27.08.2019 - 09:33 Uhr
RegensburgOberpfalz

E-Scooter für Regensburg

Mikail Öcal will Elektro-Tretroller nach Regensburg bringen. Dazu hat er ein Start-up gegründet und schon im September soll es losgehen. Die Stadt versucht derweil, eine Verwahrlosung des öffentlichen Raums zu vermeiden.

Mikail Öcal auf einem Test-E-Scooter. Der Unternehmer will die elektrischen Tretroller im September nach Regensburg bringen.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Die E-Scooter kommen nach Regensburg. "Wir hoffen in vier Wochen", sagt der 28-jährige Mikail Öcal zum geplanten Start. Der Schwandorfer beschäftigt sich seit etwas einem Jahr mit der Branche, vor wenigen Wochen hat er das Start-up "Wave Mobility" alleine gegründet. Alles sei nun vorbereitet, es fehlen nur noch die Roller und die App, beides sei bestellt. Das Problem: Die Hersteller hätten gerade Lieferschwierigkeiten. "Es gibt gerade so einen großen Andrang auf E-Scooter." 100 Fahrgeräte habe er bei der Firma Segway geordert - der Mercedes unter den E-Scooter-Herstellern, kommentiert Öcal, der bei Maschek Automobile arbeitet.

Immer fünf Roller sollen dann jeden Morgen an ausgewählten Orten in der Altstadt und bei der Universität zu finden sein. Diese Plätze seien vorab mit der Stadt abzustimmen und erlaubnispflichtig, teilt Pressesprecherin Tatjana Setz mit. Denn Regensburg will ein Chaos mit den neuen Tretrollern wie in anderen Städten vermeiden. Dazu strebe die Stadt mit den im Moment vier interessierten Firmen den Abschluss einer freiwilligen Selbstverpflichtung an. Von denen werde aber nur "Wave Mobility" "noch in diesem Jahr in kleinerem Umfang" mit dem Betrieb starten, so Setz.

Maximal 300 Roller

In der Selbstverpflichtung geht es etwa um die maximale Anzahl der Roller. Die Stadt will dies begrenzen: "In Summe sind von allen Anbietern zusammen maximal 300 Miet-Roller im Stadtgebiet zulässig", schreibt Setz. Würde er ganz Regensburg mit E-Scootern bedienen wollen, müsste er allerdings 500 Stück zur Verfügung stellen, schätzt Öcal.

Die Orte, an denen die E-Scooter geparkt wurden, sollen Interessierten in Öcals App angezeigt werden. Und sie soll die Kunden über eine "Idealzone" mit vielen Sehenswürdigkeiten informieren. Eine Route könnte etwa vom Bahnhof über die Maximiliansstraße zum Neupfarrplatz verlaufen, berichtet Öcal. Damit will er vermeiden, dass die Rollerfahrer über ungeeignete Wege holpern. Denn: "Es macht keinen Spaß, wenn ich über Kopfsteinpflaster fahre."

In der freiwilligen Selbstverpflichtung hat die Stadt auch Tabuflächen definiert, auf denen das Abstellen der Roller nicht zulässig ist: "unter anderem in allen öffentlichen Grünflächen, Feuerwehranfahrtszonen, in Bereichen mit eingeschränktem oder absolutem Halteverbot, auf Warteflächen der ÖPNV-Haltestellen oder in verkehrsberuhigten Bereichen", zählt Setz auf. "Es ist Aufgabe des Anbieters, die Nutzenden darüber aufzuklären. Das wiederholte Abstellen von Mietrollern durch Nutzende auf solchen Flächen ist durch den Anbieter zu sanktionieren, zum Beispiel durch Ausschluss von der Nutzung."

Auf diese Weise versuche die Stadt einer "Verwahrlosung des öffentlichen Raums entgegenzuwirken, da derzeit kein rechtlicher Rahmen die Nutzung regelt". Etwa in Berlin gibt es schon Probleme mit den Gefährten. Sie würden "teilweise kreuz und quer, auch mit Behinderung des Fußverkehrs, abgestellt", sagte eine Sprecherin des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg dem "Tagesspiegel".

Anleitung zum Fahren

Damit die Roller in Regensburg nicht zum Problem werden, will Öcal seinen Kunden in der App eine Anleitung zum Fahren bereitstellen. Die soll etwa verhindern, dass Leute stürzen. "Wir wollen, dass die Leute mit Hirn fahren." Wie andere Fahrzeuge müssen auch Elektro-Tretroller haftpflichtversichert sein.

Seit einem Jahr bereitet sich der junge Unternehmer aufs E-Scooter-Geschäft vor. Er habe den Start der Gefährte in den USA verfolgt und sich gedacht: "Das brauchen wir auch in Deutschland." Bereits zwei Monate habe er an dem Projekt gearbeitet, als er erfahren habe, dass diese Roller in Deutschland noch gar nicht erlaubt seien. "Da war ich ganz schön baff." Seit 15. Juni sind die Fahrzeuge auch bei uns zugelassen.

Öcal glaubt schon jetzt an den Erfolg der E-Scooter in Regensburg und ist bereits mit vier weiteren Städten in Bayern im Gespräch. In zwei Städten will er einstigen. Welche das sind, verrät er nicht. Auch sei denkbar, dass sein Start-up "Wave Mobility" noch andere Elektro-Gefährte ins Programm aufnimmt. "Die Zukunft gehöre der Elektro-Mobilität."

So soll das Ausleihen der E-Scooter funktionieren:

Wer künftig einen Roller des Start-ups „Wave Mobility“ in Regensburg benutzen will, lädt sich die dazugehörige App auf sein Smartphone, hinterlegt darin ein Konto und schaltet am Handy einen Roller frei. Der Start soll 1 Euro kosten, jede Minute Benutzung zwischen 15 und 25 Cent – genau festgelegt hat sich der 28-jährige Schwandorfer noch nicht. Die App registriere, wenn ein Roller abgestellt und abgesperrt wird. Wer vom Hauptbahnhof zum Dom fährt, zahlt zirka 2,80 Euro, rechnet Öcal vor. Um etwa 22 Uhr sollen die Roller eingesammelt und die Akkus über Nacht aufgeladen werden. Zwischen 6 und 7 Uhr am Morgen sollen sie für die Kunden wieder bereitstehen. Das Einsammeln will der Unternehmer nicht günstigen Arbeitskräften aufdrücken, sondern selbst anpacken. Seinen Job als Autoverkäufer will er trotz Nachtarbeit nicht beenden. „Ich schaff das. Und ich habe ein paar gute helfende Hände.“

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