28.06.2021 - 13:04 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Dank an ehrenamtliche Gemeinde-Beauftragte: "Ein Lächeln ist oft mehr wert als alles andere"

Die vergangene Gemeinderatssitzung in Pullenreuth verlief etwas anders als sonst. Sie stand ganz im Zeichen des Ehrenamts.

Auf sie ist Verlass und sie leisten wichtige Arbeit in der Gemeinde Pullenreuth: Alfred Mildner, Sandra Pinzer und Christine Gärtner (von links). Bürgermeister Hubert Kraus dankte ihnen für ihr Engagement.
von Autor TWGProfil

Bürgermeister Hubert Kraus hatte Seniorenbeauftragte Sandra Pinzer, die Leiterin der Nachbarschaftshilfe, Christine Gärtner, und Behindertenbeauftragten Alfred Mildner zur Gemeinderatssitzung eingeladen: Die ehrenamtlich Tätigen sollten ihre Arbeit und die damit verbundenen Aufgaben in der Gemeinde vorstellen.

Seniorenbeauftragte: Start ausgebremst

Sandra Pinzer ist noch nicht lange im Amt. Im vergangenen September hat sie den Posten als Seniorenbeauftragte der Gemeinde Pullenreuth übernommen; sechs Jahre war die Stelle nicht besetzt. "Meinen Start habe ich mir aber etwas anders vorgestellt", sagte sie. Denn Corona habe sie in ihrer Aufgabe ziemlich ausgebremst. Ihre Einführung wurde bei einem Seniorentreff in der "Grünen Mitte" gefeiert, bei dem die Steinwaldmusikanten aus Pullenreuth für musikalische Unterhaltung gesorgt haben. Bei diesem kleinen Fest durfte Sandra Pinzer einige der vielen Senioren der Gemeinde kennenlernen.

Dann kam abermals der Lockdown, wie die Seniorenbeauftragte bedauerte. Mit Unterstützung von Hans Spörrer aus Pullenreuth hat Sandra Pinzer ein Seniorenblatt erstellt, das für die älteren Einwohner eine kleine Abwechslung sein sollte. Sie habe ihren Posten von Anfang an mit vollem Elan ausführen wollen, doch durch Corona habe sie umdenken müssen.

Zum Osterfest hat sie mit Unterstützung der Nachbarschaftshilfe Ostertaschen an die circa 400 Senioren und Seniorinnen der großflächigen Gemeinde verteilt, zum Muttertag die Mütter und Omas mit einem Muttertagsheft und Blumen beschenkt. Hierbei dankte sie Melanie Högl aus Neusorg, die die Hälfte der Blumen gespendet hat. Auch die Väter und Opas habe Sandra Pinzer nicht vergessen wollen: Zum Vatertag gab es für sie Geräuchertes mit einem persönlichen Gruß. Die Spende hierzu kam von der Metzgerei Weiß.

Sandra Pinzer informierte die Räte über ihre weiteren Planungen und verwies auf eine Autorenlesung mit Werner Robl am Dienstag, 6. Juli, in der "Grünen Mitte" mit Kaffee und Kuchen. Ab August erfolgt wieder das Gedächtnistraining in der Bergschänke Lochau. Sie habe noch viel mehr geplant, müsse aber abwarten, was mit Blick auf Corona zu verwirklichen ist. Eine Fahrt zum Kloster Weltenburg mit Schifffahrt und verschiedene Ausflüge stehen noch auf ihrer Agenda.

Die Seniorenbeauftragte sprach ein herzliches Dankeschön an die Nachbarschaftshilfe aus, allen voran an Christine Gärtner und Hans Spörrer: "Ohne deren Hilfe wäre vieles nicht möglich gewesen." Sie hoffe, in diesem Sinne weiter machen zu können, denn schon mit Kleinigkeiten könne man den Senioren große Freude bereiten, manche bräuchten auch nur einfach jemanden zum Reden.

Gemeinderat Markus Hecht wollte wissen, ob Sandra Pinzer mit der Unterstützung seitens der Gemeinde zufrieden sei. Er fand ihren Vortrag extrem erfrischend, voller Energie und Ideen. Laut Hecht ist eine Vorstellung dieses Ehrenamtes sehr wichtig, denn man bekomme als Gemeinderat nicht viel mit und könne so eventuell Verbesserungsvorschläge entgegennehmen. Pinzer bestätigte eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, mit Bürgermeister Hubert Kraus und Katrin Bayer von der Verwaltungsgemeinschaft.

Nachbarschaftshilfe: Seit 2013

Auch die Leiterin der Nachbarschaftshilfe, Christine Gärtner, stellte ihre Arbeit und Aufgaben vor. Sie sei eine Person der ersten Stunde. Seit November 2013 gibt es die Nachbarschaftshilfe in Pullenreuth, im Mai 2015 hat Christine Gärtner die Leitung übernommen. Sie berichtete über die Anfänge in Zusammenarbeit mit dem BRK, die Förderungen durch das Bayrische Staatsministerium und die Übernahme der Trägerschaft durch die Gemeinde Pullenreuth. Sie lobte die Kooperation mit dem Roten Kreuz und dessen Vorträge, bei denen man viel lernen könne.

