15.01.2020 - 17:50 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Notfalls Erzwingungshaft: Püchersreuth will Tennet nicht bohren lassen

Der Püchersreuther Gemeinderat verwehrt dem Netzbetreiber Tennet, auf gemeindeeigenem Grund Bohrungen für den Süd-Ost-Link vorzunehmen. Bürgermeister Rudolf Schopper sagt: „Die drei Wochen Erzwingungshaft halte ich schon aus.“

Auf der Straße zwischen Störnstein und Püchersreuth haben schon im vergangenen Jahr Menschen gegen den Süd-Ost-Link protestiert.
von Gabi EichlProfil

Schopper hat den Gemeinderat geschlossen hinter sich, auch wenn dieser sich wie der Bürgermeister bewusst ist, dass der Beschluss den Bau der Stromleitung nicht aufhalten werde, ja dass er ihm aufgrund der Bundesgesetzeslage "um die Ohren fliegen" könne. Dem Gemeinderat geht es den Worten Schoppers zufolge darum, ein Zeichen zu setzen. Denn das Maß sei voll. Nach einer Informationsveranstaltung der Tennet im Dezember in Weiherhammer seien er und eine Reihe weiterer Bürgermeisterkollegen "stinksauer" gewesen: "Unsere Einwände fanden in keinster Weise Berücksichtigung."

Gemeinde macht den Anfang

Es geht um drei erste Bohrungen auf Gemeindegrund. Und "wenn wir da jetzt zustimmen, akzeptieren wir in gewisser Weise schon die Trasse", sagt Schopper. Genau das will niemand im Gemeinderat und so folgen alle Räte einmütig dem "dreisten Vorschlag" des Bürgermeisters, wie Schopper ihn selbst nennt. Man verbinde damit auch die Hoffnung, dass die privaten Grundeigentümer sich an der Haltung der Gemeinde orientierten: "Einer muss den Anfang machen."

Gegen die Stimmen der beiden SPD-Rätinnen Maria Sauer und Michaela Treml genehmigt der Gemeinderat den Bau eines Funkmastes bei Pfaffenreuth. Der Betreiber hatte den ursprünglichen Antrag im Februar zurückgezogen und seine Pläne modifiziert; aus dem einst 40 Meter hohen Mast ist nun ein knapp 30 Meter hoher geworden, die Entfernung zur Ortschaft Pfaffenreuth etwas größer. Der Einfluss der Gemeinde auf den Standort sei nur ein bedingter, sagt der Bürgermeister, denn der Mast ("ein größerer Maibaum") werde auf Privatgrund stehen. Wichtig für die Gemeinde sei, dass für die Stromversorgung des Mastes keine Straße aufgerissen werden müsse. Auch erwarte man vom späteren Betreiber größtmögliche Transparenz und Information.

Treml weist darauf hin, dass die Gemeinde keinen Einfluss darauf habe, mit welcher Strahlung der Mast in Jahren vielleicht betrieben werde. "Ich geb' das nur zu bedenken", sagt sie. Schopper erwidert, über das Thema lasse sich lange diskutieren, da jedermann eine bestmögliche digitale Versorgung wünsche, aber niemand die dafür erforderliche Infrastruktur vor der Haustür haben wolle. In Kurzform kommentiert der Bürgermeister die Anliegen aus der letzten Bürgerversammlung. Als gute Anregung bezeichnet Schopper den Vorschlag, ein Teilstück der Kirchenstraße für Lkws zu sperren, da die Fahrer häufig bis zu dem Sperrpfosten führen und umständlich rückwärts wieder aus der Straße heraus rangieren müssten. Bei einer Verkehrsschau will sich der Gemeinderat vor Ort ein Bild machen.

Ein Flurbereinigungsweg in Pfaffenreuth wird bei Regen regelmäßig ausgeschwemmt; einen Ausbau müsste die Anliegergemeinschaft mittragen, sagt Schopper. Man müsse deshalb mit den Bürgern ins Gespräch kommen, um eine Verbesserung zu erreichen. Die in der Bürgerversammlung gewünschte Beseitigung der Spurbahnen sei nicht umsonst zu bekommen.

Leonberg droht Tennet mit Klage

Themenreuth bei Leonberg

Die Beteiligung von Altanliegern der Flurbereinigungsstraße zwischen Ilsenbach und dem Baugebiet Sportplatz an den Erschließungskosten wurde in der Bürgerversammlung als ungerecht bezeichnet. Würde die Straße jedoch erstmalig ausgebaut, müssten alle Anlieger mitzahlen, ob alt oder neu, erläutert Schopper. Ausgenommen seien die Bewohner des Baugebiets am Sportplatz, weil deren Grundstücke anders erschlossen seien.

Sein Einvernehmen erteilt der Gemeinderat dem Antrag auf Neubau eines Wohnhauses mit Doppelgarage in der Wurzer Lamplmühlstraße 12. Das Wahllokal in Wurz am 15. März ist wegen der Sanierung des Gemeindehauses das Feuerwehrhaus.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Maria Estl

Das ist Zivilcourage vom Feinsten, wie damals Wackersdorf. Ich beglückwünsche die Bürgerinnen und Bürger von Püchersreuth zu diesem mutigen Bürgermeister und den ebenso mutigen Gemeinderäten. Sie sollten Beispiel für Alle sein.

16.01.2020