30.08.2020 - 10:43 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Baustelle statt Messfeiern in der St.-Martin-Kirche Pullenreuth

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Auf die Gottesdienste in Sankt Martin müssen die Pullenreuther, wegen der Renovierung, derzeit verzichten. Über den Fortschritt im Kirchenschiff und wann dort wieder Messen stattfinden, informieren der Pfarrer und die Kirchenpflegerin.

Pfarrer Josef Waleszczuk und Kirchenpflegerin Gabriele Hawranek besichtigen die Baustelle in der Pullenreuther Kirche St. Martin.
von Werner RoblProfil

Zuletzt wurde in der Pfarrkirche St. Martin Ende Januar ein Gottesdienst gefeiert. Danach verstummten die Pullenreuther Kirchenglocken. Denn es rückten Fachleute für Sanierungsarbeiten im Innenraum des Gotteshauses an. Nach der rund 347 000 Euro teuren Außensanierung vor zwei Jahren, soll die St.-Martin-Kirche jetzt es auch innen schöner und wieder deutlich heller werden. Die Kirchgänger nehmen die vorübergehende Schließung gerne in Kauf und freuen sich, in wenigen Wochen wieder Messen in der neugestalteten Kirche feiern zu können. Die Gottesdienste feiern die Pullenreuther derzeit in den Pfarrkirchen in Neusorg und Trevesen mit, erklärt Pfarrer Josef Waleszczuk, der aus der polnischen Diözese Breslau stammende Seelsorger und Hausherr.

Generalüberholung der Orgel

Gerüste, Plattformen, Metalltreppen und sehr viel Baumaterial prägen derzeit das Bild im Inneren des nahezu leer geräumten Kirchenschiffes. Verschwunden sind die Seitenaltäre, Bilder, Engel, Heiligenfiguren, Sitzbänke und vieles mehr. Unter anderem auch der Volksaltar. "Wir haben ihn - vor Staub geschützt - in einer Halle in Pullenreuth zwischengelagert", verweist Pfarrer Waleszczuk auf die leere Stelle vor dem Hauptaltar. Dieser durfte nämlich - derzeit aber nur wenig sichtbar - in der Pfarrkirche stehen bleiben. Zum Schutz vor Beschädigungen erhielt das Kunstwerk aber eine Kunststoffhülle. Unter einer Folie versteckt wartet die Kirchenorgel an der Westseite auf die bevorstehende Generalüberholung. "Dafür müssen wir noch einmal rund 20 000 Euro in die Hand nehmen", rechnet Pfarrer Waleszczuk vor. "Für die derzeit laufende Sanierung wurde ein Kostenaufwand in Höhe von rund 800 000 Euro ermittelt", sagt Pfarrer Waleszczuk.

Treppen, Heizung, Lüftung

Die Kirchensanierung betreut der Wunsiedler Architekt Heribert Seidinger. Die Hauptarbeiten in der 1749 erbauten Pfarrkirche liegen in den Händen der Kirchenrestauratoren der Regensburger Firma Kallinger, die oft bis zu fünf Mitarbeiter nach Pullenreuth schickt, um unter der Leitung von Viktor Kaisin den Innenraum zu sanieren. Die Restauratoren widmen sich den Wänden, der Decke und dem Rokoko-Stuck. Voraussichtlich Ende September sollen die Gerüstteile zurückgebaut werden. "Dann folgen die neuen Treppen", sagt Pfarrer Josef Waleszczuk. Bei einem Ortstermin wurde festgestellt, dass die Holzwürmer ganze Arbeit geleistet hatten. Eingebaut wird danach auch eine neue Kasten-Heizung. "Die bisher vorhandene war mit ein Grund, dass sich der Raum dunkel verfärbte", ergänzt Kirchenpflegerin Hawranek. Das Öffnen und Schließen der Kirchenfenster wird automatisch geregelt. "Die Steuerungstechnik sorgt für eine ausreichende Belüftung", so Pfarrer Waleszczuk. "Das System hat sich in anderen Kirchen bereits bewährt", schildert Hawranek.

