12.05.2019 - 19:59 Uhr
RegensburgOberpfalz

100 Jahre fürstliche Notstandsküche

Fürstliche Notstandsküche versorgt seit 100 Jahren bedürftige Menschen. Zum Festakt im Schloss St. Emmeram kommen gleich drei bayerische Kabinettsmitglieder.

Zum Jubiläum der fürstlichen Notstandsküche kamen Ministerpräsident Markus Söder (von rechts), Familienministerin Kerstin Schreyer und Finanzminister Albert Füracker (Vierter von rechts). Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (Mitte) und ihr Sohn, Fürst Albert (links), hatten dazu eingeladen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Einen prächtigeren Ort für eine Armenspeisung kann man sich kaum vorstellen. Jeden Mittag essen 150 Bedürftige im stuck- und gemäldeverzierten Refektorium im Schloss St. Emmeram der Familie von Thurn und Taxis. Am Samstag wurde das 100-jährige Bestehen der fürstlichen Notstandsküche mit viel Prominenz gefeiert.

Für zahlreiche bedürftige Menschen in Regensburg ist die Einrichtung ein Segen: In der Notstandsküche bekommen sie mittags ein dreigängiges Menü mit einer Vorspeise, einem warmen Hauptgericht und einem Dessert. Fürst Albert von Thurn und Taxis betonte bei der Jubiläumsfeier am Samstag, dass es an den Tischen der Notstandsküche nicht nur um die Mahlzeiten gehe, sondern auch um Gemeinschaft und Gemütlichkeit. Es sei ein Ort, "an dem man seine Sorgen für einen Moment vergessen kann".

Gegen Widerstand

Der Fürst blickte zurück auf die Gründung der Notstandsküche 1919. Europa sei damals, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, von schrecklicher Not gekennzeichnet gewesen. Geprägt von diesen Zeiten, habe sein Urgroßvater und Namensvetter Fürst Albert begonnen, ehemalige Soldaten, Flüchtlinge, Arbeitslose und andere Bedürftige mit lebensnotwendigen Mahlzeiten zu versorgen. Auch in Zeiten schwerster Wirtschaftskrisen in den 20er Jahren und später gegen den Widerstand der Nationalsozialisten wurde die Speisung aufrechterhalten. In den 70er Jahren kamen nach der Gründung der Universität Regensburg Studenten zu den Gästen hinzu.

Fürst Albert betonte, das Engagement seiner Familie fuße auf christlichen Werten. Außerdem wolle man das katholisch-bayerische Lebensgefühl fördern. Ausgewählt werden die Gäste nach Angaben des Fürstenhauses bis heute "ohne Rücksicht auf die konfessionelle Zugehörigkeit auf paritätischer Grundlage". Während das Fürstenhaus die Speisung finanziert, wird sie vom Caritasverband Regensburg organisiert. Die Caritas sorgt auch dafür, dass Mahlzeiten an Menschen geliefert werden, die zum Essen nicht ins Schloss kommen können. Essenslieferungen gehen außerdem an zwei Kindergärten und ein Kinderheim.

Lob für Fürstenfamilie

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lobte in seiner Festansprache das soziale Engagement der Fürstenfamilie. "Wenn man selbst auf der glücklichen Seite steht, sollte man die nicht vergessen, die auf der anderen Seite stehen." Obwohl Bayern ein reiches Land sei, gebe es viele Menschen, denen es nicht gut geht, räumte der Ministerpräsident ein. "Jeder Mensch ist gleich viel wert" - dieses christliche Menschenbild diene der Fürstenfamilie als Motiv. Söder sagte, er würde sich wünschen, "dass wir wieder mehr für unseren Glauben einstehen". Neben Söder waren auch Familienministerin Kerstin Schreyer und Finanzminister Albert Füracker (beide CSU) zum Festakt nach Regensburg gekommen. Ebenso war Fürst Alberts Schwester Elisabeth von Thurn und Taxis bei den Feierlichkeiten dabei.

Vor dem Festakt fand in der Basilika St. Emmeram ein Gottesdienst statt. Mit Blasmusik und Fahnenträgern zog die Festgesellschaft dann hinüber ins Refektorium. Im Kreuzgang konnten die Gäste eine Ausstellung zum Thema "100 Jahre fürstliche Notstandsküche" besuchen. Selbstverständlich gab es am Samstag auch für die Festgäste ein Mittagessen im Schloss.

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