20.07.2020 - 18:20 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Zwei Flosser finden beim "Sondeln" Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg

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Als Gerhard Kühner und Timo Kraus mit Metalldetektoren ein Feld in Püchersreuth absuchen, rechnen sie nicht damit, etwas Besonderes zu finden. Doch dann liegen direkt vor ihnen zwei Handgranaten. Kühners erster Gedanke: "Oh, Scheiße."

Gerhard Kühner (62), Kreisrat und Zahnarzt aus Floß, entdeckte am Sonntag zusammen mit Timo Kraus beim "Sondeln" zwei Handgranaten auf einem Feld in Püchersreuth.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Gerhard Kühner und Timo Kraus finden normalerweise Knöpfe, Münzen oder kleine Heiligen-Anhänger, wenn sie mit ihren Metalldetektoren Felder absuchen. Am Sonntagnachmittag allerdings sagt Kraus plötzlich zu seinem Kollegen: „Da liegt eine Handgranate.“ Die Flosser waren im Püchersreuther Ortsteil Baumgarten auf einem abgedroschenen Feld nahe dem Hotel Igel unterwegs und hatten zuvor wie üblich die Genehmigung des Landwirts eingeholt. „Ich dachte zuerst, der Kollege macht einen Scherz. Man rechnet nicht damit, dass da wirklich eine Granate liegt.“ Was die Männer kaum fassen können: Nur wenige Meter weiter liegt eine zweite Granate. Laut Polizei Neustadt handelt es sich um Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg.

Eine der beiden Handgranaten, die Gerhard Kühner und Timo Kraus aus Floß am Sonntagnachmittag auf einem Feld in Püchersreuth entdeckt haben.

Sprengkommando aus Selb

Kühner und Kraus informieren den Landwirt. Der ruft die Polizei, die das Sprengkommando aus Selb anfordert. Rund vier Stunden lang habe der Einsatz gedauert, sagt Polizeioberkommissar Alexander Franz. Die Zünder der Granaten seien wohl bei landwirtschaftlichen Arbeiten abgegangen. Die Sprengkörper hätten dennoch durch Feuer oder einen Schlag mit einem spitzen Gegenstand gezündet werden können, „was natürlich auch durch Ackerarbeiten passieren könnte“. Denn sie lagen offen herum. „Die sind wohl rausgeackert worden“, vermutet Kühner. „Wenn die Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg stammen, möchte ich mir nicht ausdenken, wie oft sie in den letzten 75 Jahren gewendet worden sind. Ich weiß nicht, mit welchem Gefühl der Landwirt jetzt auf dem Acker arbeitet.“

"Ein Feld ist nie fertig gesondelt"

„Auf den Feldern haben über Jahrhunderte Leute gearbeitet“, erklärt Kühner. Meist finden der 62-Jährige und sein Kollege Alltagsgegenstände. Zu seinen besonderen Fundstücken gehört eine Pferdeschelle aus dem 19. Jahrhundert. Seine Funde präsentiert er in einer Vitrine. Die Granaten hat allerdings das Sprengkommando entsorgt.

Auch die zweite von Gerhard Kühner und Timo Kraus gefundene Granate lag mit bloßem Auge kaum erkennbar im Boden des Feldes.

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Stefan Zaruba

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