowie das Positionspapier der 17 politischen Mandatsträger der Region in den Fokus. Der Protest richte sich nicht gegen die Elektrifizierung der Strecke, sondern gegen den Verlauf der Stromtrasse. Man befürchte, dass diese Trasse vornehmlich als Ringschluss zur sicheren Stromversorgung der Hauptstrecke Nürnberg – Hof diene, da für die Strecke Nürnberg – Schwandorf noch nicht einmal ein Planungsauftrag vorliege.

Für Uli Grötsch, der in die Planung der Trasse Nürnberg – Hof integriert ist und sich nachdrücklich für den Lärmschutz einsetzt, sind diese Aufgabenstellungen nicht unbekannt. „Das Thema wird uns noch sehr lange begleiten. An der Elektrifizierung der Strecke Regensburg-Hof wird seit über 30 Jahren gearbeitet. Es geht nicht um schnelle Entscheidungen, sondern um Prozesse, die in die Wege geleitet werden müssen. Das hat mir meine Arbeit für den Lärmschutz an dieser Strecke immer wieder deutlich gemacht. Wir müssen ein Bewusstsein in der Politik, in Berlin erzeugen.“

Grötsch begrüßte es ausdrücklich, dass sich die IG einer argumentativen Basis verschrieben habe und führte dazu auch ein Beispiel auf: „Mit Argumenten wurde auch der Lärmschutz eingefordert. Tragfähige Vorschläge fanden bei der Bahn so viel Aufmerksamkeit, dass ein gemeinsames Forum eingerichtet wurde, in dem man zusammen nach Lösungen sucht.“

Keine Parteipolitik

Grötsch warnte davor, das Thema parteipolitisch zu nutzen. Er versprach, sich mit seinem Bundestagskollegen Alois Karl kurz zu schließen und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. „Beim Südost-Link hieß es zuerst auch, dass die Leitung nicht unterirdisch verlegt werden könne. Der Bundestag hat aber die Prüfung dieser Alternative immer wieder gefordert und heute sind wir soweit, dass bei einem 1,6-fachen Kostenfaktor die Erdverlegung möglich ist.“

Bürgermeister Dieter Dehling griff das Thema der politischen Verantwortung noch einmal auf. „Es gilt zu prüfen, was genau im Planungsauftrag definiert ist: Geht es um die billigste Baumaßnahme oder um zukunftsträchtige Lösungen? Wir haben auf die Frage noch keine Antwort bekommen.“

Auch der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, Peter Zahn, monierte die Hinhaltetaktik der Bahn bei wichtigen Fragen. Er überreichte Uli Grötsch einen Zehn-Punkte-Katalog, der die offenen Fragen listet und kommentiert.

Einsatz versprochen

Pia Huber, die Sprecherin der IG, fasste das Thema „Informationsdefizit“ zusammen: „Wir bitten die Politik, dass sie uns den Weg für einen sachlichen Austausch ebnet, denn das ist bislang mit der Bahn nicht möglich!“ MdB Uli Grötsch und Bürgermeister Michael Göth waren sich einig, dass sie diese Worte als Auftrag mitnehmen. Grötsch beim Abschied: „Ich kann ihnen nicht versprechen, wie die Angelegenheit ausgehen wird. Aber als ihr Vertreter werde ich mich für ihre Interessen einsetzen!“

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Amberg
Kommentar:

Widerstand aller Ehren wert

Widerstand gegen ein Großprojekt wie die geplante Bahnstromtrasse muss sich vielfältig aufstellen. Mit klarer argumentativer Sacharbeit, wie sie die Interessengemeinschaft schon seit Wochen betreibt, wird stets das Fundament des Protests zementiert. Widerstand lebt aber auch von vielen Köpfen. Je breiter die Bewegung, desto wirkungsvoller die Erscheinung und desto intensiver der Gegendruck. Ein bunter Mix an Aktionen, mit denen die IG ihr Anliegen stets aufs Neue optisch und akustisch in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, dient dazu als belebendes Band. Menschen, denen ihre Heimat mehr bedeutet als eine bloße Wohn- und Schlafstätte, opfern ihre Freizeit, um wertvolle Natur zu bewahren. Das ist aller Ehren wert. Und von Wirrköpfen, die Protestplakate anzünden, lässt sich die Bewegung ganz gewiss nicht irritieren.

Andreas Royer

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