19.11.2018 - 11:40 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Spinnstub’n in der Glasschleif

Hutzen gehen ist eine schöne, alte Sitte. Zusammenkommen, musizieren und erzählen. In der guten Stube der „Glasschleif“ wird dieser Brauch noch intensiv gepflegt.

In der „Spinnstub’n auf der Schleif“ wird mit Immergrün gebastelt.
von Werner RoblProfil

Jeder ist willkommen. So soll es auch in der „Spinnstub’n“ sein, in die die Gesellschaft Steinwaldia zweimal im Monat – aber nur im Winter bis Mariä Lichtmess – in die Arnoldsreuther Glasschleif einlädt. Im Steinwald – unweit der Burgruine Weißenstein – erwartet man die kalte Jahreszeit. Noch aber ist von Schnee und Rauhreif wenig zu spüren.

Oben in der Glasschleif trifft man sich zum geselligen Beisammensein. Im Kaminofen prasselt das Holz. Vorsorglich legt Steinwaldia-Vorsitzender Norbert Reger noch ein paar Holzscheite nach. „Damit es warm bleibt“, sagt er. Dann setzt er sich auf die Bank, um Nadine Putzer zuzuschauen. Das junge Mädchen aus Haselbrunn hat eine Schachtel voll Fichtenzapfen und eine Klebepistole vor sich stehen. Zusammen mit den Kindern will sie heute Igel, Füchse und Mäuse basteln. Jeder darf mitmachen.

Währenddessen spielt Martina Nickl auf der Knopf-Harmonika. Die junge Frau aus Harlachmühle hat am Sofa Platz genommen und lässt sich beim Musizieren nicht stören. „Ich bin dabei immer voll konzentriert“, erklärt sie in einer Spielpause. Ganz vorne - in der „Spinnstub’n“ - sitzt die Mutter von Nadine, Anja Putzer. Neben ihr erklärt Cornelia Müller aus Tannenhäusl den Symbolgehalt immergrüner Pflanzen und erinnert an den Adventskranz, für den es bald Zeit wird. „Das Laub fällt von den Bäumen, Immergrün bleibt.“ Der Abend – so verspricht die junge Frau aus dem Steinwald – soll aber kein Monolog sein. Es darf erzählt, gebastelt und gestickt werden. Zweig-Stickbilder sollen angefertigt werden.Wie das mit der Nadeltechnik und dem Stickrahmen geht, erläutert die Pullenreutherin Claudia Englmann. „Ran an die Nadeln“, empfiehlt sie ein „frohes Sticken“. Währenddessen bereitet Anja Putzer „Tannenoxymel“ auf einem Tisch zu. Dazu verwendet sie Zweigspitzen und naturreinen Honig, den die fleißigen „Glasschleif-Bienen“ bereits während der Sommermonate im nahen Bienenhäusl produziert haben. „Tannenoxymel ist ein hervorragender Hustenlöser“, erklärt Anja Putzer beim Umrühren ihrer naturnahen „Medizin“ mit Produkten aus dem Naturpark.

Für einige Stunden meint man, die Zeit sei stehen geblieben. Weitere Hutzaabende in der Schleif werden folgen, verspricht die Steinwaldia, die sich bereits auf die Rauhnacht am Samstag, 29. Dezember, vorbereitet.

Anja Putzer und Cornelia Müller erzählen, währenddessen bastelt Nadine Putzer (von rechts) kleine Waldtiere. Aufmerksam hört „Steinwaldia“-Vorsitzender Norbert Reger zu.

Eifrig wird in der Glasschleif auch gestickt.

Am Sofa musiziert Martina Nickl, die in Harlachmühle wohnt.

Cornelia Müller (rechts) erklärt wie man die Fichtenzweige zuschneiden muss.

Am Tisch hantiert Anja Putzer. Während gearbeitet wird kümmert sie sich um das Hustenmittel Tannenoxymel.

Claudia Englmann aus Pullenreuth erklärt an einem bereits fertigen Deckchen alle notwendigen Handgriffe.

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