12.02.2020 - 12:30 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Oberpfälzer Bauern klagen Uli Grötsch ihr Leid

Nach zwei Stunden sind drängendste Probleme der Bauern gerade einmal angerissen. Uli Grötsch, Generalsekretär der Bayern-SPD, sitzt die meiste Zeit im Püchersreuther Hotel Igel still und hört aufmerksam zu. Die Bauern vermissen den Dialog.

Im Gespräch mit MdB Uli Grötsch (Zweiter von links): der stellvertretende Bezirkspräsident des BBV, Ely Eibisch, der Neustädter Kreisobmann Josef Fütterer, die Tirschenreuther Kreisbäuerin Irmgard Zintl und der stellvertretende Neustädter Kreisobmann Karl Bäumler (von links).
von Gabi EichlProfil

Das Dilemma offenbart sich in einem Gespräch zwischen Vertretern der Kreisverbände Neustadt/WN und Tirschenreuth des Bauernverbandes (BBV) mit dem Generalsekretär der bayerischen SPD, dem Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch, im Püchersreuther Hotel Igel: Die Bauernschaft hat eigenem Bekunden nach das Gefühl, dass zu wenig sachlich und vor allem fachlich kompetent mit ihr diskutiert wird. Die überwiegend jungen Vertreter der im vergangenen Oktober entstandenen Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LSV) beklagen den fehlenden Dialog. Der Neustädter Kreisobmann Josef Fütterer schlägt vor, auf Kreisebene Gespräche mit Vertretern kritischer Nichtregierungsorganisationen (NGO) zu führen.

Ein Wasserfall an Themen

Es geht um die Verschärfung der Düngeverordnung, um eine fehlende Herkunftskennzeichnung, um das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, um Anbindehaltung und Ferkelkastration. Kaum ist ein Thema schlaglichtartig beleuchtet, wird das nächste in die Diskussion geworfen. Der SPD-Abgeordnete hört in erster Linie zu, bekennt, dass er kein Fachmann auf diesem Gebiet sei, versichert jedoch, die Themen mit nach Berlin zu nehmen.

An vielen Beispielen, die die Vertreter der Bauernschaft schildern, wird deutlich, mit welchen Schwierigkeiten die Umsetzung von Vorgaben in der Praxis behaftet ist. Genannt wird zum Beispiel die künftig geforderte Kombihaltung von Milchkühen, die bisher ganzjährig angebunden waren. An mindestens 120 Tagen im Jahr sollen die Rinder Bewegung bekommen, etwa durch den Austrieb ins Freiland. Fütterer erzählt von dem Bauern, der seine Kühe morgens auf die Weide getrieben, abends nach Hause geholt hat. Dazu seien Helfer notwendig gewesen, am Ende sei es im Dorf zum Streit über die verschmutzten Straßen gekommen. Diese Helfer könne heute niemand mehr aufbieten, vielfach habe man keine Fläche für eine Weidehaltung.

Ein junger Anbindehalter mit kleinem Betrieb meint: „Will man uns denn überhaupt noch haben? Oder soll ich gleich zusperren?“ Auch der Bau eines neuen Laufstalls scheint keine Garantie dafür zu sein, nicht länger mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Christian Weiß aus Windischeschenbach hat, wie er sagt, vor drei Jahren einen neuen Stall nach damals höchstem Standard gebaut. Heute - drei Jahre später - rangiere sein Stall in der zweitschlechtesten Kategorie. „Da fehlte jede Planungssicherheit“, sagt der stellvertretende Bezirkspräsident des BBV, Ely Eibisch. Laut Fütterer therapiert das Bezirksklinikum Wöllershof in erster Linie zwei Berufsgruppen nach einem diagnostizierten Burnout: Lehrer und Bauern.

Beide Seiten brauchen Nachweis

Thema Herkunftsnachweis: Eibisch fordert, der Verbraucher müsse klar erkennen können, woher ein Produkt stamme. Erst dann könne er eine Wahl treffen zwischen dem Steak aus Südamerika, für das unter Umständen auch noch Wald gerodet wurde, und einem nach den hohen deutschen Standards produzierten.

Forderung nach Kompetenz

Der junge Ferkelerzeuger Stefan Adam, ein LSV-Vertreter, sagt, die Bauernschaft demonstriere nicht grundsätzlich gegen neue Verordnungen, es gehe ihnen vielmehr um eine gemeinsame kompetente Aufarbeitung der Themen.

Der Weidener BBV-Geschäftsführer Hans Winter sagt, wenn es in der AfD keine Nazis gäbe, „wir hätten einen Tsunami an Bauern in der Partei“. Uli Grötsch erwidert: „Die AfD wird Ihnen genau das sagen, was Sie hören wollen.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.