05.08.2019 - 10:56 Uhr
Raigering bei AmbergOberpfalz

Kunstrasen beim SV Raigering: Granulat kickt mit

In heller Aufregung ist man beim SV Raigering nicht. Doch man hat sich bereits Gedanken über das Granulat im Kunstrasen gemacht. Es sorgt nicht nur für eine griffige und bespielbare Unterlage, sondern kann auch ins Grundwasser gelangen.

Jürgen Zweck, Vorsitzender des SV Raigering, steht auf dem Kunstrasen im Pandurenpark.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Mikroplastik durch Kunstrasen-Granulat im Grundwasser? Derzeit untersucht die Europäische Chemikalienagentur die kleinen grünen Fitzelchen. Während der DFB und Bundesinnenminister Horst Seehofer bereits in den vergangenen Tagen davor gewarnt hatten, dass im Falle eines Verbots von Mikroplastik durch die EU, möglicherweise tausende Fußballplätze in Deutschland umgebaut werden müssten, bremste die Europäische Kommission die Diskussion wieder. "Keine Panik, ihr könnt beruhigt weiterkicken", veröffentlichte die Deutsche Vertretung am 23. Juli in den sozialen Medien. Derzeit werde nicht an einem grundsätzlichen Verbot von Kunstrasenplätzen gearbeitet. Ob das Plastikgranulat, das auf den Plätzen derzeit zum Einsatz kommt, langfristig verboten werden könnte, ließ die Mitteilung der Kommission jedoch offen.

Beim SV Raigering versucht man trotzdem Regeln einzuhalten. Die Kleidung muss vor dem Betreten der Kabinen ausgeschüttelt werden. Fußballschuhe sollen vor der Tür ausgezogen werden. Ein Hinweisschild gibt am Kabinen-Eingang dazu die Anweisung. "Wir haben den Auftrag darauf aufzupassen, möglichst wenig Granulat vom Platz hinauszutragen", sagte Vorsitzender Jürgen Zweck. Hängt sich trotzdem etwas an der Kleidung oder in den Schuhen fest, soll es über den Restmüll entsorgt werden. "Das schlimmste wäre, wenn es in die Dusche getragen werden würde. Dann käme es in den Kanal."

Schon im März verfolgten Vorsitzender Zweck und das Vorstandsteam aufmerksam Berichte in den Medien. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es mit dem Granulat Probleme geben könnte. Klar, wenn man es sich im nachhinein so überlegt, klingt es logisch, dass es ausgespült werden kann und ins Grundwasser gelangt."

Das Granulat im Kunstrasen ist extrem klein. Laut Hersteller Polytan verhindert eine elastische Schicht unter der Rasenfläche, dass Mikroplastik ins Grundwasser gelangt.

Nächstes Jahr feiert der Pandurenpark zehnjähriges Jubiläum. Genau so alt ist der Kunstrasen. Beim Bau wurde nicht ökologische Folgen gedacht. "Ganz im Gegenteil. Es war die Optimallösung. Man kann ihn ganzjährig nutzen." Dafür müssen die Plastikhalme regelmäßig gekämmt und Granulat nachgefüllt werden.

"Mir ist das mal so richtig aufgefallen beim Länderspiel der Frauen in Rußland. In Zeitlupe hat man richtige Granulatwolken stauben sehen." In Raigering merke man die kleinen Teilchen beim Spielbetrieb nicht so extrem. "Wir haben auch nicht jährlich nachgefüllt." Ein Mitarbeiter des Herstellers Polytan, Klaus Drescher, hat sich per Interview auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbandes zu Wort gemeldet: "Fakt ist, dass bei allen neuen Technologien in den letzten Jahren immer weniger Füllstoffe eingebracht werden. Um es besser einordnen zu können: Die elastische Schicht verhindert, dass Granulat ins Erdreich gelangt." Diese Aussage ist für Jürgen Zweck wesentlich. In Raigering sei der Kunstrasen, Modell Polytan, in den vergangenen neun Jahren höchstens drei mal aufgefüllt worden.

Die Haltbarkeit eines Kunstrasens liege bei 15 bis 20 Jahren. "Es geht immer um die Deckschicht, um den eigentlichen Rasen." Trotz extremer Auslastung sei die Abnutzung nicht sehr hoch, lediglich die Linien hätten sich über die Jahre durch das Schneeräumen leicht verschoben. 20 Mannschaften trainieren dort fast täglich.

Der Kunstrasen wird bewässert, sonst trocknet er aus. Ob irgendwann eine Erneuerung stattfindet, ist eine finanzielle Sache. Bei Vereinen in der Umgebung sei es üblich, dass auf den Plätzen über die geplante Nutzungsdauer hinaus gekickt werde. Die vergangenen zwei Jahre wurde die Fremdvermietung beim SV Raigering stark reduziert, um den Platz zu schonen.

Würde man sich mit dem Wissen von heute gegen einen Kunstrasenplatz entscheiden? Jürgen Zweck: "Vielleicht würde man einfach mal abwarten, was bei der Untersuchung des Granulats herauskommt oder eine andere Schüttung bevorzugen. Aber allein von unserem Betrieb her mit 20 Mannschaften, wäre ein anderer Platz gar nicht mehr möglich."

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