Raigering bei Amberg
29.07.2018 - 16:46 Uhr

Lange Raigeringer Kirwa: Beschwerden wegen Juchitzer

Die Gerüchteküche brodelt in Raigering. Gibt es wirklich Bürger, die eine 111-jährige Tradition stört? Seit Mittwoch macht es im Ort die Runde. Angeblich herrscht Unverständnis darüber, dass die Kirwa gleich sieben Tage lang dauert.

Jung und Alt helfen zusammen beim Baumaufstellen. Der ist wegen den herrschenden 32 Grad Celsius beim Fällen heuer 32 Meter lang. GTH
Jung und Alt helfen zusammen beim Baumaufstellen. Der ist wegen den herrschenden 32 Grad Celsius beim Fällen heuer 32 Meter lang.

(gth) Das Geschrei der Burschen sei so laut, heißt es vonseiten der Beschwerdeführer. Was die als Geschrei bezeichnen, sei aber eine Uralt-Tradition namens Juchitzer.

Nachschlagewerke beschreiben diese Lautform als einen kurzen, melodiösen Schrei, wobei der Juchitzer in den Jodler übergehen kann und wohl auch dessen Stammform bilde. Schon der Bayerische Rundfunk stellte 2016 fest, dass dieser bayerische Freudenschrei im Freistaat wohl aussterbe. Umso lobenswerter sei es, dass gerade in Raigering, diese Verständigungsform von jungen Burschen erhalten bleibt. So, wie auch andere Brauchtümer, die nachweislich seit 111 Jahren zu Raigering gehören, zum Beispiel die Brauerei.

Meist nur drei Tage

Tatsächlich ist es so, dass andere Ortschaften bayernweit ihre Kirchweih meist drei Tage lang feiern. Bei der größten Traditionskirchweih der Oberpfalz aber klingt jeder Arbeitstag gemütlich aus und mündet meist in einem kleinen Fest. Nicht verwunderlich. Es ist eben ansteckend, wenn die Burschen nach getaner Arbeit in den Sterk-Garten einziehen, begleitet vom Vereinsmusikanten Christian "Schnittlauch" Erlbacher, der die Lieder auf der Ziehharmonika begleitet. Oft gesellen sich weitere Nachwuchsmusiker und alte Musikanten dazu und es entwickelt sich ein gemütliches Beisammensein. Traditionspflege macht Spaß, deshalb engagieren sich junge Raigeringer dafür.

Ein Meter pro Grad Celsius

Schweißtreibend ist die Arbeit zuvor alle Mal. Doch heuer hatte Vorsitzender Stefan Nübler bei der Baumsuche schon ein Einsehen. "Ein Meter Baum pro Grad Celsius", war die Formel diesmal. Zum Glück gab es keinen neuen Hitzerekord. Aber 32 Grad hatte es und damit holten die Burschen einen 32-Meter-Prügel aus dem Stadtwald am Mariahilfberg.

Als sich am Samstag gegen Mittag der Himmel verfinsterte und auf alle Handys auf dem Festplatz Unwetterwarnungen kamen, geriet der Zeitplan durcheinander. Mit zwei Stunden Verspätung traten die jungen und alten Raigeringer gemeinsam an die Schwalben und hievten den inzwischen festlich geschmückten und geringelten Baum unter der Anleitung von Werner Biehler und Roland Erras mit Muskelkraft gen Himmel. Höhepunkt der Kirwa war das Austanzen am Sonntag. Vermutlich zum Leidwesen der Beschwerdeführer ertönte nach jedem Schnodahüpfl auch der Juchitzer.

Am Montag ist der Frühschoppen im Sterk-Garten inzwischen legendär. Der Burschenverein kann dieses Flair nicht genießen. Die Mitglieder müssen mit lauten Juchitzern und Musik durch den Ort ziehen und den Kirwabären präsentieren. Eine besondere Zeremonie ist das Geldbeutelwaschen am Dienstag. Zuvor spielen die Raigeringer Musikanten, bevor um 22 Uhr die Burschen ans Becken treten und die zu Ende gehende Kirchweih beweinen.

Video: 110 Jahre Burschenverein Raigering

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