12.11.2020 - 11:11 Uhr
Oberpfalz

Das Raubtier für den Hausgebrauch

Hund oder Katz'? Die Deutschen haben sich entschieden. Fast 25 Millionen vierbeinige Haustiere gibt es im ganzen Land, etwa 15 Millionen davon dürften Katzen sein. Sie machen ihre Menschen glücklich - stellen aber auch Ansprüche.

Stuhl, Schreibtisch oder Bücherregal, Tiger liegt gern ein wenig höher.
von Helga KammProfil

Sie heißen Lilli, Maja oder Lucy, wenn sie Katzendamen sind. Kater werden gern Simba, Leo oder Felix genannt. Katzen, ob Hauskatzen oder Freigänger, sind zum Haustier Nummer eins der Deutschen geworden. Warum sind die Samtpfoten so beliebt? Katzen sind süß und der perfekte Gegenpol zu unserem hektischen Alltag. Katzen sind haben aber auch etwas faszinierend Gefährliches an sich, sind Individualisten, fordern unsere Aufmerksamkeit und Zuneigung, ordnen sich aber nicht unter.

Erst Göttin, dann Hexe

Als Göttin verehrt und als Hexe verfolgt - kaum ein anderes Tier hat bei Menschen so zwiespältige Gefühle hervorgerufen wie Felis catus, die Katze. Ihre wilden Vorfahren lebten vor etwa 50 Millionen Jahren, gezähmt und als Haustier gehalten wurden sie vor über 4000 Jahren. Ägypter, Kelten und Germanen pflegten einen Katzenkult, verehrten die Katze als Göttin oder als Tier der Götter. Im Mittelalter dagegen kippte die Verehrung in blanken Hass um. Katzen galten als Hexen und wurden gejagt.

Ganz anders in unserer Zeit. War die Katze lange Zeit überwiegend als Mäusejägerin auf Bauernhöfen gerngesehen, wird sie heute in Haushalten und Familien versorgt und verwöhnt. Psychologen der Universität Bonn fanden sogar heraus: Wer eine Katze hat, lebt glücklicher und länger. Dabei ist es unwichtig, ob es sich um eine Rassekatze handelt oder um eine "ganz normale", die von einem Bauernhof kommt oder aus dem Tierheim.

Was macht man mit herrenlosen Katzen?

BesserWissen

Was will das Tier?

Das weiche Fell, das sanfte Schnurren, das zärtliche Reiben des Köpfchens, das allen Rassen ähnlich ist, macht den Menschen zum Sklaven seiner Samtpfote. Er staunt über ihre Sinne: das feine Gehör, die Augen, die selbst im Dunkeln noch sehen können, ihre empfindliche Nase, die beim Jagen der Beute hilft, die Schnurrhaare und die Ballen an den Vorderpfoten mit denen die Umgebung ertastet wird. Darf eine Katzenmutter im Hause ihres Menschen Junge zur Welt bringen, ist es faszinierend zu beobachten, wie sie den Nachwuchs versorgt, schützt und ihm spielerisch Jagdtechniken beibringt.

Hauptsache, warm und kuschelig: Katzen sind Meister darin, sich schöne Plätze zu suchen.

Für Menschen ist es sehr wichtig, zu begreifen, was uns die Katze sagt und wie wir ihr Verhalten richtig deuten können. Katzen benutzen ihren Körper und bestimmte Laute, um sich uns mitzuteilen. Der Schwanz zum Beispiel ist ein Ausrufezeichen. Ist er erhoben, freut sich die Mieze, uns zu sehen. Ähnelt er dagegen einem Staubwedel, ist gesträubt und groß, sagt das dem Gegner: Halte dich fern.

Die Ohren der Katze sind bewegliche Trichter, mit denen sie nicht nur hören, sondern auch kommunizieren kann. Ihr Fauchen ist Warnung, ihr Schnurren beim Streicheln drückt fast immer Wohlbehagen aus.

Hat der Mensch Haus und Garten, wird seine Katze glücklicher Freigänger sein. Etwa 600 bis 800 Quadratmeter groß kann dann ihr Revier sein. Im besten Fall kann sie per Katzenklappe ins Haus kommen oder es verlassen, kann aufregende Nächte im Freien verbringen, muss natürlich auch des öfteren mit fremden Eindringlingen Kämpfe ausfechten.

Die Katze: Eigentlich kein echtes Haustier

Deutschland & Welt
Ob mir hier die Vögelchen direkt ins Maul fliegen?

Großer Wirtschaftsfaktor

Es sind nicht nur Familien mit Kindern, sondern vielfach Singles, die sich Katzen halten. Beide können füreinander zu wichtigen Sozialpartnern werden. Das gilt ebenso für andere Heimtiere. 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben mindestens ein Heimtier, dazu zählen auch Vögel, Meerschweinchen und Hamster.

Dass dieser Trend auch als Wirtschaftsfaktor nicht zu unterschätzen ist, zeigen einschlägige Zahlen. Etwa 282 Millionen Euro werden in Deutschland jährlich für Katzenstreu ausgegeben, 577 Millionen Euro für Futter, 204 Millionen für Zubehör, das das Leben der Stubentiger bequemer und interessanter macht.

Und auch eine Kehrseite der Medaille gibt es, die von den Fans der Samtpfoten meist ein wenig verdrängt wird, aber nicht verhindert werden kann. Knapp 200 Millionen Kleintiere erlegen deutsche Katzen pro Jahr. Meist sind es Mäuse, aber auch Singvögel müssen ihr Leben lassen. Katzen töten auch Eidechsen, Eichhörnchen und Fledermäuse.

Fließendes Wasser am Trinkbrunnen ist ein Service, den Katzen gern annehmen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.