In langen und dunklen Winternächten entstanden die geheimnisvollen Figuren, von der die Sagenwelt der Oberpfalz erzählt. Die überlieferten Geschichten stammen aus einer Zeit, als es noch kein elektrisches Licht gab und die Stuben in der kalten Jahreszeit nur mäßig geheizt waren.
So erzählte man sich, dass einmal im Jahr, zwischen Weihnachten und Silvester, sich die im Steinwald verborgenen Höhlen öffnen. Zum Vorschein sollen Perchten, Geister und meist auch die Wilde Jagd kommen. Bei der Rauhnacht am vergangenen Freitag konnten zahlreiche Besucher die geheimnisumwobenen Wesen selber erleben.
Unter der Federführung der Gesellschaft „Steinwaldia“ Pullenreuth verwandelten sich der Vorplatz der Glasschleif bei Arnoldsreuth/Harlachberg wieder in eine Schlemmermeile und die Wiese in eine Freilichtbühne. Ein Blickfang war der Fackelzug, der mit rund 500 Teilnehmern auch heuer in Pullenreuth gestartet wurde. Begleitet wurde er von der Feuerwehr und Helfern des Fichtelgebirgs- und Oberpfälzer Waldvereins.
Mehr als 1000 Besucher
Die Gesellschaft „Steinwaldia“ hatte sich viel einfallen lassen, um den mehr als 1000 Besuchern, darunter rund 200 Kinder, den Sagenreichtum der nördlichen Oberpfalz näherzubringen. Vorgestellt wurde die lärmende Wilde Jagd, die sich nicht scheute, manch einen der Zuschauer vorübergehend auch in Geiselhaft zu nehmen.
„Ich bin zum ersten Mal mit den Enkeln hier“, verriet Harald Fleck aus Marktredwitz. „Alles ist sehr mystisch und gespenstisch“, schilderte er seine Eindrücke. Er hatte nahe der Zwergengrube einen Zwischenstopp eingelegt, wo die Hankerl-Sage nachgespielt wurde. Wenige Schritte daneben lagen im Lichterschein zwei andere Spielorte. An dem einen drehte sich alles um den Walfisch am Stadtweiher und am anderen um eine weiße Frau, die auf einer Anhöhe, neben dem Wasserrad stehend, dem männlichen Mitglied des Adelsgeschlechts von Nothaft allerlei Kummer bereitete. Auch die blutbefleckte weiße Vertreterin aus dem Schloss Thumsenreuth ließ sich blicken, um dem Publikum beim Vorbeigehen ihr Leid zu klagen.
Shuttlebusse im Einsatz
Dass aus der Rauhnacht ein Besuchermagnet wurde, lag wohl auch an der trockenen Witterung und den Plustemperaturen. Zudem hatte sich die Pullenreuther „Steinwaldia“ gut auf den Abend vorbereitet. Die Feuerwehren lenkten die Fahrzeugströme, Shuttlebusse brachten die Menschen zur Glasschleif, wo sie auch wieder abgeholt wurden. Einer der im ständigen Pendelverkehr eingesetzten Buslenker war Alwin Pöllmann. Auf die Frage, ob er wohl viel zu fahren habe, erwiderte das „Steinwaldia“-Mitglied: „Ja, aber es geht schon.“ Auch Norbert Reger, der Vorsitzende der Gesellschaft „Steinwaldia“, zeigte sich zufrieden mit dem Erfolg der Veranstaltung.
Maroni und Hexentaschen
Heiße Maroni boten Christine Gärtner, ihr Sohn Manfred und Zweiter Vorsitzender Markus Reger an einem Stand vor dem Glasschleifanwesen an. „Die ersten Portionen haben wir bereits verkauft“, sagte Christine Gärtner kurz nach Beginn der Rauhnacht. „Viele heben sich die Nascherei bis ganz zum Schluss auf, weil sie sich erst die Rauhnacht anschauen und zwischendurch Brotzeit machen wollen“, wusste sie. Begehrt waren die Hexentaschen, die von rothaarigen Hexen verkauft wurden. Die Geheimnisse dieser Spezialität waren Pulled-Pork, warmes Sauerkraut oder kalter Krautsalat – darüber ein Schuss Knoblauchsoße, jeweils serviert in einer frischen Semmel. Wer Glühwein, Bier, ein Paar Fackelwürste oder einen Teller Gulaschsuppe haben wollte, musste Geduld und Zeit mitbringen. Anstellen mussten sich die Besucher überall.
In der beheizten Stube des Museums wurden dem kleinen und großen Publikum Geschichten erzählt. „Die Veranstaltung, bei der auch rund 200 Schokoladen-Goldtaler verschenkt wurden, war ein richtiges Kinderfest“, sagte Vorsitzender Norbert Reger zu Sandra Pinzers Vorleseangebot. Musikalisch begleitet wurde die Frau vom jungen Akkordeonspieler Paul Pinzer.




























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