Normalbetrieb zum Patrozinium

Der Baustellen-Rundgang führte auch auf die oberste Gerüstplattform, direkt an der inzwischen gesäuberten Kirchendecke. Die ganz kleinen Risse werden bleiben unangetastet, der Aufwand würde sich nicht lohnen. Zu sehen sind auch noch einige dunklere Rechtecke, die - derzeit noch zur Veranschaulichung - an den Zustand vor wenigen Monaten erinnern. An manchen Stellen muss der insgesamt intakte Kirchen-Fußboden ein wenig ausgebessert werden, danach wird die gesamte Fläche poliert. "Sicher lag es auch an der schlechten Heizung, zweifellos auch am schlechten Dämmmaterial, die eine Innenrenovierung notwendig machten." Im Oktober soll alles fertig sein. Mit dem Patrozinium an St. Martin im November kann das normale Kirchenleben in der renovierten Pfarrkirche seinen Betrieb wieder aufnehmen.

Diözese und Pfarrei teilen Kosten

Die Resonanz und die Zusammenarbeit in den Reihen der Kirchenverwaltung seien positiv gewesen. Dies habe den Ansporn gegeben, dass die aufwendige Arbeit noch im Winter in die Wege zu geleitet wurde. „Der Zeitpunkt kam uns gelegen. Die Angebotspreise machten Mut“, lässt Kirchenpflegerin Gabriele Hawranek anklingen. Ein klares Zeichen folgte auch aus der Diözese, die die Sanierungskosten zur Hälfte übernimmt. „Die andere Hälfte müssen wir selber beisteuern“, rechnet Hawranek vor. Für arges Kopfzerbrechen sorgte die geforderte Eigenleistung jedoch nicht. „Der Betrag wird seit rund einem Jahrzehnt bei der Regensburger Liga-Bank angespart und fließt als verzinste Schlüsselanweisung nach Pullenreuth zurück“, sagt die Kirchenpflegerin zu den vorhandenen Eigenmittel. Mit diesem Paket aus Förderung und Eigenleistung sei die Renovierung zu stemmen. Als einen positiven Beitrag wertet Hawranek auch den positiven Dialog mit Pfarrer Josef Waleszczuk.

Auch Pullenreuther Friedhof wurde kürzlich neu gestaltet

Pullenreuth
Hintergrund:

Drei Pfarrkirchen in Pullenreuth

Die erste Kirche in Pullenreuth entstand vermutlich schon im 11. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich während eines Einfalls der Hussiten zerstört. Der Wiederaufbau fand vermutlich im Jahr 1505 statt. Grund für die Annahme ist eine spätgotische Marienstatue, die aus dieser Zeit stammt. Der Hochaltar der kleinen, zweiten Kirche war dem Heiligen Martin, die Seitenaltäre waren dem Heiligen Laurentius und der Muttergottes geweiht. Nach dem 30-jährigen Krieg war es um die damalige Pullenreuther Pfarrkirche schlecht bestellt. Der Seelsorger Franz Balthasar Steiner bezeichnete sie als die "ärmlichste auf der Straße nach Nürnberg". Daran änderte sich auch in den Folgejahren nichts. Der Verfall konnte nicht verhindert werden. Während des Sonntagsgottesdienstes im März 1749 kam es zu einem dramatischen Ereignis. Die Gläubigen vernahmen ein krachendes Geräusch im Mauerwerk. Aus Angst vor einem Einsturz flüchteten sie ins Freie. Auf der Empore schlugen die Menschen Fenster ein, um sich zu retten. In aller Eile barg der Ortskaplan Pullenreuths das Allerheiligste.

Wenige Tage später waren nur noch Trümmer der alten Kirche zu sehen. Von da an wurden die Gottesdienste in der Dechantseeser Klausenkirche gefeiert. Der Grundstein für den Neubau wurde am 14. August 1749 gelegt. Er schritt dank vieler Hände, die unentgeltlich Hand- und Spanndienste leisteten, rasch voran. Ende 1750 war der Hauptbau fertig. Ein Jahr später wurde auch der Turm vollendet. Lange Zeit aber fehlte ein Hochaltar, um den sich 1769 Pfarrer Forster bemühte. Den Einbau aber erlebte der Geistliche nicht mehr. Auf seinen Wunsch hin wurde Forster am Eingang, unter der Empore, bestattet. Immer wieder wurde die Kirche Sankt Martin renoviert, zuletzt vor zwei Jahren. "Wir hoffen, dass die aktuelle Renovierung langhaltig ist", hofft Pfarrer Josef Waleszczuk, der sich - wie die Pullenreuther - wieder auf das Angelus-Läuten freut, auf das die Pullenreuther derzeit verzichten müssen.

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