Sie berichtete von den Austauschtreffen aller Nachbarschaftshilfen der Nordoberpfalz, bei denen Tipps und Vorträge zu einem regen Austausch führten. Sie könne von ihrer Arbeit wenig an die Gemeinderäte weitergeben, da sie unter Schweigepflicht stehe und deshalb sehr zurückhaltend mit Namen und Informationen umgehen müsse.

Aktuell seien 15 Personen im Team und mit der neuen Seniorenbeauftragten Sandra Pinzer pflege die Nachbarschaftshilfe eine sehr gute Zusammenarbeit. Christine Gärtner und ihre Mitarbeiter stehen bei Notfällen gerne zur Verfügung. Sie vermitteln bei anstehenden Gartenarbeiten oder fehlender Kinderbetreuung, unterstützen beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, organisieren Fahrten zu Ämtern, geben Einkaufshilfen und stellen Begleiter für Kirchgänge. Wichtig ist für Gärtner auch, dass sie und ihr Team bei Einsamkeit helfen, indem sie zuhören, wenn Menschen anrufen.

Die Nachbarschaftshilfe übernahm in den vergangenen Jahren, als es keine Seniorenbeauftragte in der Gemeinde gab, deren Aufgaben. Weihnachts- und Faschingsfeiern, Stricknachmittage, Besuchsdienste im Seniorenheim, ein Flohmarkt, ein Gedächtnistraining und Grillnachmittage standen auf dem Programm. Auch für die Kinder bietet die Nachbarschaftshilfe Oster- und Adventsbasteln an. Ebenfalls hat die Nachbarschaftshilfe die Adventsfensteraktionen organisiert.

Auch für die Flüchtlingshilfe hat sich Christine Gärtner in den vergangenen sechs Jahren stark engagiert. Mit Gabi Hawranek, Heidi Müller und Claudia Schneider habe sie viel Arbeit investiert. Im November 2015 kamen zwei Familien nach Pullenreuth, deren Leben komplett zu organisieren war. Sie sammelten Geld- und Sachspenden sowie Alltagsgegenstände, gaben Hilfe bei Formularen und Anträgen, unterstützten bei Kindergarten und Schule. Weiter organisierten sie Deutsch- und Integrationskurse. Fahrten zu Ämtern, Ärzten und Krankenhäusern standen sehr oft auf dem Plan. Sogar nachts war Christine Gärtner für die Flüchtlinge erreichbar. Sie habe in dieser Zeit mit vielen Schwierigkeiten kämpfen müssen, habe aber auch viel Dank erhalten.

Hecht wollte auch von ihr wissen, ob sie mit der Unterstützung seitens der Gemeinde zufrieden sei. Er fände einen regelmäßigen Austausch mit den Ehrenamtsträgern für sinnvoll, vielleicht jährlich oder halbjährlich. Laut Hecht sind die Beauftragten sehr wertgeschätzt in der Gemeinde, "da sie das Ehrenamt sehr gut vorleben".

Christine Gärtner sagte: "Wenn man den Menschen was Gutes tun will und ein bissl was für andere übrig hat, dann ist das das richtige Amt!" Sichtlich ergriffen teilte sie den Gemeinderäten mit, dass sie die Leitung der Nachbarschaftshilfe zum Jahresende abgeben müsse: Aus persönlichen Gründen finde sie nicht mehr genug Zeit, die Organisation für alles zu übernehmen. Sie helfe aber weiterhin gerne mit, müsse aber die Leitung abgeben. Sie hoffe auf frischen Wind und einen Nachfolger.

Behindertenbeauftragter: Hilfe vermitteln

Alfred Mildner, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Pullenreuth betonte, dass seine Arbeit etwas anders aussehe als die der anderen Ehrenamtlichen. "Ich unterstütze und helfe dann, wenn man mich anruft." Wenn er von den Menschen angesprochen wird, gebe er gerne Informationen zu Anträgen, Beratungen und Einsprüchen. Auch beim behindertengerechten Bauen und bei Zuschüssen könne er Hilfe vermitteln. Vierteljährlich treffe er sich mit den Behindertenbeauftragten der Verwaltungsgemeinschaft, zum Austausch oder zu Vorträgen. Innerhalb der Gemeinde Pullenreuth gebe es 400 Menschen mit einem Grad einer Behinderung. Natürlich wisse er nicht, wer wie weit betroffen ist. Daher hoffe er, dass die Leute auf ihn zugehen, damit er sie unterstützen könne.

Applaus zum Dank

Bürgermeister Hubert Kraus betonte, dass die Arbeit der ehrenamtlichen Beauftragten der Gemeinde Pullenreuth nicht hoch genug angerechnet und geschätzt werden könne. "Ihr habt meinen größten Respekt, es ist unglaublich, was ihr leistet", sagte das Gemeindeoberhaupt. Er wisse, dass ein Lächeln oft mehr wert sei als alles andere. Mit Applaus bedankten sich die Gemeinderäte bei Sandra Pinzer, Christine Gärtner und Alfred Mildner.

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"Ich unterstütze und helfe dann, wenn man mich anruft."

Behindertenbeauftragter Alfred Mildner

"Wenn man den Menschen was Gutes tun will und ein bissl was für andere übrig hat, dann ist das das richtige Amt."

Christine Gärtner von der Nachbarschaftshilfe

"Meinen Start habe ich mir aber etwas anders vorgestellt."

Seniorenbeauftragte Sandra Pinzer

 

 

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