10.09.2020 - 14:38 Uhr
PullenreuthOberpfalz

300 Jahre Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz

An diesem Sonntag könnte die katholische Pfarrei Pullenreuth ein großes Fest feiern. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie wird nur ein kleiner Rahmen möglich sein.

Vor der Klausenkirche zum Heiligen Kreuz steht eine 300 Jahre alte denkmalgeschützte Linde.
von Autor TWGProfil

Die Pfarrei besteht aus mehreren Kirchen, Filialkirchen und Kapellen. Auch eine Wallfahrtskirche gehört zu den Liegenschaften. Die sogenannte Klausenkirche zum Heiligen Kreuz steht direkt an der Staatsstraße Richtung Marktredwitz. In dieser Kirche feiern die Gläubigen bereits seit 300 Jahren ihr Patrozinium am Sonntag der Kreuzerhöhung im September.

Die Kirche erhebt sich über einem kreuzförmigen Grundriss. Über dem dreiseitig geschlossenen Chor wurde ein kleiner Dachreiter errichtet, der mit Holzschindeln verkleidet ist. Am westlichen Firstende des Langhauses ragt eine Kopie des im Jahr 1626, also schon lange vor der Klausenkirche entstandenen, "Schwedenkreuzes" in den Himmel. Das Original befindet sich in der Kirche. Es handelt sich um ein 282 Zentimeter hohes Doppelbalkenkreuz, wie man es im Stiftland oft auf Kirchtürmen findet.

Blick nach Südspanien

Das Kreuz auf der Klausenkirche ist ein Caravaca-Kreuz. Caravaca in Südspanien gehört zu jenen Wallfahrtsstätten, die echte Partikel vom Kreuz Christi besitzen. Der Legende nach sollen im Jahr 1232 zwei Engel den Kreuzpartikel in einem Doppelbalkenkreuz aus Jerusalem gebracht haben. Seitdem gilt das Caravaca-Kreuz als Heilszeichen. Das Kreuz der Klausenkirche trägt zwei Segenssprüche. Es sind der Zacharias-Segen "Zur Abwehr von Krankheit und Gefahr" sowie der Benediktus-Segen "Das heilige Kreuz sei mein Licht", die beide auf Lateinisch, in abgekürzter Schreibweise, auf dem Kreuz angebracht wurden. Der Zacharias-Segen soll 1546 als Segen gegen die Pest aufgekommen sein. Der Benediktus-Segen geht auf den Hl. Benedikt zurück. Das auch als Wetterkreuz verehrte Caravaca-Kreuz ist typisch für die Zeit der Gegenreformation und des Barocks. Neben der Wirkung gegen Unwetter, Hagel, Luft und Feuer werden noch Schutz vor Krankheiten wie Pest sowie Schutz vor den Anfechtungen des Bösen berichtet. Als Missionskreuz zur Wiederherstellung des katholischen Glaubens im Jahr 1626 in der Pfarrei Pullenreuth ist es von lokalhistorischer Bedeutung. Zudem handelt es sich um ein für die Oberpfalz einmaliges und damit überregionales Denkmal. Einer Überlieferung nach hätten die 1633/34 einfallenden Schweden das Kreuz zerstören wollen, was ihnen jedoch nicht gelungen ist. Weitere Ausstattungsstücke der Klausenkirche sind ein Marienaltar im nördlichen Kreuzarm und ein Altar mit einer Darstellung der Dornenkrönung und dem Hl. Bernhard von Clairvaux im südlichen Kreuzarm. Vor der Kirche steht eine als Naturdenkmal eine geschützte, 300-jährige Linde.

Seuchen etwas "Alltägliches"

Aufgrund des besonderen Kreuzes mit dem doppelten Querbalken, dem Caravaca-Kreuz, eignet sich diese Kirche in der jetzigen Zeit der Pandemie umso mehr für das Gebet der Gläubigen. Laut Pfarrer Josef Waleszczuk aus Pullenreuth haben Seuchen für die Menschen in den letzten 2000 Jahren zum Leben dazugehört, sie waren etwas Alltägliches. Kaum eine andere Katastrophe prägte die gesellschaftliche Vorstellung von Machtlosigkeit und Unglück so sehr wie die Heimsuchung durch die als Pest bezeichneten Seuchen.

Die Große Pest von 1708 bis 1714 wütete in Siebenbürgen, Polen, Litauen, Ostpreußen, Kurland, Livland, Estland, Russland, Finnland, Schweden, Dänemark, Ungarn, Böhmen und Mähren, Österreich und auch in Bayern, insbesondere in der Oberpfalz. In diesen sieben Jahren kamen insgesamt mehr als eine Million Europäer ums Leben. "Auf diese Erfahrungen blickt also unsere Klausenkirche mit dem Caravaca-Kreuz zurück, das über die Gegend herrscht und uns allen Schutz schenken soll", so der Geistliche.

Feierlicher Gottesdienst

Am kommenden Sonntag, 13. September, feiern die Gläubigen der Pfarrei Pullenreuth einen festlichen Gottesdienst in der Klausenkirche, anlässlich des Patroziniums Kreuzerhöhung und des 300-jährigen Bestehens der schönen Wallfahrtskirche. Dieser Gottesdienst beginnt um 10 Uhr. Bei schönem Wetter werden auch Bänke vor der Kirche aufgestellt.

Umfangreiche Renovierungsarbeiten laufen in der St.-Martin-Kirche

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