08.08.2021 - 14:46 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Von heiter bis ernst: Neue Geschichten und Gedichte aus dem Steinwald

Die Grenzlandschreiber wollen ihre aktuellen Schreibarbeiten ihrem Publikum bei einer Online-Lesung vorstellen. Dafür wurden Videoaufnahmen auf der Glasschleif gemacht.

von Ulla Britta BaumerProfil

Die Grenzlandschreiber warten sehnsüchtig darauf, sich wieder öffentlich präsentieren zu können. Aber Corona lässt das immer noch nicht zu. "In unser Stammlokal in Friedenfels im ,Grünen Kranz' dürfen nur maximal 20 Gäste rein", erklärt das Hans-Günther Lauth, Gründer der Grenzlandschreiber. Deshalb wolle der Wirt seine Gaststätte erst gar nicht öffnen - vorerst. Es rentiere sich schlichtweg für ihn nicht. Lauth und seine Grenzlandschreiber haben dafür vollstes Verständnis.

Damit die Ideen für neue Geschichten und die Stimmen zum Vorlesen dennoch nicht einrosten, waren die Hobbyautorinnen und -autoren dennoch nicht untätig in den vergangenen Monaten. Nun präsentieren sie sich ein weiteres Mal statt öffentlich auf der Internetplattform Youtube. Für die Videoaufnahmen, die Grenzlandschreiber Hans Spörrer wieder routiniert in die Hand genommen hat, haben sich die Autoren ein besonders schönes Fleckchen Heimat ausgesucht. Zwar ist die Glasschleif bei Pullenreuth ebenfalls aus gesagten Gründen geschlossen. Für die Aufnahmen wurde den Grenzlandschreibern aber ausnahmsweise aufgesperrt. Beim Drehnachmittag ließ sich glücklicherweise die Sonne sehen. Die Dreharbeiten mussten nicht in der zwar sehr schönen, aber dunklen Stube über die Bühne gehen.

Die Sommerlesung der Grenzlandschreiber

Familiengeschichte aufgespürt

Hans-Günther Lauth nahm als erster Autor auf der Bank vor der Eingangstür der Glasschleif Platz. Er arbeitet aktuell an seiner eigenen Familiensaga. "Wenn ich gewusst hätte, was da für Recherchen notwendig sind und wie aufwendig es ist, die eigene Familie in der Vergangenheit aufzuspüren, hätte ich das wohl lieber seinlassen", sagte Lauth mit einem Augenzwinkern, denn er stöbert gern in alten Geschichten. Ist das dann zudem seine eigene, sind sein Interesse und seine Neugierde darüber natürlich weit größer als der Arbeitsaufwand jemals sein könnte. "Gegen den Strom" soll das Buch einmal heißen. Lauth las für das Video aus dem ersten Kapitel vor. Sein Vater sei Rumäniendeutscher gewesen, erklärte er im Vorspann. Dessen Vorfahren, soweit ist der Autor mit seinen Nachforschungen bereits gekommen, stammten aus Luxemburg. Einer davon sei ausgewandert, als Rumänien Migranten mit kostenlosem Land, Starthilfe bei der Ansiedlung und einer Gans junge Männer ins Land lockte. Lauths Protagonist heißt Franz. Es geht um Armut, Entbehrungen und einen Vater, Michael Lauth, der den damals noch jugendlichen Bub das Weggehen verbieten wollte. Wie von dem Wiesauer Schriftsteller nicht anders gewohnt, las Lauth seine Geschichte sehr spannend vor.

Auch musikalische Beiträge

Alles im Kasten: Rasch waren die ersten Aufnahmen ohne Pannen oder Wiederholungen erledigt. Die Grenzlandschreiber wollen ihre Zuhörer im Netz nicht überstrapazieren, deshalb las jeder Teilnehmer nur kurze, minutenlange Texte. Im Startloch für seinen Video-Auftritt wartete Walter Pilsak aus Waldsassen mit Tiergedichten. Pilsak, der auch Musiker ist, hatte sein Akkordeon mitgebracht für zusätzlich einen musikalischen Beitrag zum Auftakt der Online-Lesung. Kameramann Hans Spörrer las regionale Geschichten vor. Er stellte auf liebenswerte Weise den Steinwald vor. Dieser durfte in der "Ich-Form" in Spörrers Geschichte selbst von sich erzählen. Am Ende gab es vom Steinwald-Kenner sogar noch ein Schmankerl. Spörrer hat ein Lied geschrieben. Den Refrain präsentierte er gleich öffentlich. Spörrers Lied beginnt mit "Am Stoawold, dou san ma daham, am Stawold, dou haltn ma zam".

Gedichteschreiber Erich Neiser war aus Weißenburg angereist, was Hans G. Lauth sehr freute. Im Laufe des Nachmittags folgten Irmtraud Schicker aus Tirschenreuth (heitere Geschichten), Christina Ponader aus Vohenstrauß (Gedichte zu ernsten Themen) und Werner Robl aus Fuchsmühl (Geschichten aus seiner Kindheit). Nicht alle Grenzlandschreiber konnten teilnehmen, bedauerte der Gründer.

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Friedenfels

 

 

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